Im Jahr 1971 erschütterte ein grausamer Fund die friedlichen Obstplantagen entlang des Feather River im Sutter County im US-Bundesstaat Kalifornien: 25 ermordete, teilweise eingegrabene, arbeitslose Wanderarbeiter, die sexuell missbraucht und mit einer Machete getötet worden waren, wurden gefunden – Opfer eines Serienmörders, der der amerikanischen Öffentlichkeit Angst und Schrecken einjagte. Hinter diesen Verbrechen steckte Juan Vallejo Corona, ein mexikanischer Einwanderer und Arbeitsvermittler, der später als einer der produktivsten Serienmörder der US-Geschichte gelten sollte. Obwohl seine Verbrechen lange Zeit im Schatten anderer berüchtigter Mörder standen, hat sich der Fall Corona als eines der dunkelsten Kapitel in der Kriminalgeschichte Kaliforniens etabliert. Doch wer war dieser Mann, der 25 Männer grausam mit einer Machete verstümmelte und tötete? Juan Vallejo Corona wurde am 7. Februar 1934 in Ayutla in Mexiko geboren. Er wuchs in einer Großfamilie mit vier Brüdern und einer Schwester auf. Im Alter von gerade einmal 16 Jahren überquerte er heimlich die Grenze nach Kalifornien und suchte Arbeit als Landarbeiter in den landwirtschaftlichen Regionen des Bundesstaates. Wie viele seiner Landsleute führte er ein Nomadenleben, getrieben von Ernte zu Ernte – Möhren, Melonen, Pfirsiche –, oft unter schwierigen Bedingungen und ohne feste Bindungen. Anfang der 1950er Jahre ließ sich Corona in der Gegend um Marysville und Yuba City nieder, wo er durch seinen Halbbruder José Natividad Corona Sánchez erstmals Fuß fasste. Im Oktober 1953 ehelichte er Gabriella E. Hermosillo, doch die Ehe war nur von kurzer Dauer. Angeblich lag dies auch an Juans Bisexualität. Bald darauf wurde Juans Familie von dunklen Geheimnissen geplagt: Natividad, der Halbbruder, war für gewalttätige Ausbrüche bekannt, darunter einen Angriff mit einer Machete, der ihm zum Verhängnis wurde. Natividad betrieb in Marysville, wo er wohnte die Cafébar Guadalajara, in der hauptsächlich Homosexuelle verkehrten. Eines Tages wurde in der Toilette des Lokals der junge José Romero Raya mit einer schweren Kopfverletzung verursacht durch eine Machete aufgefunden, der daraufhin eine Entschädigungssumme von 250.000 US-Dollar per Klage erkämpfte. Um dieser Zahlungsverpflichtung zu entkommen, verkaufte Natividad die Bar und floh aus dem Land. Juan selbst hatte mit psychischen Problemen zu kämpfen. Anno 1955 wurde Nordkalifornien zwischen dem 16. Dezember und dem 26. Dezember von einer Flutkatastrophe heimgesucht, bei der 38 Menschen ihr Leben verloren. Juan erlitt anschließend einen Nervenzusammenbruch und musste psychiatrisch behandelt werden. 1956 wurde er nach der Diagnose einer paranoiden Schizophrenie in das DeWitt State Hospital eingewiesen und unterzog sich einer Reihe von Elektroschocktherapie-Sitzungen, bevor er als geheilt entlassen wurde. Die Diagnose sollte den Rest seines Lebens prägen. Nach seiner Entlassung wurde er nach Mexiko abgeschoben. Anno 1958 ging er mit Gloria I. Moreno erneut den Bund fürs Leben ein, mit der er vier Töchter zeugte. Nach seiner Rückkehr in die USA – diesmal auf legalem Wege durch eine Green Card im Jahr 1962– stieg Corona vom einfachen Erntehelfer zum Arbeitsvermittler auf und rekrutierte und vermittelte Wanderarbeiter an die Plantagen rund um Yuba City. Seine eigene Lebensgeschichte