Hammerfest – die Eisbärenstadt

Die norwegische Stadt Hammerfest liegt auf dem 70,7 Breitengrad und beansprucht bis heute den Titel nördlichste Stadt der Welt. Die Stadt hoch oben im Norden, die im Zweiten Weltkrieg 1944 im Zuge der Taktik der Verbrannten Erde dem Erdboden bis auf ihre Grabkapelle gleich gemacht wurde, besticht nach ihrem Wiederaufbau heute durch bunte skandinavische Häuser und ihrer natürlichen Hafenbucht an der grauen Granitküste. Eine der Hauptattraktionen dieser Eismeerstadt ist der Eisbärenclub, der 1963 als „Royal and Ancient Polar Bear Society“ gegründet wurde und den mehr als 200.000 Mitglieder aus der ganzen Welt angehören. Hammerfest wird darum auch die Eisbärenstadt genannt, deren Wappentier seit 1939 auch der Eisbär ist. Um einen solchen Eisbär rankt ein norwegisches Volksmärchen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wie fast alle Märchen beginnt auch dieses mit es war einmal, dass ein König drei Töchter hatte. Davon war die jüngste Tochter die Schönste und Gutherzigste. Während ihre zwei älteren Schwestern hässlich und gemein waren. Die jüngste Schwester, die jeder im Volk gern hatte, träumte jede Nacht von einem goldenen Kranz, der so bezaubernd war, dass sie bald glaubte ohne einen solchen zu besitzen, nicht leben zu können. Als ihr Vater davon erfuhr, ließ er eine Vorlage eines Kranzes wie ihn seine Tochter geträumt hatte, anfertigen und schickte diese an alle Goldschmiede im Land. Diese arbeiteten Tag und Nacht an der Anfertigung eines solchen Kranzes. Aber kein Kranz konnte das Herz der Prinzessin erwärmen. Als diese eines Tages im Wald spazierte, sah sie einen Eisbären, der genau mit so einem Kranz spielte, von dem sie jede Nacht träumte. Sie lief zu ihm und wollte ihm den Kranz abkaufen. Doch der Eisbär wollte kein Geld. Er versprach ihr den Kranz zu schenken, wenn sie seine Frau werden würde. Die Königstochter willigte ein, da sie meinte ohne den Kranz nicht leben zu können. Zuhause erzählte sie ihrem Vater von der Begebenheit mit dem Eisbär, der sie in drei Tagen an einem Donnerstag abholen und zu sich nach Hause bringen wollte. Der König wollte seine Tochter nicht einem Eisbären zur Frau geben und stellte sein ganzes Heer am Donnerstag auf. Doch keine Waffe konnte den Eisbären etwas anhaben und so gab der König dem Eisbären seine älteste Tochter. Diese nahm der Eisbär auf den Rücken und ritt mit ihr davon. Dabei fragte er diese, ob sie schon einmal weicher gesessen und klarer gesehen hätte, als jetzt. Als diese das bejahte, sagte er ihr, dass sie nicht die Richtige sein könne und jagte sie davon. Der Eisbär kam am nächsten Donnerstag wieder zum König, der auch diesmal sein Heer aufgestellt hatte, das wieder nichts gegen den Eisbären ausrichten konnte. So gab der König dem Eisbären seine zweitälteste Tochter. Diese setzte der Eisbär auf seinen Rücken und ritt mit ihr davon. Dabei stellte er ihr dieselbe Frage wie das letzte Mal, ob sie schon einmal weicher gesessen und klarer gesehen hätte, als jetzt. Als diese dies bejahte, jagte er sie davon, da sie nicht die Richtige sein könne. So geschah es, dass der Eisbär am dritten Donnerstag wieder zum König kam, der auch diesmal sein ganzes Heer aufgestellt hatte, das aber wieder nichts dem Eisbären anhaben konnte. Schweren Herzens gab der König dem Eisbären seine jüngste Tochter, mit der er davon ritt. Dabei stellte er ihr wie schon den anderen Schwestern zuvor die Frage, ob sie je weicher gesessen und klarer gesehen hätte, als jetzt. Als diese mit nein antwortete, wusste er, dass er die Richtige hatte. Glücklich brachte er die Prinzessin zu seinem Schloss. Denn der Eisbär war der König Valemon. Dieser besaß ein Schloss, das prächtiger war, als das ihres Vaters. Der Eisbär wollte, dass sich die Prinzessin dort wohlfühle und sie brauche auf nichts achten außer dass das Feuer nicht ausginge. Tagsüber jagte der Bär im Wald und nachts wenn er bei ihr war, verwandelte er sich in einen jungen Mann. Drei Jahre strichen ins Land und jedes Jahr gebar die Prinzessin ein Kind, das der Eisbär sofort nach der Geburt wegbrachte. Dies machte die Prinzessin zusehends trauriger und darum bat sie ihn nach Hause zu ihren Eltern reisen zu dürfen, um diese zu besuchen. Der Eisbär hatte