Ein besonders schockierender Fall von Vernachlässigung und Missbrauch war der von Genie Wiley, einem sogenannten Wolfskind, das komplett isoliert bis zu ihrem 13. Lebensjahr von der Außenwelt aufwuchs. Dieser Fall gilt bis heute als einer der grausamsten Fälle von Kindesmisshandlung in der modernen Geschichte. Erst durch Zufall wurde Genies jahrelanges Martyrium entdeckt. Doch damit endete Genies Leidensweg keinesfalls, die aufgrund ihrer Entwicklung ein gefundenes Fressen für die Forschung wurde. Denn Genie stellte ein Rätsel dar, dessen Lösung Forscher zu entschlüsseln versuchten – manchmal über die Grenzen des Ethos hinaus. Alles begann als im November 1970 eine Frau mit ihrem kleinen Kind versehentlich in ein falsches Gebäude stolperte und damit eine beispiellose Kette von Ereignissen auslöste. Was folgte, war die Entdeckung eines der schlimmsten Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung, die die Ermittler je gesehen hatten. Am 4. November 1970 irrte eine Frau mittleren Alters mit ihrem jungen Kind durch die Flure eines Gebäudes in Temple City. Die 50-jährige Irene Wiley, die 10 Jahre älter wirkte, war vor ihrem gewalttätigen Mann Clark geflohen, um eine Behindertenrente für Blinde zu beantragen. Irene Wiley hatte nicht nur auf einem Auge Grauen Star, sondern auch schwere neurologische Schäden, die sie fast erblinden ließen. Doch Irene hatte aufgrund ihrer Sehschwäche die Gebäude verwechselt, wodurch sie letztendlich im Sozialamt mit ihrer Tochter Susan gelandet war. Durch ihr zielloses Umherirren wurde eine Sozialarbeiterin auf Irene und deren Tochter Susan aufmerksam, die beide ansprach. Als diese erfuhr, dass Susan nicht erst sechs Jahre, sondern bereits 13 Jahre alt war, nur 26 Kilogramm wog und stark vernachlässigt wirkte, informierte sie ihre Vorgesetzte. Die beiden Sozialarbeiterinnen erfuhren schnell, dass die Schwere von Genies Zustand auf mehr als nur körperliche Misshandlung hinwies. Dies führte zur Kontaktaufnahme mit der Polizei, die daraufhin Susans Eltern festnahm und das Kind in die Obhut des Gerichts übergab. Susan wurde in das UCLA Kinderkrankenhaus gebracht, wo sie den Namen Genie erhielt. Dieser leitete sich von dem Flaschengeist ab, da dieser erst nach der Kindheit in die menschliche Gesellschaft eintritt. So wie auch Genie, die keine menschliche Kindheit hatte, da sie in Isolation sowie außerhalb menschlicher Gesellschaft aufwuchs und dabei grundlegende soziale und sprachliche Fähigkeiten verloren hatte. Susan M. Wiley, später als Genie bekannt, wurde am 18. April 1957 in Arcadia im US-Bundesstaat Kalifornien als jüngstes von vier Kindern von Clark und Irene Wiley geboren. Ihre Kindheit war geprägt von Vernachlässigung. Schon früh begann ihr Vater Clark, sie von der Außenwelt abzuschotten und die Bindung zu ihrer Familie zu unterdrücken. Genie, die an Hüftdysplasie litt, hatte bereits in der frühen Kindheit eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. Ihr Vater war überzeugt, dass sie geistig zurückgeblieben sei, und verbot jeglichen Kontakt zwischen ihr und ihrer Mutter Irene sowie ihrem Bruder John. Der brutale Umgang mit ihr konnte nicht schlimmer sein – sie war gefangen in einem winzigen Raum, der als ihr „Zuhause“ diente, aber mehr einem Käfig glich. Clark Gray Wiley wurde 1901 in Oregon als Sohn von Judson und Pearl Wiley geboren. Clarks Mutter war Bordellbesitzerin, die Clark nach dem Tod seines Vaters Judson, durch einen Blitzeinschlag ins Waisenhaus brachte. Während des Zweiten Weltkriegs war Clark als Flugzeugmechaniker tätig, wo er Irene Oglesby kennen lernte, die er 1944 heiratete. Das frisch vermählte Ehepaar ließ sich in Kalifornien nieder und Clark nahm wieder Kontakt zu seiner Mutter auf, die er trotz seiner Weggabe ins Waisenhaus sehr verehrte. Irene hatte schon in ihrer Jugend einen schweren Unfall erlitten, der zu Kopfverletzungen und einem irreparablen Sehproblem führte. Clark war ein Tyrann, der seine Frau ständig schlug und keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Kinder machte. Trotz Clarks Kinderhass wurde Irene viermal schwanger. Doch zwei Kinder starben kurz nach ihrer Geburt auf mysteriöse Weise, so dass nur der 1952 geborene Sohn John und die 1957 geborene Susan überlebten. Nach dem Tod von Clarks Mutter Pearl, die von einem Pick-up-Truck im Beisein von ihrem 6 Jahre alten Enkelsohn John, der seit seinem vierten Lebensjahr bei ihr lebte, überfahren worden war, verstärkte sich seine Gewalttätigkeit, und die physische und emotionale Isolation von Genie nahm ein unvorstellbares Ausmaß an. Clark kündigte seinen Job, um seine Familie vollständig