Heidelberger Geheimnisse: Gutleuthof Kapelle – eine Kapelle für die Lepra-Kranken

 Durch Zufall erfuhr ich, dass die gotische Gutleuthofkapelle eine Kapelle für die Aussätzigen war. Die Kapelle befindet sich in Schlierbach, einem Stadtteil von Heidelberg oberhalb der Ziegelhäuserbrücke. Sie wurde am 23. August des Jahres 1430 von Pfalzgraf Ludwig III. (1410 – 1436) für Leprakranke gestiftet und dem Erlöser, seiner Mutter Maria und dem heiligen Laurentius geweiht. Von ihrer großen Bedeutung für die Leprakranken zeugt heute noch ein Stein, der dicht neben der Kapelle steht. In diesen Stein wurde eine Lepraklapper graviert, die die gesunden Menschen warnten sich diesem Ort zu nähern. Eine Lepraklapper war ein hölzernes Schlaginstrument aus mehreren Lagen Holz, die klapperten, wenn man sie gegeneinander schlug. So warnten die Erkrankten die Gesunden, sich ihnen nicht zu nähern. Die Leprakranken waren gesellschaftlich isoliert und darum sorgte der Landgraf dafür, dass sie ihre eigene Kirche bekamen. Ich besuchte die Kapelle, die aus einfachen Bruchsteinbau mit einer halbkreisförmigen Kuppel im Osten und einem steilen Satteldach gebaut wurde. Unweit von ihr befand ich das Gutleuthaus, ein Siechenhaus für Aussätzige. Da im 16. Jahrhundert die Zahl der Aussätzigen stark gesunken war, wurde es zur Herberge für die Fremden der Stadt. Hier zogene Menschen mit Syphilis, Alte, Arme und kranke Reisende ein. Danach erfolgte am 6. März 1741 eine Umwandlung in ein Gasthaus „Zur Alpenrose“. Das Gebäude brannte am 3. Mai 1880 ab, nur der Kapellenbau konnte vor der Zerstörung gerettet werden. Die gotische Kapelle hat einen rechteckigen Grundriss und ist 8,17 Meter lang und 5,06 Meter breit. Ihr Kirchenraum wird durch ein dreigeteiltes Fenster und durch ein zweigeteilte Fenster an der Nord- und Südseite beleuchtet. Der einschiffige Kirchenraum hat an der Westseite eine hölzerne Empore. Ein schlichter Kirchenraum mit Blockaltar aus rotem Sandstein und einer Sakramentsnische an der Südwand. Im Jahr 1883 veräußerte die Kirche die Ländereien und die Kapelle ging in den städtischen Besitz über. Die Gutleuthofkapelle war bis Anfang des 20. Jahrhunderts der einzige Kirchenraum für die evangelische sowie katholische Konfession in Schlierbach. Heute wird der Kirchenraum nur noch vereinzelt für Gottesdienste genutzt. Dies liegt daran, dass nach dem Bau der katholischen Pfarrkirche 1901 und der evangelischen Pfarrkirche 1910 kein Bedarf für die Kapelle vorhanden war. Im Jahr 1921 wurden in der Kapelle mittelalterliche Wandmalereien durch den Karlsruher Gemälderestaurator Theodor Mader entdeckt. Eine Freilegung und Restaurierung konnte nicht durchgeführt werden, da die Südwand der Kirche nach dem Bau des Bahndammes vollständig im Erdreich versunken und komplett durchfeuchtet war. Mit der Renovierung wurde erst 1939 angefangen, nachdem die Reichsbahn die Südmauer durch einen Graben freigelegt hatte und der Mauerverband austrocknen konnte. Im Jahr 1941 fand die Freilegung und Restaurierung der mittelalterlichen Fresken unter dem Restaurator Fritz Winkler aus Karlsruhe statt. Auch der desolate Innenputz sowie die Flachdecke wurden erneuert. 1950 wurde das Satteldach der Kapelle neu eingedeckt und das Dachgesims erneuert. Eine weitere Erneuerung des Innenraumes fand im Jahre 1958 statt. Neben dem Altar wurden zudem die Emporentreppe erneuert und der Kirchenraum bekam eine Heizung, Elektrik und ein neues Gestühl. Auch das dreiteilige Chorfenster wurde bei dieser Instandsetzung neu eingebaut. Hier sind nach den Entwürfen von Valentin Feuerstein aus Neckarsteinach, Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt. Im Jahre 1961 musste der Außenputz vollständig erneuert werden. Die letzte Restaurierung mit Reinigung der Fresken und mineralisch weißen Farbanstrich der Wände des Kircheninnenraumes fand 1987 statt. Die Außenfassade der Kapelle wurde 1998 in Anlehnung an die historische Farbigkeit farblich neu gefasst. Ich war beeindruckt von dieser geschichtsträchtigen Kapelle, die so unscheinbar über der Ziegelhäuser Brücke thront. Ich wusste nicht, welche Bedeutung sie damals hatte und war zufällig auf ein spannendes Geheimnis von Heidelberg gestoßen. In diesem Sinne viel Freude mit der Gutleuthofkapelle, einer Kirche für die Aussätzigen der Stadt. 🙂

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