Die Legende des Schäfers

Isabella Müller Waghäusel Karlsruhe @isabella_muenchen

Bis heute lockt die Wallfahrtskirche und das Kloster in Waghäusel Wallfahrer aus aller Welt an. Bereits im 15. Jahrhundert entwickelte sich Waghäusel zu einem Wallfahrtsort und alles begann mit der Legende des Schäfers. Dieser geriet mit seiner Schafherde durch den hochwassertragenden Wagenbach in Gefahr. Als er plötzlich eine Frauenstimme hörte, die in an einen sicheren Ort mit einer großen Eiche führte. Im hohlen Eichenstamm entdeckte er eine Marienstatue mit einem Kind auf dem Arm, die er mit nach Hause nahm. Doch immer wieder verschwand das Marienbild auf seltsame Weise aus seinem Haus und jedes Mal fand er es im hohlen Eichenstamm. Daraufhin baute er ein Häuschen für das Bild und setzt es in den Baum. Schnell avanciert der Bildstock zu einem Wallfahrtsort, da der Marienstatue wundersame Kräfte zugesprochen wurden. Aufgrund der vielen Pilger, die das Marienbild täglich besuchten, errichtete 1472 der Speyrer Bischof Matthias von Rammung eine gotische Kapelle mit einem turmartigen Anbau für einen Einsiedler, der die Pilger und die Kapelle betreute. Von dieser Kapelle zeugen heute noch Teile im Chor der Kirche. Im 17. Jahrhundert erteilte der Speyrer Bischof Philipp Christoph von Sötern die Erlaubnis zur Gründung eines Klosters, das an die Kirche angebaut wurde. Die Seelsorge und die Betreuung der Wallfahrt übernahmen die Kapuziner. Nach der Aufhebung des Klosters im 19. Jahrhundert wurde das Kloster zum größten Teil abgerissen. Im Jahr 1920 kehrten die Kapuziner zurück. Doch die Kirche fiel einem Brand zum Opfer und nur die gotische Kapelle und das Marienbild blieben unversehrt. Auch im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche schwere Beschädigungen. Ab 1999 wurde die Kirche und das Kloster von den Brüdern vom gemeinsamen Leben übernommen, die die Gebäude 1999 und in den Jahren von 2002 bis 2004 aufwendig renovierten. Seitdem erstrahlen die Gebäude in neuem Glanz. Bei meinem Besuch der Wallfahrtskirche entdeckte ich über dem westlichen Eingangsportal die spätbarocke Gottesmutter mit Kind. Eine frühbarocke Kopie des Marienbildes und eine Inschriftentafel für den Stifter des ersten Klosters, Caspar Baumberger, ist am äußeren Chor-Eckpfeiler angebracht. Die Wallfahrtskirche „Mutter mit dem gütigen Herzen“ und das Kloster zeugen bis heute von der Geschichte der Marienwallfahrt und sind gerade zu Corona-Zeiten für viele Menschen zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden, um Kraft zu tanken. Unweit von der Wallfahrtskirche und dem Kloster befindet sich die wunderschöne Eremitage, ein barockes Jagd- und Lustschloss, das der Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn 1724 errichten ließ und dem ich bei dieser Gelegenheit auch einen Besuch abstattete. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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