
Es war einmal an einem kalten Wintertag, als der Weihnachtsmann, der sonst so fröhlich und gutmütig ist, mit einem finsteren Blick durch den Schnee stapfte. Sein roter Mantel war zerzaust, sein Bart voller Eiszapfen und seine Augen funkelten wie die Kohlen im Kamin.
„Verdammte Weihnachtszeit!“, grummelte er vor sich hin. „Jedes Jahr dasselbe! Geschenke aussuchen, Päckchen packen, Plätzchen backen – das macht mich noch ganz verrückt!“
Der Weihnachtsmann hatte einfach genug von all dem Trubel und Stress, der jedes Jahr mit Weihnachten einherging. Warum musste er eigentlich immer der Gute sein, der allen anderen Freude bringt? Konnte er nicht auch mal an sich selbst denken?
Der Besuch im Dunklen Laden
In seiner Verzweiflung beschloss der Weihnachtsmann, einen Abstecher in den berüchtigten „Dunklen Laden“ zu machen. Dort, so munkelte man, konnte man allerlei Kuriositäten und magische Gegenstände erstehen – vielleicht fand er ja etwas, das ihm aus seiner misslichen Lage half.
Mit gesenktem Kopf betrat er den Laden, der in ein geheimnisvolles Halbdunkel getaucht war. An den Wänden hingen seltsame Gemälde, in den Regalen standen Flaschen mit schillernden Flüssigkeiten und in einer Ecke thronte ein riesiger, schwarzer Kristallball.
„Willkommen im Dunklen Laden, mein Herr“, ertönte plötzlich eine rauchige Stimme. „Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?“
Der Weihnachtsmann zuckte erschrocken zusammen und blickte in das faltige Gesicht einer alten Hexe, die ihn aus funkelnden Augen musterte.
„Ich… ich suche etwas Besonderes“, stammelte er. „Etwas, das mir hilft, der Weihnachtszeit zu entfliehen.“
Die Hexe lächelte wissend. „Ah, ich verstehe. Die Weihnachtszeit kann manchmal eine wahre Plage sein, nicht wahr? Aber ich denke, ich habe genau das Richtige für Sie.“
Sie verschwand kurz hinter einem Regal und kam dann mit einer kleinen, schwarz-silbernen Schatulle zurück.
„Dies ist der Schlüssel zu Ihren Problemen, mein Freund. Öffnen Sie einfach diese Schatulle und Ihre Weihnachtssorgen werden wie von Zauberhand verschwinden.“
Der Weihnachtsmann zögerte kurz, dann griff er entschlossen nach der Schatulle. Was konnte schon schiefgehen?
Die Verwandlung
Kaum hatte der Weihnachtsmann die Schatulle geöffnet, da umhüllte ihn ein gleißendes Licht. Er spürte, wie sich sein Körper zu verändern begann – seine Nase wuchs, sein Bauch schrumpfte und seine Ohren spitzten sich zu. Als das Licht erlosch, stand vor der verblüfften Hexe ein kleiner, grünhäutiger Kobold.
„Was zum…?“, rief der Weihnachtsmann-Kobold erschrocken aus. „Was haben Sie mir da angetan?“
Die Hexe lachte schadenfroh. „Tja, mein Lieber, Sie wollten doch der Weihnachtszeit entfliehen. Nun, als Kobold werden Sie das ganz sicher schaffen!“
Der Weihnachtsmann-Kobold starrte sie entsetzt an. „Aber… aber ich kann doch so nicht Weihnachten feiern! Wie soll ich denn die Geschenke verteilen?“
„Das ist nicht mehr mein Problem“, erwiderte die Hexe kalt. „Viel Spaß noch bei Ihren Weihnachtsvorbereitungen!“
Damit verschwand sie in den Schatten des Ladens, den Weihnachtsmann-Kobold völlig fassungslos zurücklassend.
Weihnachten als Kobold
Was sollte er nun bloß tun? Der Weihnachtsmann-Kobold war völlig überfordert mit seiner neuen Situation. Wie sollte er nur all die Geschenke verteilen, wenn er selbst kaum größer als ein Kinderspielzeug war?
Niedergeschlagen machte er sich auf den Weg zum Nordpol, wo sein Weihnachtsquartier lag. Die Rentiere starrten ihn verwirrt an, als er in den Hof watschelte.
„Ho, ho, ho – oder besser gesagt: Grrr, grrr, grrr“, versuchte er es mit einem Lachen. „Ich bin’s, der Weihnachtsmann! Oder besser gesagt… der Weihnachtsmann-Kobold.“
Die Rentiere wichen ängstlich zurück, als der kleine, grüne Kobold auf sie zuging. Der Weihnachtsmann-Kobold seufzte schwer. Das würde eine schwierige Weihnacht werden.
Die Geschenkeverteilung
Trotz seiner Widrigkeiten machte sich der Weihnachtsmann-Kobold tapfer an die Arbeit. Mit viel Mühe und Geschick schaffte er es, alle Geschenke in seinen Sack zu packen und sich auf den Weg zu machen.
Doch kaum war er in den ersten Häusern, da ging alles schief. Anstatt die Geschenke unter dem Baum zu platzieren, landeten sie meist auf den Köpfen der Kinder. Und statt „Ho, ho, ho“ kam nur ein heiseres „Grrr“ über seine Lippen.
Die Kinder waren völlig verwirrt und rannten schreiend aus dem Zimmer. „Mama, Papa, der Weihnachtsmann ist ein Monster!“
Der arme Weihnachtsmann-Kobold war am Boden zerstört. So hatte er sich seine Weihnachten wirklich nicht vorgestellt.
Der rettende Einfall
Gerade als er schon aufgeben wollte, hatte der Weihnachtsmann-Kobold eine Idee. Er würde die Geschenke einfach an die Haustüren hängen! So mussten die Kinder ihn nicht sehen und er konnte seine Arbeit trotzdem erledigen.
Voller Elan machte er sich an die Umsetzung seines Plans. Von Haus zu Haus eilte er, hing die Geschenke auf und verschwand schnell wieder in der Dunkelheit. Zwar gab es hier und da noch ein paar erschrockene Schreie, aber im Großen und Ganzen klappte alles reibungslos.
Als der Weihnachtsmann-Kobold schließlich erschöpft, aber zufrieden zum Nordpol zurückkehrte, wo die Rentiere ihn zwar immer noch misstrauisch angeblickten, aber sie ließen ihn gewähren. Und auch die Elfen, die zunächst entsetzt waren, gewöhnten sich schnell an ihren neuen, grünen Weihnachtsmann.
Ein unerwartetes Happy End
Am Ende war es doch noch ein ganz besonderes Weihnachtsfest geworden. Zwar hatte der Weihnachtsmann-Kobold so manches Mal an den Rand der Verzweiflung getrieben, aber letztendlich hatte er es geschafft, allen Kindern ihre Geschenke zu bringen.
Und als er am Heiligabend erschöpft, aber glücklich vor dem Kamin saß, musste er sogar lachen. „Vielleicht ist die Weihnachtszeit doch nicht so schlimm“, dachte er bei sich. „Manchmal braucht es eben nur einen etwas anderen Blickwinkel.“
Mit einem zufriedenen Lächeln griff er nach seinem Glühwein und prostete den Rentieren zu. „Auf ein frohes Weihnachtsfest – und auf viele weitere Abenteuer!“ In diesem Sinne wünsche ich Dir einen wunderschönen 1. Weihnachtsfeiertag und hoffe, dass Dir meine kleine Weihnachtsgeschichte gefallen hat. Alles Liebe Deine Isabella 🙂