blieb jedoch von Schwierigkeiten und wiederkehrenden psychischen Krisen überschattet. Am 19. Mai 1971 bemerkte der japanische Landwirt Goro Katehiro frische Grabspuren auf einer Pfirsichplantage am Feather River, die ihn an ein Grab erinnerten. Noch am Abend kehrte er zum ausgehobenen Loch zurück, das nun mit Erde zugeschüttet war. Er glaubte, dass jemand dort vielleicht gesundheitsgefährdenden Abfall entsorgt haben könnte, weshalb er die Polizei informierte. Als diese die Stelle untersuchte, entdeckte sie die Leiche eines jungen Mannes, der sich als Kenneth Whitacre entpuppte. Dieser wies mehrere Stichwunden in seiner Brust und am Kopf auf, die vermutlich von einer Machete stammten. Außerdem wurde bei ihm homosexuelle Literatur gefunden. Diese grausige Entdeckung markierte den Beginn einer der größten Mordermittlungen in der kalifornischen Kriminalgeschichte. Nur vier Tage später wurde ein weiteres Grab entdeckt. Dieses enthielt die Leiche von Charles Fleming, einem Landstreicher. Daraufhin untersuchte die Polizei nun das gesamte Areal. Innerhalb weniger Wochen hatte die Polizei 25 Leichen gefunden, die in den Obstgärten vergraben waren – größtenteils auf der Sullivan Ranch, wo Corona regelmäßig Arbeitskräfte vermittelte und einige der Opfer untergebracht hatte. Bei den Opfern handelte es sich um Männer mittleren Alters, meist zwischen 40 und 64 Jahren, oft Obdachlose oder Wanderarbeiter ohne festen Wohnsitz und häufig vorbestraft. Sie wurden alle auf ähnliche Weise ermordet: meist durch Stich- und Hiebwunden in Kreuzform, die mit Messern oder Macheten zugefügt wurden; ein Opfer wurde sogar mit einer Pistole erschossen. Die Ermittler fanden bald entscheidende Beweise, die auf Corona als Verdächtigen hindeuteten. Am Tatort fanden sie in den Gräbern Werbebelege und Kontoauszüge, auf denen sein Name und seine Adresse vermerkt waren. Zeugen berichteten, dass einige der Opfer kurz vor ihrem Verschwinden zuletzt in Coronas Pick-up gesehen worden waren. Die Polizei durchsuchte Coronas Haus in Yuba City und beschlagnahmte blutbefleckte Messer, eine Machete, eine Schusswaffe sowie blutbefleckte Kleidung. Besonders auffällig war ein Notizbuch, in dem 34 Namen und dazugehörige Angaben vermerkt waren, darunter sieben der Opfer – von der Staatsanwaltschaft bald als „Todesliste“ bezeichnet. Juan Corona wurde am 26. Mai 1971 festgenommen. Ihm wurden 25 Fälle von Mord ersten Grades zur Last gelegt. Seine Verteidigung hatte einen holprigen Start: Sein erster Anwalt schenkte einer gründlichen Ermittlung kaum Beachtung, und ein leichtsinniger Deal – bei dem sich der Anwalt die Exklusivrechte an Coronas Lebensgeschichte sicherte – führte zu einem Interessenkonflikt und dem anschließenden Verlust des Verfahrens. Der erste Prozess begann im September 1972, nachdem der Gerichtsstand von Sutter County nach Solano County verlegt worden war. Die Geschworenen mussten sich mit einer riesigen Menge an Beweismaterial, Zeugenaussagen und den erschütternden Folgen für die Opfer auseinandersetzen. Corona selbst schwieg und trat nicht als Zeuge auf. Nach mehr als 45 Stunden Beratung befanden die Geschworenen ihn für schuldig. Er wurde zu 25 lebenslangen Freiheitsstrafen ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Der Fall wurde jedoch noch komplexer. 