nichts dagegen, bat sie aber nur auf das zu hören, was ihr Vater sage, was ihre Mutter ihr jedoch raten würde, darauf solle sie nichts geben. Dies versprach ihm die Prinzessin und reiste zu ihren Eltern, denen sie von ihrem Leben mit dem Eisbärkönig Valemon im prunkvollen Schloss erzählte. Bei ihrer Abreise gab ihr ihre Mutter eine Kerze mit, die sie nachts anzünden sollte, um zu sehen wie der Eisbär in Menschengestalt aussieht. Ihr Vater riet ihr ab die Kerze zu benutzen, da dies nur Unglück bringen würde. Als sie wieder zuhause im Schloss war, packte sie nachts die Neugier und sie zündete die Kerze an. Zum ersten Mal sah sie ihren Geliebten, der so wunderschön war, dass sie ihren Blick nicht von ihm abwenden konnte. Sie vergaß, dass sie eine Kerze in den Händen hielt und so tropfte etwas Wachs auf die Stirn ihres Geliebten, der dadurch erwachte. Zornig fragte er, warum sie dies getan hatte. Er erzählte ihr, dass er der König Valemon ist, der einst von einer Hexe verzaubert worden war. Tagsüber verwandle er sich in einen Eisbären und nachts nimmt er seine Menschengestalt wieder an. Hätte die Prinzessin nur noch einen Monat länger mit ihm gelebt, ohne zu wissen, wie er aussehe, dann wäre er vom Fluch erlöst worden. Doch nun müsse er die Hexe heiraten und sie für immer verlassen. Er machte sich sogleich auf den Weg zur Hexe. Doch die Prinzessin wollte ihn nicht gehen lassen. Sie griff sein Fell und schwang sich auf seinen Rücken. In hohen Tempo ging es über Berge und Täler bis der Prinzessin sogar ihre Kleider vom Leib gerissen wurden. Doch sie hielt sich eisern fest, bis ihr die Augen zu fielen und sie schließlich los ließ. Als sie erwachte war sie in einem großen Wald. Orientierungslos lief sie im Wald umher bis sie zu einer kleinen Hütte kam, in der eine alte Frau mit einem kleinen Mädchen lebte. Sie klopfte an die Tür und fragte, ob der Eisbär an der Hütte vorbeigekommen war. Die Frau bejahte, sagte aber, dass sie diesen nicht mehr einholen könne, da der Eisbär so schnell war. Danach fragte die Frau die Prinzessin, ob sie die Frau sei, die ihn befreien soll. Die Prinzessin bejahte und die Frau bat sie in ihre Hütte. Dort klapperte das kleine Mädchen mit einer goldenen Schere, die wunderschöne Kleider zum Vorschein brachte. Da die Prinzessin keine Kleider hatte, schenkte ihr das Mädchen die Schere. Am nächsten Tag machte sich die Prinzessin wieder auf den Weg und lief und lief durch den Wald bis sie zu einer Hütte kam, in der eine alte Frau mit einem kleinen Mädchen lebte. Auch diese fragte sie nach dem Eisbären, der zwar vorbeigekommen war, aber viel zu schnell war, dass sie ihn einholen könne. Die alte Frau fragte die Prinzessin, ob sie die Frau sei, die den Eisbären befreien soll. Als die Prinzessin bejahte, bat die alte Frau sie in ihre Hütte. Dort spielte das kleine Mädchen mit einer Flasche, die nach Wunsch, was man zu trinken begehrte, dies einschenken konnte. Da die Prinzessin noch einen weiten Weg vor sich hatte, schenkte das Mädchen ihr die Flasche. Die Prinzessin wanderte unermüdlich durch den Wald bis sie zu einer Hütte kam, in der wieder eine alte Frau mit einem kleinen Mädchen lebte. Diese fragte sie nach dem Eisbären, der vorbeigekommen war, aber so schnell war, dass sie ihn nicht einholen könne. Auch diesmal wurde sie von der alten Frau gefragt, ob sie die Frau sei, die den Eisbären befreien soll. Als sie dies bejahte wurde sie hineingebeten. In der Hütte spielte das Mädchen mit einem Tuch, dass wenn man es auf dem Tisch ausbreitete, diesen mit den köstlichsten Speisen eindeckte. Das Mädchen schenkte der Prinzessin das Tuch, da diese es nötiger hätte. Die Prinzessin bedankte sich und begab sich wieder in den finsteren Wald, wo sie plötzlich zu einem Berg kam, der so steil war, dass sie nicht wusste, wie sie diesen erklimmen sollte. Eine Hütte stand neben dem Berg. Sie klopfte dort an und fragte eine junge Frau, die eine Schar voll Kinder hatte, nach dem Eisbären. Die Frau erzählte der Prinzessin, dass dieser vor drei Tagen den Berg erklommen habe und man nur hinauf kommt, wenn man Flügel hat. Danach fragte die junge Frau die Prinzessin, ob sie die Frau sei, den den Eisbären befreien soll. Als diese bejahte, bat sie die junge Frau in ihre