Der Esperanto- und Girardipark: Wiens außergewöhnlichste Grünanlagen auf einer Verkehrsinsel

Isabella Müller Wien

In Wiens 4. Gemeindebezirk gibt es zwei interessante Grünanlagen, die ich auf den ersten Blick nicht als Parks wahrgenommen habe, da sie sich auf einer Verkehrsinsel der vielbefahrenen Friedrichstraße befinden. Bei den Parks handelt es sich um den Esperanto- und Girardipark, die beide nur durch einen Fußweg voneinander getrennt sind. In unmittelbarer Nähe grenzen der Resselpark und der Rosa-Mayreder-Park an. Dieses ganze Areal um den beliebten Karlsplatz war ab dem 16. Jahrhundert Teil der Wiener Stadtmauer umgebenden Glacis durch den der Wienfluss floss. Im Jahr 1817 wurde der Fluss reguliert und mit einer Brücke, der sogenannten Kärtnertorbrücke, die in die Kärtnertstraße führte, überbaut. 1854 wurde die Brücke durch die Elisabethbrücke ersetzt. Diese wurde jedoch entfernt, da man sich dazu entschlossen hatte, 1895 den Wienfluss einzuwölben und unterirdisch zu führen. Im Jahr 2006 entstanden im Zuge der Neugestaltung des Areals um den Karlsplatz unter Jakob Fina der Esperanto- und Girardipark. Der Esperantopark verdankt seinen Namen dem Warschauer Arzt Dr. Ludwig Zamenhof, der die Plansprache Esperanto, eine Kunstsprache zur Völkerverständigung, entwickelt hatte. Eine Bronzebüste von ihm befindet sich im Park. Ebenso existiert im Esperantopark ein Abgang in die Wiener Unterwelt, da die Stadtwerke Führungen in das Innere des Kanalsystems anbieten. Auch eine 3. Mann-Tour wird angeboten. Denn in den 1940-er Jahren wurden Szenen des großen Kinoleinwand-Klassiker „Der 3. Mann“ in der Wiener Kanalisation gedreht, in dem der Schauspieler Orson Welles alias Harry Lime im Film weltweit berühmt wurde. Der Giradripark wurde nach dem österreichischen Schauspieler Alexander Girardi benannt. Eine Steinfigur im Zentrum des Parks, die 1929 von Otto Hofner geschaffen wurde, zeigt den Schauspieler mit Hut in der Hand. Beide Grünanlagen haben ihren ganz eigenen Charme und ich spazierte durch die begrünten Verkehrsinseln mit ihrer Schilflandschaft, den historischen Gebäuden im Hintergrund und den Verkehrslärm durch die mehrspurige Straße. Der Esperanto- und Girardipark verschönern tatsächlich das Areal um den Karlsplatz, auch wenn sie nicht wirklich zur Erholung dank hohem Verkehrslärm einladen, darum wurde bewusst auf Sitzmöglichkeiten verzichtet. Beide Grünflächen sind wirklich außergewöhnlich und genau darin besteht ihr Reiz. Vielleicht sollten wir das auch beherzigen und nicht vergessen, außergewöhnlich zu sein. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos dieser beiden außergewöhnlichen Parks am Karlsplatz. 🙂

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