Der Ritter und die scherzhaften Geister

In Österreichs Hauptstadt Wien leben 1,8 Millionen Menschen, die sich auf 23. Gemeindebezirken verteilen. Davon ist Liesing der 23. Wiener Gemeindebezirk, der sich aus acht ehemaligen Vororten gebildet hat. Einer dieser ehemals selbständigen Gemeinden ist Inzersdorf, in der sich auch das süßeste Museum der Stadt, das SchokoMuseum der Confiserie Heindl befindet. Dieses entführt seine Besucher von montags bis samstags in die Welt der Schokoladenherstellung und lässt das Herz jeder Naschkatze höher schlagen, denn hier ist Naschen ausdrücklich erlaubt. In diesem Bezirk stand einst eine verlassene Mühle, die jeder mied, da dort Geister ihr Unwesen trieben. Der damalige Herzog Albert wollte diesem Geisterspuk auf den Grund gehen und bat den tapferen Ritter Reinprecht von Wallsee das Geheimnis der Mühle zu lüften. Dieser kam der Bitte des Herzogs nach und ritt mit seinem Gefolge zur Mühle. Auf dem Weg dorthin wurde er von einem Wandersmann gewarnt, dort nicht zu übernachten, da Geister dort ihre Späße mit Fremden trieben. Doch der Ritter gab nichts auf solche Spukgeschichten. Unbeirrt betrat er zusammen mit seinem Gefolge die Mühle. Er suchte sich sein Nachtquartier in der Mahlstube, während seine Knappen im Stall ihr Nachtlager ausbreiteten. Dank einiger Becher Wein schlief der Ritter schnell ein. Als er am nächsten Morgen erwachte und seine Knappen zu ihm kamen, begannen diese laut zu lachen. Denn die Geister hatten sich einen Scherz erlaubt und seine weißen Helmfedern in schwarze verwandelt. Dies ärgerte den Ritter sehr, der sich schwor die folgende Nacht keinen Tropfen Alkohol zu trinken, um den Spuk ein Ende zu setzen. Den Tag verbrachte er mit jagen im angrenzenden Wienerwald und tatsächlich erlegte er einen stattlichen Hirsch. Voller Stolz ritt er zur Mühle zurück und wartete in der Mahlstube auf die Geister. Doch nichts geschah. Im Morgengrauen ging er zu seinem Gefolge, um diese nach ihren nächtlichen Vorkommnissen zu befragen. Doch als er seine Knappen sah, konnte er seinen Augen nicht trauen. Denn diese waren von Kopf bis Fuß in schwarzen Kohlestaub gehüllt. Die Geister hatten sich mit den betrunkenen Knappen einen Schabernack erlaubt. Ohne dass diese auch nur irgendetwas bemerkt hatten. Der Ritter und sein Gefolge entschieden sich noch eine Nacht in der Mühle zu verbringen, um den frechen Geistern den Garaus zu machen. Diesmal versammelten sich der Ritter und sein Gefolge in der Mahlstube und tatsächlich Punkt Mitternacht begannen die Mühlräder unter tosendem Lärm wie von Geisterhand zu mahlen. Dem Ritter und seinen Knappen wurde es angst und bange und panisch flüchteten sie aus der Mühle. Erst am Morgen trauten sie sich wieder in die Mahlstube und fanden ihre Kleidung mit weißen Mehlstaub bedeckt vor. Auch diesmal hatten sich die Geister einen Scherz mit ihnen erlaubt. Wütend darüber begaben sich auf den Weg zurück nach Wien, wo sich der Herzog und die Wiener sehr über das Mühlabenteuer des sich zum Gespött gemachten Ritter Reinprecht zu Wallenstein und seinem Gefolge amüsierten. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom süßen SchokoMuseum in Liesing. 🙂

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