Der Mailänder Dom: Die gigantische Kathedrale aus weißem Marmor

Isabella Mueller Milano @isabella_muenchen

Mein persönliches Highlight von Mailands wundervollen Sehenswürdigkeiten war, wie konnte es auch anders sein, der Mailänder Dom. Die Kathedrale Santa Maria Nascente, die in weißen Candoglia-Marmor aus dem Lago Maggiore erstrahlt, ist das bedeutendste Werk der gotischen Baukunst in Italien. Ich war vom ersten Augenblick an fasziniert von diesem majestätischen Bauwerk, das zu den größten Kathedralen Europas zählt und über 600 Jahre alt ist. Der Dom erstreckt sich auf eine sagenhafte Länge von 157 Metern und ist mit seinen 5 Kirchenschiffen gigantisch groß. Mit dem Bau des Doms wurde im Jahr 1386 unter der Herrschaft von Gian Galeazzo Visconti begonnen. Die Fassade des Doms entstand ab 1567 im klassisch-barocken Stil, enthält aber durch die lange Bauzeit vielfältige Stilformen. Erst im Jahr 1805 konnten die Arbeiten an der Fassade abgeschlossen werden. Die Errichtung der Türmchen zog sich bis ins 19. Jahrhundert. Die Fassade aus fünf Toren und den darüberliegenden Fenstern wird durch sechs Pfeiler unterteilt, die die fünf Kirchenschiffe darstellen. Die Fassadenhöhe beträgt 56,5 Meter in der Mitte und hat mit Figuren reich verzierte Pfeiler, die durch die Türme an der Spitze abgeschlossen werden. Ich war sehr gespannt auf den Kirchenraum dieses architektonischen Meisterwerks und hatte mir vorab schon online ein Ticket besorgt, um nicht in der Warteschlange anstehen zu müssen. Was wirklich sehr praktisch ist und vor allem im Sommer Zeit spart. Nach kurzer Taschenkontrolle war es endlich soweit, ich betrat ehrfürchtig den Dom und war sofort überwältigt von seiner Schönheit. Besonders die handgemalten Glasfenster, die durch den Lichteinfall eine unglaubliche Lebendigkeit ausstrahlten, waren wunderschön anzusehen. Diese Fensterscheiben erzählen biblische und religiöse Geschichten. Dabei stammen die ältesten, originalen Glasscheiben aus dem 16. Jahrhundert. Mein zweiter Blick fiel auf den prächtigen Fußboden, der mit Intarsien aus Marmor und Stein geschmückt ist. Auf ihm verläuft eine Meridianlinie aus Messing. Zur Mittagszeit strahlt durch ein kleines Loch im Domdach ein Sonnenstrahl direkt auf die im 18. Jahrhundert eingelassene Linie und zeigt dort Tag und Tierkreiszeichen an. Der Meridian wurde 1786 von Astronomen des historischen Observatoriums Brera entworfen. Ich war sehr beeindruckt von dem prunkvollen Innenleben des Doms und machte mich zur Krypta und dem Domschatz auf. Unter der Krypta befindet sich die Kappelle von San Carlo Barromeo, der in einem Sakopharg aus Bleiglas liegt. Dieser Mailänder Erzbischof hatte den Dom 1572 auf den Namen Santa Maria Nascente geweiht. Die Decke und die Wände der Krypta erzählen Szenen aus dem Leben des Heiligen Borromäus, die ich mir in Ruhe ansehen konnte, da der Dom glücklicherweise bei meinem Besuch nicht so stark frequentiert war. Eine weitere Treppe führte mich zu den Resten des Baptisterturms aus dem 4. Jahrhundert in der Sant´Ambrogio, der Stadtpatron Mailands, den späteren Sant´Agostino taufte. Unter der Krypta befindet sich auch der legendäre Domschatz, dessen Wände mit prachtvollen Teppichen verziert sind. Nach ausgiebiger Besichtigung der Krypta bestaunte ich im Kirchenraum die Orgel. Diese zählt