Der Friedenssaal im Münster Rathaus: Ein Saal, in dem Weltgeschichte geschrieben wurde

Isabella Müller Münster @isabella_muenchen

Ein Saal, in dem Weltgeschichte geschrieben wurde, ist der Friedenssaal im Münster Rathaus. Dieser Saal hieß einst Ratskammer, in die man durch die 1337 fertiggestellte Bürgerhalle gelangte und in der nicht nur Ratsversammlungen, sondern auch Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. Anno 1648 kam es zusammen mit dem Rathaus von Osnabrück zu einem welthistorischen Moment als von den dort tagenden Kriegsparteien des Dreißigjährigen Krieges der Westfälische Friede, einer der wichtigsten Friedensverträge der europäischen Geschichte, unterzeichnet wurde und der Dreißigjährige Krieg in Deutschland sowie der Achtzigjährige Unabhängigkeitskrieg der Niederlande beendet wurde. Aus diesem Grund wurde das Münster und das Osnabrücker Rathaus 2015 als Stätten des Westfälischen Friedens von der Europäischen Kommission mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet und seitdem heißt in Münster und Osnabrück die Ratskammer Friedenssaal. Im Münster Friedenssaal ist noch viel von der ursprünglichen Ausstattung erhalten, da bereits 1942 die wertvolle Wandvertäfelung, die Decke und das Inventar während des Zweiten Weltkrieges in das lippische Schloss Wöbbel gebracht wurde. Den Eingang des Friedenssaals markiert die Gerichtsschranke, die Richter und Parteien separierte und an deren Decke der Spruch auf lateinisch und plattdeutsch „Man höre beide Seiten“ angebracht wurde. Alle vier Wände des Saals sind mit Holzvertäfelungen im Stil der Renaissance, die aus dem Jahr 1577 vom Maler Hermann Tom Ring stammen, verziert. Die nördliche Wand wird von einer großen Schrankwand dominiert. Hier befindet sich der Richtertisch und die Bürgermeisterbank. An der Südwand steht ein manieristischer Kamin aus Sandstein von 1621, der einst im Krameramtshaus beheimatet war und im Aufsatz die Justitia trägt. Im Kaminsturz wird die Geschichte des armen Lazarus geschildert. Direkt daneben hängt ein Kupferstich, der das Gemälde des holländischen Malers Gerard ter Borchs mit der Beschwörung des Spanisch-Niederländischen Friedens zeigt. In der Mitte des Saals hängt ein schmiedeeiserner Kronleuchter von 1577, der von einer spätgotischen Madonnenfigur bekrönt wird. Die Westwand und teilweise auch die Südwand sind mit 37 Porträts der Friedensgesandten von 1648 geschmückt. Zudem befinden sich im Friedenssaal drei Gegenstände, deren Bedeutung und Herkunft bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte. Einer von diesen ist ein Hahnenpokal, das als repräsentatives Tafelgeschirr für festliche Anlässe als Trinkgefäß genutzt wurde. Der vergoldete Pokal soll um 1600 von einem Münster Ratsherrn gestiftet worden sein, der diesen anfertigen ließ, nachdem ein Hahn einem Schlachter entwischt war und nun auf der Stadtmauer herumsolzierte. Münster war zu dieser Zeit belagert und als diese Belagerer um den Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen den Hahn sahen, dachten sie es gäbe noch genügend Essensvorräte in der Stadt und brachen ihre Belagerung ab. So die Legende vom Hahnenpokal. Ein weiterer Gegenstand ist ein Frauenschuh, der aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen soll. Angeblich soll er Elisabeth Wandscherer, einer der 17 Frauen des Anführers der Täufer, Jan van Leiden, gehört haben. Ein andere Theorie besagt, dass er der Herzogin von Longueville, der Gemahlin des französischen Gesandten, die bei den Friedenshandlungen in Münster dabei gewesen sein soll, gehört haben soll. Bei dem dritten Gegenstand handelt es sich um ein Holzkästchen mit einer abgetrennten Hand aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Rat Münsters war nicht nur das politische Führungsorgan der Bürgerschaft, sondern besaß auch richterliche Funktionen. So stellte die abgehackte Hand ein sogenanntes Leibzeichen dar, das stellvertretend für die ganze Leiche als Beweis für die Tötung bei einer Gerichtsverhandlung des Rates diente. Ob dies stimmen mag, wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieses außergewöhnlichen Friedenssaals, den ich gegen 2 Euro Eintrittsgeld per Audioguide erkunden konnte. 🙂

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