St. Lamberti und die Täuferkörbe der verstümmelten Wiedertäufer

Isabella Müller Münster @isabella_muenchen

Mitten im Herzen der westfälischen Stadt Münster auf dem berühmten Prinzipalmarkt befindet sich die St. Lamberti Kirche. Diese Kirche, die von Kaufleuten um 1000 gegründet wurde und auf zwei Vorgängerbauten zurückgeht, wurde in ihrer heutigen Gestalt in den Jahren von 1374 bis 1450 erbaut. Der mächtige Turm der spätgotischen Hallenkirche aus Baumberger Sandstein entstand von 1887 bis 1898. Beeindruckend ist auch ihr Hauptportal mit dem Hochrelief der „Wurzel Jesse“, dessen dargestellte Evangelisten Lukas und Johannes, die Gesichter von Goethe und Schiller zeigen. Leider ist von der Originalausstattung wenig erhalten, da während der Täuferherrschaft 1534 St. Lamberti Zielscheibe wütender Angriffe der Bilderstürmer war und beim Neubau des Turms im späten 19. Jahrhundert Barockaltäre, Kanzel und viele Grabmäler aufgrund des nicht mehr zeitgemäßen religiösen Selbstverständnisses weichen mussten. Zwar wurde die Kirche im Zweiten Weltkrieg beschädigt, doch wurden diese Schäden bis 1960 behoben. St. Lamberti, die dem Heiligen Lambertus von Maastricht geweiht ist, ist die größte Pfarrkirche der Stadt, die mit ihren drei eisernen Körben vom Schmied Bertolt von Lüdinghausen hoch oben am Kirchturm hängend ein grausames Stück Stadtgeschichte erzählt. Nach Beendigung der Täuferherrschaft im Juni 1535, wurden drei der Anführer der Wiedertäufer Jan van Leiden, Bernd Knipperdolling und Bernd Krechting am 23. Januar 1536 hingerichtet. Auf Veranlassung des siegreichen Bischofs wurden ihre verstümmelten Leichen als abschreckendes Beispiel in die eisernen Körben über die Turmuhr der St. Lamberti Kirche aufgehängt. Die Wiedertäuferkörbe wurden nur wegen baulicher Veränderungen an der Kirche abgehängt und sind bis heute dort für jedermann sichtbar. Im Stadtmuseum Münster befinden sich Repliken der Täuferkörbe. Die St. Lamberti Kirche besitzt auch das höchstgelegene Arbeitszimmer in Münster, in dem eine Türmerin, eine der letzten in Europa, halbstündlich zwischen 21 Uhr und Mitternacht in drei Himmelsrichtungen in ihr Horn tutet. Diese alte Tradition, die bereits 1383 urkundlich belegt ist, warnte vor Bränden und Feinden. St. Lamberti mit ihren drei Täuferkörben und den mutigen Reden des Kardinal Clemens August Graf von Galen gegen die nationalsozialistische Herrschaft am 13. Juli und 3. August 1941 ist eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten, die mir die faszinierende Stadtgeschichte Münsters hautnah erlebbar machte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses prächtigen Sakralbaus auf dem herrlichen Prinzipalmarkt. 🙂

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