mit ihren 16.000 Pfeifen zu einer der größten Orgeln der Welt, auf der schon der bedeutende Organist Johann Sebastian Bach spielte. Das größte Heiligtum des Doms, der Heilige Nagel und ein Splitter des Kreuzes Jesu Christi, befindet sich über dem Hauptaltar in 45 Meter Höhe. Der Legende nach wurde der Nagel von der Heiligen Elena, der Mutter des Kaisers Konstantin, gefunden und als Pferdehalfter des Pferdes vom Kaiser genutzt. Dieses Heiligtum wird durch eine heilige Prozession, die jedes Jahr zwischen dem 10. und 15. September stattfindet, bei der der Erzbischof Mailands mit der Nivola zu der Kassette mit dem Heiligen Nagel emporgezogen wird und diese herabholt, gehuldigt. Bei der Nivola handelt es sich um einen Aufzug in Wolkenform, der mit Engel und Wolken bemalt ist. Der Heilige Nagel wird im Dom ausgestellt und mit einer heiligen Zeremonie vom Erzbischof mit der Nivola wieder hinaufgezogen. Neben diesem Heiligtum sind ein weiteres Highlight, die Domterrassen. Diese erstrecken sich auf 8.000 Quadratmetern Fläche und aus nächster Nähe können die 135 Turmspitzen bewundert werden, was ein unglaubliches Erlebnis für mich war. Die Domterrassen können kostenpflichtig entweder per Lift an der Nordseite oder zu Fuß mit einer Überwindung von 200 Stufen erreicht werden. Wie auch immer der Ausblick reicht über die ganze Stadt bis zu den Alpen. Doch nicht nur das Panorama ist traumhaft schön, sondern auch der Blick auf die 3.400 Statuen, die auf den Domspitzen thronen. Der erste Turm wurde übrigens zu Ehren des Kaufmannes Marco Carrelli auf der Westseite errichtet, der sein gesamtes Vermögen dem Dom vermachte. Auf dem höchsten Turm des Doms befindet sich die Madonnina, eine 4,16 Meter hohe goldene Statue, die in 108 Meter Höhe mit der Sonne um die Wette glänzt. Die goldene Madonnina wurde in den 1960-er Jahren und 1970-er Jahren sowie in den Jahren von 2010 bis 2011 komplett rekonstruiert, da ihr Eisenskelett verrostet war. Die Gesamtkonstruktion wiegt über 900 Kilogramm. Die Gestaltung der Domkuppel aus weißen Marmor stammt von dem italienischen Baumeister und Maler Donato Bramante. Dieser wollte mit seiner Konstruktion das Aufwärtsstreben symbolisieren. Der Mailänder Dom mit seiner Grundform eines lateinischen Kreuzes ist wirklich unglaublich schön und absolut einzigartig. Der Dom wird von 52 Säulen getragen, die eine Höhe von 24 Metern und einen Durchmesser von 3,40 Metern haben, die das Gebäude gemeinsam mit Stahlbeton stützen, die die Grundmauern mit den Säulen verbinden. Im Zentrum der Kathedrale steht der halbkreisförmige Altarraum. Insgesamt finden 40.000 Besucher auf einer Grundfläche von 11.700 Quadratmetern im Inneren Platz. Der Mailänder Dom ist ein wahrer Touristenmagnet, der täglich über 10.000 Besucher aus aller Welt anlockt. Er ist zurecht eines der berühmtesten Bauwerke Italiens und ein Muss bei jedem Mailand-Besuch. Ich war einfach glücklich dieses spektakuläre Bauwerk, das so reich an kulturellen Schätzen und Kunst ist, besucht zu haben. Für mich war es ein unbezahlbares Erlebnis und ich schließe es mit den Worten des irischen Schriftstellers Oscar Wilde ab: „Denken ist wundervoll, noch wundervoller ist Erlebnis.“ In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom Mailänder Dom. 🙂

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