Hafenmarktturm Heilbronn: Symbol des Heilbronner Wiederaufbaus nach 1944

Isabella Mueller @isabella_muenchen

Die baden-württembergische Stadt Heilbronn wurde während des Bombenangriffs in der Nacht vom 4. Dezember 1944 durch die British Air Force zerstört. Auch der Hafenmarktturm erlitt schwere Beschädigungen. Ich besuchte diesen markanten Turm mit seinen acht Glocken im Turmhelm, die täglich ab 19.20 Uhr die Melodie „Kein schöner Land“ und morgens um 10.55 Uhr fünf Melodien bekannter Volkslieder erklingen, die an die Luftangriffe am 10. September und am 4. Dezember 1944 auf Heilbronn gedenken. Der Hafenmarktturm befindet sich direkt in der Heilbronner Innenstadt. Die Geschichte des Turms geht auf Mönche des Franziskanerordens, auch Barfüsser genannt, zurück. Diese erbauten im Jahre 1314 ihre Klosteranlage zwischen Sülmerstraße und östlicher Stadtmauer. Nachdem die Kirche 1688 durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wurde, ließ die Reichsstadt etwa zwischen 1698 bis 1727 einen Turm in barocker Form erstellen. Um 1800 diente der Turm als Schrotkugelfabrik. In den Jahren 1926 bis 1936 errichtete man im Sockelbereich das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges nach den Entwürfen des Architekten Paul Bonatz und der Bildhauer Erwin Scheerer, Wilhelm Schäffer und Karl Dübbers. Während der Bombennacht 1944 wurde die Turmspitze erheblich beschädigt. In den Jahren 1950/51 erfolgte der neuerliche Ausbau und der Wiederaufbau der Turmspitze. Seitdem ziert ein handgeschmiedeter Phönix, als Symbol des Heilbronner Wiederaufbaus, entworfen von Heinrich Röhm die Turmspitze. Zudem wurde 1963 im Sockelbereich mit dem Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges aus den 1920er Jahren ein Durchgang geschaffen.
Nach Renovierung der Außenfassade im Juli 1986 und dem Einbau eines Treppenaufganges zur oberen Plattform, ist der Hafenmarktturm begehbar. Die Öffnungszeiten zur Turmbesteigung sind von montags bis samstags von 10.00 bis 16.00 Uhr. Die Besichtigung ist kostenlos und der Schlüssel kann innerhalb der Öffnungszeiten in der Tourist-Information und an den Wochenenden im Haus der Stadtgeschichte abgeholt werden. Ich hatte bei meinen Besuchen der schönen Stadt Heilbronn, die malerisch von Weinbergen umgeben ist und auch als Stadt des Weins mit ihren mehr als 130 Weingütern in der Region bezeichnet wird, diesem barocken Turm nie weiter Beachtung geschenkt. Dabei ist dieser Turm ein markantes Bauwerk in Heilbronn und zählt zu einer der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt. Ich bestaunte das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges im Inneren. Im Rundbogen ist folgende Inschrift zu lesen: „Für Ihr Vaterland starben 1914–1918 zweitausendachtzig und 1939-1945 dreitausend Söhne der Stadt.“ Im Inneren sind insgesamt 2082 Namen aufgelistet, darunter auch die während des Dritten Reichs entfernten Namen von 27 jüdischen Soldaten. Ein Relief an der Nordwand des Turms erinnert an die Vermissten der 215. Infanterie-Division. Auf einer anderen Erinnerungstafel wird der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 71, des Infanterie-Regimentes 34 und des Festungs-Pionierstabs 10 gedacht. Ein historisches Ehrenmal, das zum Nachdenken anregt und wer sich die Mühe macht und diesen Turm besteigt, der wird mit einer fantastischen Aussicht über die Stadt belohnt. Ich war sprachlos über diesen historischen Turm, der mir so viele Jahre, in denen ich Heilbronn immer wieder besucht hatte, nicht auffiel. Aber wie heißt es so schön „besser spät als nie“. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom Hafenmarktturm in Heilbronn. 🙂

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