Wasserschloss Dallau: historisches Schlösschens des Deutschen Ordens mit mysteriösem Ruhestein

Isabella Mueller, @isabella_muenchen

Ich liebe es sonntags mit dem Auto in der Gegend herumzucruisen. Bei meiner Tour entdeckte ich das ehemalige Wasserschloss in Dallau einem Ortsteil der Gemeinde Elztal im Neckar-Odenwald-Kreis. Das Schloss entstand um 1300 als Tiefburg und war Herrensitz der damaligen Ortsherren von Dallau, der Herren von Heinriet. Die Burg bestand dabei nur aus einem Wohnturm, der von einer Ringmauer umgeben war. Im Jahr 1356 wurde die Burg vom Erzbischof von Mainz zerstört. Erst ab 1371 wurde ein rechteckiges Gebäude auf Teilen der abgebrochenen Turmburg errichtet und in die noch vorhandene Ringmauer eingebaut. Im Jahr 1416 kaufte der Deutsche Orden die Hälfte des Ortes und die gesamte Burg. Die Burg ließ der Deutsche Orden in den Jahren 1438 bis 1451 grundlegend erweitern. So wurde anstelle des alten Wohnturms der heutige Palas mit Staffelgiebel errichtet, der im Süden und Westen auf die alte Ringmauer gebaut wurde. Das neue Hauptgebäude, der von einem 20 Meter breiten Wassergraben umgebene, teilweise doppelt ummauerte und mit vier Ecktürmen sowie Torbau ausgestatteten Anlage, bildete der Palas. An die Burganlage schloss jenseits des Wassergrabens nach Westen noch eine ebenfalls ummauerte und vom Dorf her nur durch einen Torturm zu erreichende Vorburg mit verschiedenen Wirtschaftsgebäuden an. Die Burg wurde zwar im Bauernkrieg 1525 von Aufständischen erobert, aber nur unwesentlich beschädigt. In den Jahren 1529 und 1530 wurde die Burg erneut ausgebaut und so entstand am Nordgiebel des Palas ein mehrgeschossiger Küchenanbau. Die gesamte Anlage wurde mit einem Graben, der mit Wasser gefüllt wurde, angelegt und die Burg wurde zum kleinen Wasserschlösschen. Im Jahr 1668 kam die Anlage an die Kurpfalz und wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts aufgegeben. Viele Gebäudeteile wurden abgerissen. Nachdem die Gemeinde Elztal das Schloss 1974 erworben hatte, erfolgte 1986 die Aufnahme in das Denkmal-Nutzungsprogramm. Mit dessen finanziellen Mitteln wurde es möglich, die Sanierung und Erhaltung dieses eindrucksvollen, mittelalterlichen Schlosses vorzunehmen. Die Renovierungszeit dauerte über vier Jahr. Im Juli 1995 war es dann soweit, das Schloss wurde eingeweiht und der kulturellen Nutzung zugeführt. Heute befindet sich im zweiten Obergeschoss die Außenstelle der Musikschule und im ersten Obergeschoss finden Veranstaltungen und standesamtliche Trauungen statt. Das Schloss Dallau dient heute insbesondere kulturellen Zwecken. Ich parkte mein Auto und spazierte um das idyllische Schloss herum. Neben einem Denkmal vor dem Schloss für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg entdeckte ich einen mysteriösen Stein. Ich wusste anfangs nicht, welche wichtige Bedeutung der Stein für die damalige Bevölkerung hatte. Eine Informationstafel neben dem Stein klärte mich auf. Der Ruhestein ist Zeuge einer längst untergegangenen Epoche: Der Zeit vor der Industrialisierung. Das damalige Dallau war geprägt von Landwirtschaft. Mit über 1700 Hektar Gemarkungsfläche gehörte der Ort zu einem der größten im Umkreis. Entsprechend weit waren die Wege, die Mensch und Tier hinauf zu den fruchtbaren Äckern der Hochebene zurücklegen mussten. Viele Kilometer auf steilen Feldwegen mit bis zu 150 Meter Höhenunterschied per Fuß und Pferdefuhrwerk. Die Bauernfamilien blieben daher oft von früh morgens bis in die späten Abendstunden auf den Feldern. In großen Körben balancierten die Frauen mühsam Speis und Trank die Anhöhe hinauf. Auf halber Strecke sollten sie sich ausruhen können. Daher stellte der damalige Vogt Andreas Silber 1816 diesen Ruhestein in der Nähe des heutigen Steinbruchs im Gewann „Trieb“ auf. Nach der Motorisierung verlor der Stein seine Bedeutung. Er geriet in Vergessenheit und verwitterte. Gustav Reichert rettete den Ruhestein 1937 vor dem Zerfall. Nach Flurbereinigung und Neuordnung des Wegenetzes wurde der Stein vom damaligen Standort entfernt. Heute hat der Ruhestein beim Dallauer Wasserschloss einen würdigen Platz gefunden. Er soll an vergangene Zeiten erinnern und Ruhe ausstrahlen. Das ist heute so nötig wie damals. Ich hatte davon noch nie gehört und war überrascht, dass es so einen Stein früher gab. Man lernt eben nie aus. Ich nahm viele Impressionen von diesem historischen Gebäude mit, das glücklicherweise erhalten wurde. Als ich in mein Auto einstieg kamen mir die Worte des russisch-amerikanischen Schriftstellers Isaac Asimov in den Sinn: „Das wahre Vergnügen ist nicht, etwas zu wissen, sondern es herauszufinden!“. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom Dallauer Wasserschloss.:)

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