ärmliche Hütte. Die Kinder hatten schäbige Kleidung an und schrien vor Hunger. Da holte die Prinzessin die goldene Schere, die Flasche und das Tuch. Damit zauberte sie schöne Kleidung für die Frau und ihre Kinder sowie Speis und Trank. Die junge Frau war überglücklich und wollte der Prinzessin helfen. Der Mann der jungen Frau war Schmied und als dieser von seiner Arbeit nach Hause kam, bat sie ihn für die Prinzessin Klauen aus Eisen für ihre Hände und Füße zu schmieden, damit diese den Berg hinaufklettern könne. Am nächsten Morgen waren diese geschmiedet und die Prinzessin hakte sich mit ihren Klauen in die Felswand. Erst am nächsten Morgen hatte sie diese bezwungen und landete auf einer riesigen Wiese, auf dem ein Schloss stand. Als Menschen an ihr vorbei liefen, fragte sie diese nach dem Eisbären. Diese erzählten ihr, dass dieser in drei Tagen die Hexe auf dem Schloss heirate. Sie fragte, ob sie denn die Hexe sprechen könne, doch dies sei unmöglich antworteten ihr die Menschen. So begab sich die Prinzessin aufs Schloss und setzte sich vor das Fenster der Hexe. Sie holte ihre goldene Schere heraus und schneiderte in kürzester Zeit die schönsten Kleider. Als die Hexe dies sah, wollte sie der Prinzessin die Schere unbedingt abkaufen. Doch diese wollte kein Geld, sondern nur eine Nacht mit ihrem Eisbären verbringen. Die Hexe willigte ein, gab jedoch dem Eisbären einen Schlaftrunk, so dass alle Weckversuche der Prinzessin vergeblich waren. Am nächsten Tag setzte sich die Prinzessin wieder vor das Fenster der Hexe und holte die Flasche heraus mit der sie die köstlichsten Getränke kredenzte. Natürlich wollte die Hexe, die Flasche ihr abkaufen. Aber auch diesmal verlangte die Prinzessin nur eine Nacht mit ihrem Eisbären. Die Hexe willigte ein, gab jedoch dem Eisbären wieder einen Schlaftrunk, so dass dieser wieder tief und fest schlief. Auch diesmal hörte er das Weinen und Jammern der Prinzessin nicht. Doch ein Handwerker, der im Nebenzimmer arbeitete, hörte die Wehklagen der Prinzessin. Am nächsten Tag erzählte er dem Eisbären, dass die Prinzessin gekommen sei, um ihn zu befreien, aber er nachts von der Hexe betäubt wurde, damit er nichts mitbekomme. Die Prinzessin setzte sich unterdessen wieder vor das Fenster der Hexe und breitete ihr Tuch aus, das die köstlichsten Speisen zauberte. Dieses Tuch musste die Hexe unbedingt besitzen. Doch die Prinzessin wollte auch diesmal kein Geld, sondern nur eine Nacht mit ihrem geliebten Eisbären. Die Hexe willigte ein und brachte dem Eisbären seinen Schlaftrunk, den er in einem unbeobachteten Moment ausleerte. Danach legte er sich ins Bett und stellte sich schlafend. Doch die Hexe traute ihm nicht und stach ihm zweimal in den Arm, aber trotz Schmerzen rührte sich der Eisbär nicht. So durfte die Prinzessin zu ihrem geliebten Eisbären, der sich nachts in einen schönen Mann verwandelte. Beide waren überglücklich sich wieder zu haben und schmiedeten in der Nacht einen Plan, um die Hexe aus dem Weg zu schaffen. Sie überredeten am nächsten Tag die Zimmerleute, in die Brücke über die der Hochzeitszug fuhr einen losen Balken einzulassen. Denn es war Tradition, dass die Braut zuerst über die Brücke ritt und als die Hexe mit ihren Brautjungfern darüber ritt, senkte sich der Balken und sie und ihr Gefolge stürzten zu Tode. Der Eisbär verwandelte sich sogleich in den stattlichen König Valemon und küsste seine Prinzessin. Dann begab er sich mit der Hochzeitsgesellschaft in das Schloss, wo sie die Reichtümer der Hexe untereinander aufteilten. Anschließend machte sich der König zusammen mit seiner Prinzessin auf die Heimreise. Auf dieser holte er aus den drei Hütten die drei kleinen Mädchen ab, die ihre Töchter waren. Der König hatte diese in die Obhut der älteren Frauen gegeben, damit die Hexe ihnen nichts anhaben konnte und die ihrer Mutter, der Prinzessin, helfen sollten, ihn zu finden. Im Schloss angekommen, feierten sie eine rauschende Hochzeit und lebten glücklich bis an ihr Lebensende. So endet das wunderbare norwegische Märchen des Eisbären, der der verzauberte König Valemon war. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der Eisbärenstadt Hammerfest im Norden Norwegens. 🙂

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