Spaziergang durch Wiens einzigen Biedermeierfriedhof St. Marx mit der ursprünglichen Grabstätte Wolfang Amadeus Mozart

St. Marxer Friedhof . Wien . Österreich . IsabellaMueller . @Isabella_Muenchen . Friedhof . Park . Biedermeierfriedhof

Wien ist anders, so lautet der Slogan, der österreichischen Hauptstadt und das bezieht sich auf das besondere Verhältnis zum Sterben sowie der Nutzung still gelegter Friedhöfe. Denn diese werden nach ihrer Schließung in Parkanlagen umgewandelt und so ist es selbstverständlich, dass in Wien, der Stadt mit morbidem Charme, auf ehemaligen Friedhöfen flaniert und im Sommer gepicknickt wird. Einer dieser ehemaligen Friedhöfe, die zu einer öffentlichen Parkanlage 1937 wurden, ist der St. Marxer Friedhof im 3. Wiener Gemeindebezirk. Dieser Friedhof ist der einzige Biedermeier Friedhof Wiens und steht unter Denkmalschutz. Damals befand sich der Friedhof, der seinen Namen, dem Heiligen Markus, Schutzpatron der Kapelle im Bürgerspital verdankt, vor den Toren der Stadt in der ehemaligen Vorstadt Landstraße. Als Friedhof wurde er in den Jahren von 1784 bis 1874 genutzt. Er gilt als einer der bedeutendsten Friedhöfe der Welt, in dem Künstler, Wissenschaftler, Politiker und andere berühmte Personen des öffentlichen Lebens ihre letzte Ruhe fanden. Ich besuchte diesen mystischen Ort mit seinen über 8.000 Gräbern, der Friedhof, Gedenkstätte, Kulturdenkmal und Parkanlage zugleich ist, an einem sonnigen Samstagnachmittag. Nach der herrschenden Weltuntergangsstimmung ausgelöst durch den schlimmen Coronavirus wollte ich den Kopf an der frischen Luft an einem ruhigen Ort frei bekommen. Ein still gelegter Friedhof erschien mir dafür als perfekter Ort. Auf dem Friedhof befindet sich auch die ursprüngliche Begräbnisstätte des 1791 in Wien verstorbenen weltberühmten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Damals war es üblich, dass die Leichen in Schachtgräbern bestattet wurden wie es bei Wolfgang Amadeus Mozart der Fall war. Daher war der exakte Bestattungsort von Mozart wenig später kaum mehr zu bestimmen. Zuvor mussten die Leichen 48 Stunden zur Beisetzung aufbewahrt werden, um das Risiko einer Beerdigung von Scheintoten zu minimieren. Nach eingehender Standortrecherche wurde 1859 schließlich entschieden, im St. Marxer Friedhof an einer kleinen Anhebung ein repräsentatives Grabdenkmal zu errichten, das anlässlich des 100. Todesjahres von Mozart 1891 auf den Zentralfriedhof versetzt wurde. An der verwaisten Stelle in St. Marx entstand durch den ehemaligen Friedhofwärter Alexander Kugler das bis heute weitgehend unveränderte Grabdenkmal. Seit 2005 wurde mit einem breit angelegten Restaurierungsprojekt gestartet und so konnten bereits 101 Grabsteine wieder instand gesetzt werden. Ich betrat den Friedhof durch ein rotes Backsteinportal, das an einem ehemaligen zweistöckigen Wärterhaus anschließt und war an einem mystischen Ort mit Gräbern, die von Sträuchern verborgen waren, bemoosten Grabplatten, grasbewachsenen Gräberzeilen und alten Bäumen angekommen. Im Eingangsbereich fielen mir die zwei Inschriftentafeln mit den Trauergenien und den verhüllten antikischen Urnen ins Auge, die die Todesauffassung des Klassizismus und der Biedermeierzeit widerspiegeln. „Auf irdische Trennung folgt seelische Vereinigung.“ – „Trennung ist unser Los! Wiedersehen unsere Hoffnung.“ Ich spazierte entlang der Wege durch den halben Quadratkilometer großen ehemaligen Friedhof. Immer wieder begegneten mir trauernde Engelsfiguren, eine von ihnen mit erloschener Fackel, beweint das Grab von Mozart. Ich hielt dort inne, die Sonne schien durch die Bäume auf das Grab und ließ den weißen Marmor noch heller strahlen. Ich kam an vielen Grabmälern berühmter Persönlichkeiten wie Josef Madersperger, dem Erfinder der ersten Nähmaschine oder Joseph Strauß vorbei. Der Friedhof mit seinen unzähligen Engelsfiguren, Grabmälern und Gruften hatte etwas geheimnisvolles und ich kam fernab des Großstadttrubels einfach wieder zu Sinnen. Denn seit dem schlimmen Coronavirus steht die Welt auf dem Kopf und nichts ist mehr wie vorher. In dieser schweren Zeit, die da ist und die noch kommen wird, braucht es Orte, die zur Naherholung und zum Durchatmen dienen. Der St. Marxer Friedhof so makaber es klingt, war in diesem Moment ein solcher Ort für mich. Denn die schwerste Aufgabe im Leben ist es, an schlechten Tagen genauso zu denken, wie an Guten. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos des besinnlichen Friedhofs St. Marx im 3. Wiener Gemeindebezirk.

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