überwachen zu können und zog mit dieser in das kleine Zweizimmerhaus seiner Mutter. Während Clark mit John und Irene im Wohnzimmer lebte, wurde Genie in einem dunklen Raum gehalten, wo sie gefesselt und misshandelt wurde. Die Nachbarschaft wusste nichts von ihrem Dasein und ihre einzige Verbindung zur Welt war die Dunkelheit des Zimmers, in dem sie gefangen war. Tagsüber wurde Genie an einen Toilettenstuhl gefesselt, während sie nachts in einer Art Käfig mit Zwangsjacke gehalten wurde. Genie hatte keine Spielsachen, noch Bücher, die nie in eine Schule geschickt wurde. Das Essen wurde Genie von John oder Irene schnell in den Mund gestopft, die es oft erbrach, weil sie nicht zügig genug schlucken konnte. Genie fristet ihr Dasein vor sich hin. Sie wurde völlig isoliert. Clark, der meist im Wohnzimmer mit seiner Schrotflinte hockte, wenn er seine Familie nicht schlug, hatte gehofft, dass Genie bis zu ihrem 12. Lebensjahr das Zeitliche segnen würde. Doch Genie hielt durch. Clark hatte einst Irene versprochen, dass diese Hilfe holen dürfe, wenn Genie 12 Jahre alt werden würde, doch er hielt sein Versprechen nicht. Nach ihrer Rettung beging Clark Selbstmord, indem er sich mit seinem Revolver im Haus erschoss. Irene hingegen wurde freigesprochen, da sie das Opfer von Clarks Kontrollsucht und Gewalt war. Genie begann nach ihrer Befreiung ein neues Leben im UCLA Kinderkrankenhaus unter der Leitung von Psychologen und Linguisten. Die Öffnung ihrer Welt stellte eine einzigartige Gelegenheit dar, aber auch eine ethische Herausforderung. Forscher waren sowohl fasziniert als auch besorgt über den Einfluss ihrer Isolation auf Genies Entwicklungsfähigkeit. Die Öffentlichkeit reagierte schockiert auf Genies Geschichte. Ein Foto von ihr erregte landesweite Aufmerksamkeit und zeigte das verängstigte Mädchen mit großen Augen, das nicht sprechen und richtig laufen konnte. Der Fall fühlte sich wie ein Fenster in eine andere Welt an, die viele als unvorstellbar erachteten. Genies Fortschritte waren bemerkenswert, aber auch oftmals frustrierend. Obwohl sie eine gewisse Entwicklung zeigte, stieß sie aufgrund ihrer extremen Isolation an die Grenzen ihrer sprachlichen Fähigkeiten. Im Januar 1971 verfügte Genie über einen Wortschatz von 15 bis 20 Wörtern, die zwei Sätze sagen konnte. Diese waren „Hör auf!“ und „Nicht mehr!“. Die Experten vermuteten, dass sie entscheidende Phasen der Sprachentwicklung verpasst hatte und dass viele Bereiche ihres Gehirns, die für Sprache zuständig sind, nicht stimuliert worden waren. Die Kontroversen um Genies Fall führten zu Diskussionen über die ethischen Grenzen der Forschung an verletzlichen Individuen. Genies Fall wurde von vielen als eine Art „verbotenes Experiment“ betrachtet, bei dem die Bedingungen ihrer Isolation der theoretischen Absicht entsprachen, die Auswirkungen von sozialer Isolation auf die menschliche Entwicklung zu verstehen. Trotz aller Hoffnung und Bemühungen wurde Genie letztendlich nicht in der nötigen Weise betreut. Nachdem die Forschungsgelder 1975 aufgebracht waren, kehrte Genie im Alter von 18 Jahren zu ihrer Mutter zurück. Aber diese war mit Genies Erziehung völlig überfordert, weshalb sie Genie in eine Pflegefamilie gab. Doch diese entpuppte sich als streng und missbräuchlich, was zu einem Entwicklungsrückschritt führte. Nach diversen Pflegefamilien wurde Genie in eine private staatliche Einrichtung gebracht, wo sie bis heute lebt. Genies Mutter Irene starb 2003. Ihr Bruder John versuchte ein normales Leben nach Genies Rettung zu führen. Er heiratete und zeugte eine Tochter. Aber die Schatten der Vergangenheit ließen ihn nicht los. Er starb 2011 im Alter von 59 Jahren, der bis zu seinem Lebensende sein Kindheitstrauma nicht überwinden konnte und im Gegensatz zu Genie keinerlei psychologische Betreuung erhalten hat. Genie bleibt eine traurige Erinnerung an das, was aus der Liebe und dem Verständnis eines Kindes gemacht werden kann, wenn es von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Letztendlich zeigt die Geschichte von Genie Wiley nicht nur die dunklen Seiten menschlichen Verhaltens, sondern wirft auch Fragen zu Ethik und Verantwortung in der Wissenschaft auf. Es ist eine eindringliche Mahnung, dass hinter jedem Fall von Misshandlung ein menschliches Wesen steht, das das Recht auf Schutz und eine Chance auf ein normales Leben hat. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotoimpressionen von Crescent City in Kalifornien und einen schönen ersten Weihnachtsfeiertag mit viel Liebe, gutem Essen und schönen Momenten. 🙂
The wolf child Genie Wiley: A childhood in complete isolation
