Saarlouis uneinnehmbare Festung

Isabella Müller Saarlouis Saarland @isabella_muenchen

Im Saarland, dem kleinsten deutschen Flächenstaat, befindet sich die ehemalige Festungsstadt Saarlouis. Diese entstand auf Befehl des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., der auch Namensgeber „Sarre-Louis“ war, als Festung, um die besetzten lothringischen Grenzen abzusichern. In nur sechs Baujahren wurde die Überschwemmungsfestung nach den Plänen des legendären Festungsbaumeisters und späteren Marschalls Sébastien Le Prestre de Vauban und des Baumeisters und ersten Gouverneur der Stadt Thomas de Choisy errichtet. Die Festung wurde in Form eines Sechsecks entworfen, dessen Hauptgraben im Fall einer Belagerung mit dem Wasser der Saar gespeist werden konnte und so die sechs Bastionen sowie die verbindenden Kurtinen umfloss. Dabei wies die Festungsvorfläche ein leicht ansteigendes Gelände auf, das als Glacis bezeichnet wurde. Auf dieses Glacis folgte ein umlaufender Weg, den der Feind wegen der Geländeaufschüttung des Glacis nicht einsehen konnte. Dieser Weg wurde als gedeckter Weg bezeichnet. An diesem grenzte die erste Wallmauer, die Kontereskarpe, sowie die Festungshauptmauer, die Eskarpe, an. Zwischen diesen beiden befand sich ein Wallgraben, der bei feindlichem Angriff geflutet werden konnte. Diese Festung galt als uneinnehmbar, obwohl niemand versucht hatte, die Stadt militärisch zu erobern. Nachdem Napoleon 1815 in der Schlacht bei Waterloo besiegt worden war, fiel Saarlouis an Preußen und wurde Kreisstadt. Danach fand 1889 die Schleifung der Festung statt und die noch existierenden Festungsrelikte gerieten immer mehr in Vergessenheit bis im Zuge des 1968 gebauten Anton-Merziger-Ringes und des Ausbaus des Naherholungsgebietes Saaraltarm die mit Wasser gefüllten Gräben in die städtische Grünanlage einbezogen und die Wälle zu gastronomischen Zwecken genutzt wurden. Ein Highlight ist die Vauban Insel, die ein Denkmal für den Marschall Michel Ney, den berühmtesten und auch umstrittensten Bürger Saarlouis beherbergt. Denn dieser in Saarlouis geborene Michel Ney schloss sich 1804 als Marschall des Kaiserreiches den Feldzug Napoleons als Armeeführer an. Er gewann neben Napoleon viele Schlachten, doch die entscheidende bei Waterloo verlor er. Am 6. Dezember 1815 wurde er wegen Hochverrats zum Tode durch Erschießen verurteilt, das am nächsten Morgen vollstreckt wurde. Seit 1946 schmückt ein Standbild Michel Neys die preußische Kasematte auf dem „Halben Mond“ der Vauban Insel. Die Vauban Insel und der „Halbe Mond“ wurden 1698 als sogenanntes Contregarde de l´écluse zum Schutz der Schleusenbrücke, dem Herzstück der Überschwemmungsfestung, errichtet. Diesen Schutzteil ließ 1821 der preußische König Friedrich Wilhelm III. bei seinem Besuch der Stadt nach dem Erbauer der Festung in Contregarde Vauban umbenennen, um so die Hochachtung von der Leistung des französischen Baumeisters zu würdigen. Seit 1973 befindet sich dort auch die Statue des vergessenen französischen Soldaten Lacroix, der noch Wache am „Halben Mond“ gehalten, obwohl seine Truppe sich schon zurückgezogen hatte. Beim Einmarsch der preußischen Soldaten wurde er entdeckt, aufgeklärt und mit Proviant versehen zu seiner Armee zurückgeschickt. Saarlouis, die einstige Festungsstadt, deren größter Arbeitgeber heute der Autobauer Ford ist, fasziniert bis heute mit den Resten der alten Festung aus dem 17. Jahrhundert Menschen aus der ganzen Welt und ließ mich die Stadtgeschichte hautnah miterleben. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser beeindruckenden Stadt und ihren Relikten aus Zeiten als Militär- und Garnisonsstadt. 🙂

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