1978 hob das Berufungsgericht das Urteil wegen unzureichender Verteidigung und eines Interessenkonflikts auf. Ein neues Verfahren wurde angesetzt. Im zweiten Prozess, der 1982 begann, verfolgte Corona eine neue Verteidigungsstrategie: Sein 1973 verstorbener Halbbruder Natividad solle als Hauptverdächtiger gelten, da dieser für mehrere Gewalttaten in der Region bekannt war. Über 50 Zeugen sagten aus und versuchten, Zweifel an Coronas Schuld zu wecken. Trotz dieser Bemühungen gelang es der Verteidigung nicht, glaubwürdige Beweise zur Untermauerung dieser Theorie vorzulegen. Corona selbst wurde kurz befragt, weigerte sich jedoch, detaillierte Aussagen zu machen. Das umfangreiche Beweismaterial, insbesondere die bedrohliche „Todesliste“ in seinem Arbeitsheft, überzeugte die Geschworenen von seiner Schuld. Nach mehrwöchigen Beratungen fällten sie erneut ein Urteil: schuldig in allen Anklagepunkten. Coronas Zeit im Gefängnis war von Gewalt und gesundheitlichen Problemen geprägt. Kurz nach Antritt seiner Haftstrafe wurde er von Mitgefangenen schwer angegriffen; dabei wurde 32 Mal mit einem Messer auf ihn eingestochen, wodurch er ein Auge verlor. Der Grund für diesen brutalen Angriff war ebenso bizarr wie tragisch: Er war versehentlich mit einem anderen Häftling zusammengestoßen, ohne sich zu entschuldigen. Dieser Vorfall veranlasste offenbar eine Gruppe verbündeter Häftlinge, sich gegen ihn zu wenden. Während seiner Haft zerbrach seine Ehe, und er zeigte wiederholt Symptome einer Herzerkrankung und später auch Anzeichen von Demenz. Trotz mehrerer Anträge wurde ihm die Bewährung verweigert. In späteren Anhörungen räumte Corona nüchtern ein, dass er verantwortlich sei, bezeichnete die Opfer jedoch als „Landstreicher“, die unbefugt sein Grundstück betreten hätten. Coronas Verbrechen werfen auch ein Licht auf die damaligen sozialen Verhältnisse. Kalifornien war in den 1960er- und 70er-Jahren eine Region der Landarbeiter, überwiegend Migranten und Saisonarbeiter, die unter prekären Bedingungen lebten. Arbeiter wie Corona selbst lebten oft am Rande der Gesellschaft, hatten kaum soziale Absicherung und litten häufig unter psychischen Problemen. Coronas Position als Arbeitsvermittler verschaffte ihm Zugang zu diesen Menschen, die leichte Beute waren, da ihr Verschwinden kaum Aufsehen erregte. Die Tatsache, dass seine Opfer überwiegend obdachlose und sozial isolierte Männer waren, behinderte zunächst die Ermittlungen, sorgte aber auch dafür, dass das Ausmaß seiner Verbrechen schnell berüchtigt wurde. Juan Vallejo Corona starb am 4. März 2019 im Alter von 85 Jahren eines natürlichen Todes in einem Krankenhaus in der Nähe des Corcoran State Prison. Der Fall gilt bis heute als ein Symbol sowohl für das Grauen, das psychische Erkrankungen, soziale Isolation und mangelnde Aufsicht hervorrufen können, als auch für die Herausforderungen, denen sich Justiz und Gesellschaft stellen müssen, wenn es um den Schutz der Schwächsten geht. Der Fall erinnert daran, dass hinter jeder anonymen Statistik menschliche Schicksale stehen – Opfer, Täter und deren Familien. Juan Vallejo Corona bleibt einer der berüchtigtsten Serienmörder Kaliforniens, dessen Name nach wie vor eng mit der dunklen Schattenseite der amerikanischen Agrarlandschaft verbunden ist. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Santa Cruz. 🙂
Juan Vallejo Corona: Der Machetenmörder

