Adel trifft Brunnen

Isabella Müller Bietigheim Ludwigsburg @isabella_muenchen

Die zweitgrößte Stadt nach Ludwigsburg mit rund 43.000 Einwohnern ist Bietigheim-Bissingen. Bei meinem Spaziergang durch die Bietigheimer Altstadt entdeckte ich jede Menge Sehenswürdigkeiten. Eine von ihnen befindet sich direkt vor dem über 500 Jahre alten Rathaus auf dem Marktplatz. Hierbei handelt es sich um den nicht zu übersehbaren Marktbrunnen. Dieser älteste Brunnen der Stadt mit seinem achteckigen Brunnenbecken von 1743 besitzt im Zentrum eine herrliche Renaissancebalustersäule, die mit grünen Blattwerk verziert ist. Bekrönt wird die Säule durch einen barocken Wappenhalter mit Harnisch und Federbarett auf dem Kopf, der mit Goldbelägen verziert ist. Sein Wappenschild, das in bunten Farben gestaltet wurde, stellt die Symbole der früheren Landesherren von Bietigheim dar. Darum wird die Brunnenfigur im Volksmund auch Herzog Ulrich genannt. Denn dieser war der dritte regierende Herzog von Württemberg. Dieser Herzog war der lang ersehnte Stammhalter im Hause Württemberg. Tragischerweise verstarb seine Mutter bei seiner Geburt, so dass Eitel Heinrich, sein ursprünglicher Name, nach Stuttgart kam und dort von Eberhard im Bart und Barbara Gonzaga adoptiert wurde. Erst bei seiner Firmung erhielt er den württembergischen Namen Ulrich. Viele Jahre verbrachte er am Hofe Kaiser Maximilians und wurde schließlich aus strategischen Gründen in sehr jungen Jahren mit der Kaiserenkelin Sabina von Bayern verlobt, die wenige Jahre nach der Hochzeit von ihm zu ihren Verwandten nach München floh, da der Herzog als äußerst gewalttätig galt und außereheliche Affären pflegte. Seine Liebe zu Feldzügen und sein aufwendiger Lebensstil führte dazu, dass das Land vor dem Bankrott stand. Aus diesen Gründen wurden neue Steuern erhoben, die 1514 zum Aufstand des „Armen Konrad“ führten und Ulrich im Tübinger Vertrag vom 8. Juli 1514 viele Zugeständnisse machen musste. Schließlich führten Ulrichs brachiale, politische Handlungen und der Mord am Ehemann seiner Geliebten dazu, dass die Reichsacht am 8. Oktober 1516 durch Kaiser Maximilian über ihn verhängt wurde. Doch Ulrich, der als unbelehrbar galt, überfiel die Freie Reichsstadt Reutlingen, das ihm letztendlich das Exil einbrachte. Erst 1534 gelangte Württemberg mit Hilfe des hessischen Landgrafen Philipp I. wieder in den Besitz des Herzogs, das mit dem Vertrag von Kaaden besiegelt wurde. Daraufhin führte er die Reformation im Land ein. Nachdem 1546 Kaiser Karl V. im Schmalkaldischen Krieg Württemberg besetzte und Ulrich 1548 zwang das Augsburger Interim und die Präsenz kaiserlicher Besatzungstruppen zu akzeptieren, verstarb dieser 1550. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Tübinger Stiftskirche. Der Marktbrunnen zeugt von dieser Herrschaft des württembergischen Herzogs über die Stadt Bietigheim. Der Marktbrunnen mit seinem herrlichen Wasserspiel, das von vier wasserspeienden Masken am Sockelende über Röhren erzeugt wird, das früher von frischen Quellwasser gespeist wurde und heute aus dem städtischen Wassernetz stammt, ist ein beliebter Treffpunkt der Bietigheimer Bevölkerung. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde der Brunnen erneuert und seine Brunnenfigur 1969 durch eine Kopie ersetzt. Seit seiner letzten Sanierung 2014 erstrahlt der Brunnen heute wieder in seiner ganzen Schönheit. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses Sehenswürdigkeit in Bietigheims historischer Altstadt. 🙂

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