Wiens Cold Case am Russendenkmal

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Auf dem Wiener Schwarzenbergplatz befindet sich ein beeindruckendes Heldendenkmal der Roten Armee, das 1945 zum Gedenken an an die 17.000 Soldaten der Roten Armee, die in der Schlacht um Wien ihr Leben ließen, errichtet wurde. Dieses Denkmal zu Ehren der Soldaten der Sowjetarmee, das im Volksmund Russendenkmal genannt wird, wurde der Tatort eines grausamen Verbrechens, der in Wiens Kriminalgeschichte einging. Hier wurde am 14. April 1958 die 21-jährige Ilona Faber tot aufgefunden. Die junge Frau war eine Mannequinschülerin, das in einem Gebüsch hinter der dritten Säule der Kolonnade geschlagen, gewürgt, missbraucht und halb verscharrt wurde. Der Mordfall war der erste große Kriminalfall nach dem Zweiten Weltkrieg über den erstmals auch das Fernsehen berichtete, was für viel Aufsehen in der Öffentlichkeit sorgte. Zudem stammte die Ermordete aus Wiens oberen Kreisen. Ihr Vater war der Ministerialrat Dr. Ludwig Faber, ein hoher Beamter im Kabinett des ehemaligen Handelsministers Fritz Bock. Dieser forderte aus Solidarität zu Faber die Wiedereinführung der Todesstrafe für Sexualstraftäter. Der Tathergang wurde folgendermaßen rekonstruiert. Am Abend ihrer Ermordung besuchte Ilona Faber das Schwarzenberg-Kino und schaute sich den Elvis-Presley-Film „Gold aus heißer Kehle“ an. Das Kino befand sich direkt am Schwarzenbergplatz. Nachdem Film wurde sie gegen 22 Uhr von einem Mann hinter das Russendenkmal gezerrt, sexuell missbraucht und erwürgt. Einem Polizeibeamter, der dort routinemäßig Wache stand, war ein Mann aufgefallen, der schnell ausfindig gemacht werden konnte. Bei diesem Verdächtigen handelte es sich um den 30-jährigen vorbestraften Arbeitslosen Johann G., der im Homosexuellenmilieu verkehrte und Stricher war. Da seine Fußspuren mit denen, die am Tatort gefunden wurden, identisch waren und ein Ohrring der Ermordeten vor einem Lokal am Wiener Naschmarkt gefunden wurde, wo Johann G. Stammgast war, kam es zum Prozess. Jedoch wurde Johann G. wegen Mangels an Beweisen und im Zweifel für den Angeklagten freigesprochen. Jahre später wurde bei einer Hausdurchsuchung eines verstorbenen Mannes, ein Schuh von der Ermordeten gefunden. Anno 2002 behauptete eine Wienerin, dass ihr verstorbener Ehemann Eduard S. ihr den Mord an Ilona Faber gestanden habe. Bis heute konnte der Mordfall nicht aufgeklärt werden, der zu Wiens spektakulärsten Cold Case Fällen zählt. Trotz des grausigen Verbrechens ist der Schwarzenbergplatz mit dem Russendenkmal und dem herrlichen Hochstrahlbrunnen ein beliebtes Naherholungsziel bei Einheimischen und Touristen mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂

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