Der verwunschene See

Im schönen Burgenland liegt der Neusiedler See, der einzige Steppensee Mitteleuropas, um dessen Entstehung eine uralte Sage rankt. Denn einst war die Tiefebene, in der sich heute der Neusiedler See befindet, eine Region mit ertragreichen Talboden. In dieser Region gab es mehrere Dörfer, eines davon lautete auf den Namen Mädchenthal, in dem wie könnte es anders sein ein junges Mädchens namens Maria wohnte. Maria war das schönste Mädchen des Dorfes, das zufällig den Fürsten von Forchtenstein, der auf der Jagd traf, da dieser sich versehentlich ins Dorf verirrt hatte. Dieser verliebte sich sofort in das schöne Mädchen und auch Maria war von dem staatlichen Mann angetan. Alles hätte so schön sein können, wenn der Fürst nicht schon längst verheiratet war. Davon wusste Maria aber nichts, die den Fürsten für einen Jäger hielt. Sie verliebte sich in den Fürsten und begann mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung. Denn der Fürst verheimlichte seine Ehe vor Maria. So oft es ging, besuchte der Fürst Maria. Dies blieb natürlich auch nicht seiner Gemahlin, der Fürstin, verborgen, die ihren treuen Diener Samuel beauftragte dem Fürst bei seinen Ausritten zu folgen. Der Diener kam schnell hinter das Verhältnis des Fürsten und erzählte der Fürstin davon. Diese beschloss, Maria aus dem Weg zu schaffen und da der Fürst in den Krieg ziehen musste, machte sie sich zusammen mit Samuel und ihrem Gefolge in das Dorf Mädchenthal auf. Dort angekommen, ließ sie sogleich Maria wegen Verführung und Ehestörung zusammen mit ihrer Mutter ins Burgverließ sperren. Doch diese Genugtuung langte ihr bei weitem nicht. Sie ging sogar soweit, dass sie Bauern mit Geld bestach, damit diese Falschaussagen gegen Maria und ihre Mutter tätigten. Dadurch konnte sie über Maria und ihre Mutter das Todesurteil verhängen und schon am nächsten Morgen sollte die Hinrichtung am kleinen Dorfteich stattfinden. Während Maria das Urteil schicksalsergebend ertrug, war ihre Mutter außer sich vor Wut. In früher Morgenstunde wurden die beiden Frauen zum Teich geführt. Viele Menschen waren gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen. Die gefesselten Frauen, mussten das Kreuz des Priesters küssen, der daraufhin ein Lindenholzstäbchen zerbrach. Dies bedeutete, dass ihr Leben verwirkt war. Während sie in den Weiher geworfen wurden, verfluchte Marias Mutter die Fürstin und alle Menschen, die ein falsches Zeugnis abgelegt hatten mit den Worten: „Noch bevor die Sonne zum zweiten Mal untergeht, soll Euch die gerechte Strafe treffen!“. Die Frauen ertranken qualvoll. Seit diesem Tag stieg das Wasser des Teiches auf unerklärliche Weise immer weiter. Die beiden Frauenleichen wurden am nächsten Tag auf der Oberfläche schwimmend mit gekreuzten Händen ohne Stricke gefunden. Die Bauern glaubten an ein Wunder und bekamen es mit der Angst zu tun, so dass sie die beiden Frauen rechtmäßig bestatteten. Doch das Wasser hörte nicht auf zu steigen. Bald überschwemmte es das Ufer und das ganze Land. Aus dem Teich war ein See geworden, so dass die Bauern aus ihren Häusern fliehen mussten. Sie siedelten sich am nördlichen Ufer des Sees an und nannten den Ort Neusiedl. Als die Fürstin erfuhr, dass alle Dörfer durch den See verschwunden waren, plagten sie entsetzliche Gewissensbisse. Sie litt an Albträumen und verfiel schließlich dem Wahnsinn. An ihrem Diener Samuel hingegen gingen die Ereignisse spurlos vorüber. Er war sogar so sehr über den See erfreut, dass er sich einen Kahn zimmern ließ, mit dem er fast täglich über den See schipperte. Doch eines Tages als er weit draußen mit seinem Kahn auf dem See war, zog ein heftiger Sturm auf. Dieser wütete gar fürchterlich und riss das Boot immer mehr in seinen Sog. Doch Samuel zeigte selbst in seinen letzten Atemzügen keinerlei Reue für sein Vergehen an den beiden unschuldigen Frauen. So kam es, dass das Boot kenterte und Samuel ertrank. Der See mit seinen Wassergeistern hatte somit Rache an Samuel genommen. Der Fürst von Forchtenstein kehrte nach Kriegsende wieder auf seine Burg zurück, wo ihm von den Geschehnissen berichtet wurde. Er war untröstlich und ließ zu Ehren Marias und ihrer Mutter in der Nähe des Sees das Kloster Frauenkirchen errichten. Danach reiste er zum Papst nach Rom, um demütig um Vergebung für seine Sünden zu bitten. So lautet die Sage von der Entstehung des Neusiedler Sees, dem Herzstück der Region Neusiedl am See, die seit dem 13. Dezember 2001 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von dieser wunderschönen Seelandschaft. 🙂

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