Das schönste Rathaus in der Kurpfalz

Isabella Müller Leimen Heidelberg @isabella_muenchen

Eines der schönsten Rathäuser der Kurpfalz, das in einem Stadtschloss beheimatet ist, befindet sich im Zentrum der Stadt Leimen bei Heidelberg. Doch wie kam es dazu, dass sich in einem herrschaftlichen Schloss heute der Dienstsitz des Oberbürgermeisters und das Hauptamt befindet? Vielleicht hilft zur Klärung ein Blick in die Geschichte. Denn das prächtige Gebäude wurde für den jüdischen Bankier des Kurfürsten Carl Theodor, Aron Elias Seligmann, zwischen 1794 bis 1799 im klassizistischen Stil mit barocken Elementen nach den Plänen des legendären Architekten Verschaffelt errichtet. Damals war das gesamte Areal von einem Garten umgeben, der eine Kopie des Schwetzinger Schlossgartens in klein darstellte. Der Bankier und Unternehmer Seligmann spielte als Finanzier eine bedeutende Rolle am Mannheimer Hof und wurde später sogar in den erblichen Adelsstand als Leonhard Freiherr von Eichthal samt Familie erhoben. Er galt zu seiner Zeit als einer der reichsten Männer Deutschlands, der Geld wie Heu besaß. Neben dem Salzhandel, den er von seinem Vater übernommen hatte, verdiente er sein Geld auch mit Heeresauslieferungen. Außerdem ist es auch Seligmann zu verdanken, dass Leimen das kurfürstliche Privileg zur Gründung einer Tabakmanufaktur 1779 erhielt. So konnte 1799 eine Tabakfabrik gebaut werden. Schnell folgte eine zweite und Leimen avancierte zu einem der bedeutendsten Zentren des Tabakanbaus. Die Ära endete jedoch am 6. Dezember 1963 mit der Schließung der Zigarrenfabrik und deren Abriss. Heute befindet sich dort der Neubau der Leimener Stadtverwaltung, die gegenüber des Palais Seligmann, dem historischen Rathaus, liegt. Nachdem Wegzug Seligmann nach München 1799, verkaufte sein Sohn Simon von Eichthal das Palais am 24. August 1832 an den Karlsruher Bierbrauer und Wirt Peter Mathäus Müller. Dieser verkaufte es am 26. März 1841 an die Stadt Leimen und seitdem wird es schon über 175 Jahre lang als Rathaus genutzt. Besonders der repräsentative Spiegelsaal, die gute Stube des Rathauses im Obergeschoss, in dem sich Hochzeitspaare trauen lassen können, ist bemerkenswert. Der Saal ist heute noch genauso eingerichtet wie zu Zeiten seines Erbauers, dessen Gemälde am rechten Treppenaufgang zu bewundern ist, das um 1800 von Johann Peter von Lange gemalt wurde. Der Spiegelsaal verdankt seinen Namen den großen Barockspiegeln, die den Kerzenschein wie im Schloss Versailles verstärken. Beeindruckend ist auch das klassizistische Tapetengemälde des Mannheimer Künstler Peter Ferdinand Deurer, das Szenen aus der griechischen Mythologie darstellt. Das Rathaus mit seinem denkmalgeschützten Spiegelsaal, seinen 30 Räumen, 32 Fenstern und dem Balkon in der Mitte der Fassade mit herrlichem schmiedeeisernen Geländer ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und durfte schon viele bekannte Persönlichkeiten mit Rang und Namen begrüßen. Das historische Rathaus in Leimen gilt zurecht als „die größte Zierde des Ortes“, die die Stadtmitte Leimens entscheidend prägt. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, wünsche ich Euch viel Freude mit meinen Fotos dieses außergewöhnlichen Rathauses. 🙂

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