Der zum Fraß vorgeworfene Bauer

Isabella Müller München @isabella_muenchen

Eine der skurrilsten Kriminalfälle war der Fall von dem Bauer Rudolph Rupp, Rudi genannt. Dieser war Bauer in Neuberg an der Donau, der am 13. Oktober 2001 nach einem Wirtshausbesuch des Sportheims BSV Neuberg spurlos verschwunden war. Der 52 Jahre alte Rudi Rupp hatte wie jeden Freitagabend das Wirtshaus des örtlichen Sportvereins nach seiner Arbeit im Stall besucht. Am Stammtisch hatte der beleibte Bauer Platz genommen und acht Weißbier getrunken, ehe er torkelnd mit geschätzten 2,5 Promille gegen 1 Uhr nachts das Wirtshaus verließ und sich hinter das Steuer seines Mercedes E 230 setzte. Beim Ausparken streifte er noch einen Blumentopf. Dann fuhr er los. Danach verlor sich jede Spur von ihm. Seine 55 Jahre alte Ehefrau Hermine zahlte am nächsten Morgen noch die Zeche ihres Ehemannes und meldete ihn dann als vermisst. Rudi Rupp war wie vom Erdboden verschluckt, weshalb bald Gerüchte die Runde machten, dass die Familie den Tyrann beseitigt hatte. Zwei Jahre nachdem Verschwinden von Rudi Rupp tauchte die Polizei 2004 mit einem Durchsuchungsbefehl auf, um den inzwischen verwahrlosten Hof nach Spuren zu untersuchen. Doch es wurde nichts Verdächtiges entdeckt. Deshalb wurde die Ehefrau mit ihren beiden Töchtern und dem Verlobten Matthias der älteren Tochter Manuela zu Vernehmungen mit aufs Polizeirevier genommen. Dort kam es zu fatalen Geständnissen der vier Personen, deren Intelligenzquotient zwischen 50 und 70 lag und diese damit als minderbegabt galten. Der durchschnittliche IQ-Wert liegt bei 100. Laut ihren Geständnissen, die sich teilweise widersprachen, ging die Polizei davon aus, dass der Verlobte Matthias Rudi Rupp im Treppenhaus nach seiner Rückkehr aus dem Wirtshaus aufgelauert hatte. Da dieser ihn aus dem Haus werfen wollte, schlug er mit einem Vierkantholz in den Nacken von Rudi. Sowohl Rudis Ehefrau als auch seine beiden Töchter, die von ihm jahrelang sexuell missbraucht worden waren, animierten Matthias weiter auf Rudi einzuschlagen. Als dieser am Boden lag, schlug auch seine Ehefrau Hermine mit einer Latte auf ihn ein, während ihn seine Töchter ihn mit Füßen traten. Anschließend schleppten sie den noch lebenden Rudi in den Keller, wo Matthias mit seiner Verlobten ihn mit einem Hammer den Schädel einschlugen. Danach legten sie sich schlafen. Am nächsten Morgen zerstückelten sie die Leiche mit einem Messer, einer Axt und einer Säge. Die Leichenteile verfütterten sie an die vielen Hunde, die auf dem Hof lebten. Die Knochenteile und Innereien vergruben sie im Misthaufen. Aufgrund dieser Geständnisse, die alle vier Angeklagten nach Prozessbeginn widerriefen, wurden diese am 13. Mai 2005 vor dem Schwurgericht am Landgericht Ingolstadt wegen Totschlags von Rudi Rupp verurteilt. Dabei wurde Rupps Ehefrau Hermine und der Verlobte der Tochter zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, während die beiden Töchter eine Jugendstrafe wegen Beilhilfe durch Unterlassen von zweieinhalb und dreieinhalb Jahren bekamen. Die Urteile basierten rein auf Indizien. Es gab keine forensischen Beweise und auch die Leiche von Rudi Rupp fehlte. Doch dann wurde der angeblich verfütterte Rudi Rupp am 10. März 2009 aus seinem Mercedes E 230 geboren. Dieser war oberhalb der Staustufe Bergheim in der Donau versenkt worden. Die Leiche von Rudi Rupp wies keinerlei Spuren eines Tötungsdelikt auf. Trotz diesem sensationellen Fund, der bewies, dass der Bauer Rupp nicht auf dem Hof den Hunden zum Fraß vorgeworfen worden war, wurde ein Wiederaufnahmeverfahren abgelehnt. Erst am 9. März 2010 stimmte das Oberlandesgericht München den Wiederaufnahmeanträgen der Verteidigung zu. In diesen wurde bewiesen, dass die falschen Geständnisse durch enormen Vernehmungsdruck und suggestive Befragungen erzwungen worden waren. Besonders der Schrotthändler Ludwig H. erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. So sollte er ein Protokoll unterschreiben, in dem stand, dass er den Mercedes von Rudi Rupp heimlich verschrottet habe, als er sich weigerte, hielt ihm ein Polizist seine Dienstpistole mit den Worten „Wir können auch anders, es geht um Mord, da dürfen wir alles“ an die Schläfe. Ludwig H. saß deswegen 2004 wegen angeblicher Falschaussage in U-Haft. Am 25. Februar 2011 wurden die Angeklagten von der Kammer des Landgerichts Landshut freigesprochen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Verurteilten nach Verbüßung von zwei Dritteln ihrer Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen worden. Das Gericht aber schloss weiterhin einen Unfall oder Suizid aus, da nur nicht geklärt werden konnte, wer für den Tod von Rudi Rupp verantwortlich sei. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von München. Dort hatte das Oberlandesgericht am 9. März 2010 dem Wiederaufnahmeverfahren des Falls Rudi Rupp stattgegeben. 🙂

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