Die Todsünden

Eine der sieben Todsünden, die das Menschsein verfälscht, ist die Habgier. An diesem inneren Trieb alles zu besitzen und immer mehr zu wollen, scheiterte schon der griechischen Sage nach der König Midas. Diesem gewährte der Gott Dionysios den Wunsch, das alles, was er anfasste, zu Gold werde. Doch schon bald bereute er seinen Wunsch, denn er konnte weder etwas essen, noch einen Menschen nahe sein, da alles, was er berührte zu Gold wurde. Erst ein Bad im Fluss Paktolos zu dem ihm Dionysios riet, wusch ihm den Zauber wieder ab. Das Gier zur Sucht werden und alles zerstören kann, davon handelt auch eine Sage aus Bayern. Einst stand zwischen den Münchner Stadtteilen Perlach und Berg am Laim eine Mühle, deren Mühlrad Tag und Nacht vom Hachinger Bach getrieben wurde. Die Mühle, die ununterbrochen ihre Arbeit verrichtete, gehörte je zur Hälfte zwei Brüdern, denen sie viel Geld brachte. Statt sich darüber zu freuen, wuchs die Gier nach mehr. Es kam zum Zerwürfnis der beiden Brüder, die einander nach dem Leben trachteten. Die Habgier vernebelte ihre Sinne und so schlich der jüngere Bruder nachts mit einer Schaufel zur Mühle, um ein neues Bett für den Hachinger Bach oberhalb der Mühle zu graben. Eine sinnlose Tat, da die Mühle ohne den Bach kein Geld brachte, aber sein Zorn war so groß, dass er seinen eigenen Besitz lieber zerstören wollte, als diesen mit seinem Bruder zu teilen. Zorn zählt wie die Gier zu einer der sieben Todsünden, die den jüngeren Bruder vergiftet hatte. Doch plötzlich als er am graben war, stand sein ältester Bruder mit Schaufel in der Hand hinter ihm. Er hatte denselben Plan gehabt. Doch sein jüngerer Bruder war ihm zuvor gekommen. Ein fürchterlicher Streit entfachte, der in eine wilde Schlägerei überging bis schließlich der jüngere mit seiner Schaufel seinen älteren Bruder erschlug. Er drosch wie ein Wahnsinniger auf ihn ein, obwohl dieser schon längst tot war. Danach ging er weg und ward nie wieder gesehen. Seitdem war der Hachinger Bach im Boden versunken und die einst staatliche Mühle zerfiel im Laufe der Jahre vollkommen. Bis heute fließt der 12 Kilometer lange Bach ab der Versickerungsstelle in Berg am Laim unterirdisch durch ein Rohr. Denn wie Arthur Schopenhauer treffend formulierte, denken wir selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Münchens Altstadt. 🙂

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