Das Ende des Heiligen Römischen Reiches

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Auf einem der historisch bedeutendsten Plätze in Wiens ältestem Stadtkern befindet sich die Kirche am Hof zu den Neun Chören der Engel. Diese Kirche mit ihrer prächtigen weißen Fassade im Stil des Frühbarocks, die 1662 von Carlo Carlone im Auftrag von Eleonore von Gonzaga, der Witwe Kaiser Ferdinands III. geschaffen wurde, wirkte für mich auf den ersten Blick wie ein prunkvolles Palais, das sich nahtlos in die herrschaftliche Gebäudereihe einfügt. Besonders faszinierend sind die vier Statuen, Heilige des Jesuitenordens, die über der Terrasse angebracht sind. Die Kirche, die heute Sitz der kroatisch-katholischen Gemeinde Wiens ist, wurde von 1386 bis 1403 von den Karmelitern an der Stelle einer romanischen Hofkapelle als gotische dreischiffige Hallenkirche errichtet. Sie besitzt keinen Glockenturm und darum ist ihre Glocke ihrer Rückseite angebracht. Nach Übergabe der Kirche 1553 an die Jesuiten, dem ersten Gotteshaus der Jesuiten in Wien und deren Auflösung 220 Jahre später, wurde die Kirche zur Garnisonskirche und den Neun Chören der Engel geweiht. Der Name geht dabei auf das Gemälde am Karmeliteraltar, auch Albrechtsaltar genannt, zurück. Dargestellt ist Maria sowie die neun Chöre der Engel. Die Gottesmutter nimmt von einem Engel den Erzherzogenhut entgegen. Das Hochaltarbild wurde von Johann Däringer 1798 nach einem Entwurf von Hubert Maurer geschaffen. Der Kirche am Hof wurde 1782 eine besondere Ehre zuteil, als Papst Pius VI. von der Fassadenaltane den Ostersegen „urbi et orbi“ verkündete. Doch dies ist nicht das einzig geschichtsträchtige Ereignis. Denn am 6. August 1806 wurde von einem Herold des Kaiserhauses ebenfalls von der Altane das Ende des Heiligen Römischen Reiches bekannt gegeben und somit wurde das Ende der über 500 Jahre alten Herrschaft der Habsburger besiegelt. Die Kirche am Hof ist ein Paradebeispiel für viele unterschiedliche Baustile, da ihr Kirchenbau Jahrhunderte dauerte. Das Haupthaus wurde gotisch mit Spitzbogenfenstern, Strebewerk und spitzbogenförmigen Rippengewölbe gestaltet. Das Kircheninnere zeichnet sich durch allerhand Pomp und Opulenz in Hülle und Fülle aus. Bemerkenswert ist auch die Jesuitengruft unterhalb des Chorraumes. Diese wurde 1662 von Katharina Ursula angelegt, in der 91 Leichname ihre letzte Ruhe zur Zeit der Jesuiten fanden. Die Kirche am Hof zu den Neun Chören der Engel ist ein beeindruckender Sakralbau, der ein wahres architektonisches Juwel darstellt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

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