Wiens frivole Reichsgräfin Triangi

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Eine der wohl schillerndsten Figuren der Wiener Stadtgeschichte in der Zwischenkriegszeit war die Reichsgräfin Triangi, die heute in jedem Reality-TV-Format ein gern gesehener Gast wäre. Diese wurde als Antonia Samek am 6. Mai 1868 in Brünn, damals das Zentrum der Herstellung von Woll- und Seidenstoffen, geboren. Ihre Eltern waren der jüdische Textilfabrikant Jakob Samek und seine Ehefrau Sophie. Antonia Samek wuchs wohl behütet auf und heiratete am 11. Dezember 1887 in Brünn den Sohn eines reichen Seidenfabrikanten namens Richard Rindskopf von Tischau. Für ihn war sie zum katholischen Glauben übergetreten. Das gemeinsame Glück wurde durch die Geburt der Tochter Lidia Adrienne am 13. Januar 1889 in Teplitz-Schönau gekrönt. Doch bereits am 17. Oktober 1893 wurde die Ehe wieder geschieden und Antonia, die sich nun Antoinette nannte, lebte nach der Scheidung in Paris, wo sie sich im Mai 1894 mit dem kaiserlich-königlichen Leutnant Wendelin Wilhelm Rhiza Ritter von Mühlau verlobte. Aber eine Ehe kam nie zustande und so reiste Antonia in die Donaumetropole Wien. Dort ließ sich Antonia Rindskopf am 26. Juni 1894 in der Pfarre Maria Geburt auf den Namen Beatrice Antoinette taufen. Danach erhielt sie am 7. Juni 1896 von der kaiserlich-königlichen Stadthalterei den Erlass ihren Namen von Rindskopf in Riedhorst zu ändern. Wenig später heiratete sie am 29. April 1897 in einer serbisch-orthodoxen Kirche im 3. Wiener Gemeindebezirk den bulgarischen Kaufmann Ivan S. Dragulow für den sie zum orthodoxen Glauben übertrat. Aber bereits zwei Jahre später war auch diese Ehe Geschichte und so folgte die Scheidung im Jahr 1899. Doch vier Jahre später erfüllte sich mit der Heirat des neun Jahre jüngeren, adeligen Albano Hugo Josef Graf von Triangi zu Latsch und Madernburg ihr großer Traum. Sie gehörte nun der Aristokratie an und durfte sich fortan Beatrice Cita Antonia Reichsgräfin Triangi von und zu Latsch und Madernburg, Baronin von Maderno Riedhorst, Freifrau von Tyrol, Trientiner Edeldame nennen. Der Einfachheit halber Reichsgräfin Triangi. Für die Heirat konvertierte sie zum evangelischen Glauben. Natürlich war diese Ehe arrangiert. Zwar war ihr Ehemann Herausgeber und Redakteur der „Österreichisch-Ungarischen Beamtenzeitung“ und des Blattes „Der Zugexpedient“, doch den Lebensunterhalt bestritt die Reichsgräfin Triangi. Am 5. April 1926 starb Graf Albano Triangi. Nachdem Tod ihres Mannes flanierte die Reichsgräfin täglich am Graben, Wiens Luxuseinkaufsmeile im 1. Bezirk entlang, oder war am Ringstraßenkorso zugegen, ein gesellschaftliches Muss der gehobenen Gesellschaft jener Zeit. Auch im Hotel Bristol, dem Hotspot der Aristokratie, war die Reichsgräfin oftmals anzutreffen. Doch durch ihre Auftritte in den 1920er Jahren wurde die einstige Grande Dame allmählich zur Spottfigur. Ihre Bühnenshows, bei denen sie leicht bekleidet sang, Flöte, Klavier oder Mundharmonika spielte, waren stets ausverkauft, da sie die Leute einfach durch ihr augenscheinlich nicht vorhandenes Talent und ihren selbst kreierten Tanz „Wolllust“ amüsierte. Sie brachte das Publikum zum Grölen und beschimpfte dieses dann aufs Übelste oder wurde sogar handgreiflich. Auch ihre Gerichtsverhandlungen waren legendär, die immer überfüllt waren, da die Reichsgräfin diese wie einen Bühnenauftritt inszenierte. Sie wurde dadurch zum Hassobjekt des Adels, der sich durch sie bloßgestellt fühlte. Aufgrund der politischen Verhältnisse erfuhr die Reichsgräfin immer mehr antisemitische Anfeindungen. Besonders die antisemitische Zeitschrift „Der Stürmer“ schrieb große Hetzkampagnen gegen die Reichsgräfin, die am 5. Dezember 1939 erstmals von der Gestapo Besuch erhielt und vom 17. Februar bis 5. März 1940 in Gestapo-Haft genommen wurde. Wenig später wurde die Reichsgräfin Triangi am 23. April 1940 schwer krank und völlig verwirrt in ihrer Wohnung aufgefunden. Anschließend wurde sie in das Rothschildspital gebracht, wo sie wegen des Verdachts auf Geistesstörung nicht aufgenommen wurde. Stattdessen wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof eingeliefert, wo sie am 28. April 1940 laut Protokoll an einer Lungenentzündung starb. Sie wurde am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. So endete das Leben der exzentrischen Lebefrau, die stets zum Adel gehören und von Menschen geliebt werden wollte, die oftmals nur Hohn und Spott für sie übrig hatten. Aber wie schrieb schon der französische Schriftsteller Jean de la Bruyére so treffend: „Spott ist oft Mangel an Geist. “ In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos vom Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof, der letzten Ruhestätte der Reichsgräfin Triangi. 🙂

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