A particularly shocking case of neglect and abuse was that of Genie Wiley, a so-called wolf child who grew up completely isolated from the outside world until she was 13 years old. To this day, this case is considered one of the most cruel cases of child abuse in modern history. It was only by chance that Genie’s years of torment were discovered. But that was by no means the end of Genie’s suffering, as her development made her a prime subject for research. Genie presented a puzzle that researchers tried to solve – sometimes going beyond the limits of ethical standards. It all began in November 1970, when a woman accidentally stumbled into the wrong building with her young child, triggering an unprecedented chain of events. What followed was the discovery of one of the worst cases of neglect and abuse investigators had ever seen. On November 4, 1970, a middle-aged woman wandered through the hallways of a building in Temple City with her young child. Fifty-year-old Irene Wiley, who looked 10 years older, had fled her abusive husband Clark to apply for disability benefits for the blind. Irene Wiley not only had cataracts in one eye, but also severe neurological damage that had left her almost blind. However, due to her poor eyesight, Irene had confused the buildings, which ultimately led her to the social welfare office with her daughter Susan. Her aimless wandering caught the attention of a social worker, who approached Irene and her daughter Susan. When she learned that Susan was not six years old, but already 13, weighed only 26 kilograms, and appeared severely neglected, she informed her supervisor. The two social workers quickly learned that the severity of Genie’s condition indicated more than just physical abuse. This led to contact with the police, who then arrested Susan’s parents and placed the child in the care of the court. Susan was taken to UCLA Children’s Hospital, where she was given the name Genie. This was derived from the genie in the bottle, as it only enters human society after childhood. Just like Genie, who had no human childhood, having grown up in isolation and outside of human society, losing basic social and language skills in the process. Susan M. Wiley, later known as Genie, was born on April 18, 1957, in Arcadia, California, the youngest of four children of Clark and Irene Wiley. Her childhood was marked by neglect. Early on, her father Clark began to isolate her from the outside world and suppress her bond with her family. Genie, who suffered from hip dysplasia, had to overcome a number of challenges in early childhood. Her father was convinced that she was mentally retarded and forbade any contact between her and her mother Irene and her brother John. The brutal treatment she received could not have been worse – she was trapped in a tiny room that served as her “home” but was more like a cage. Clark Gray Wiley was born in Oregon in 1901, the son of Judson and Pearl Wiley. Clark’s mother was a brothel owner who, after the death of his father Judson, who was struck by lightning, placed Clark in an orphanage. During World War II, Clark worked as an aircraft mechanic, where he met Irene Oglesby, whom he married in 1944. The newlyweds settled in California, and Clark reconnected with his mother, whom he greatly admired despite her giving him up to the orphanage. Irene had suffered a serious accident in her youth, which led to head injuries and an irreparable vision problem. Clark was a tyrant who constantly beat his wife and made no secret of his dislike of children. Despite Clark’s hatred of children, Irene became pregnant four times. However, two children died mysteriously shortly after birth, leaving only their son John, born in 1952, and Susan, born in 1957, to survive. After the death of Clark’s mother Pearl, who was run over by a pickup truck in the presence of her 6-year-old grandson John, who had been living with her since he was four, his violence intensified and Genie’s physical and emotional isolation reached unimaginable levels. Clark quit his job so he could keep a close eye on his family and moved them into his mom’s small two-bedroom house. While Clark lived in the living room with John and Irene, Genie was kept in a dark room where she was tied up and abused. The neighbors didn’t know she existed, and her only connection to the world was the darkness of the room she was trapped in. During the day, Genie was tied to a commode chair, while at night she was kept in a kind of cage with a straitjacket. Genie had no toys, no books, and was never sent to school. John or Irene quickly stuffed food into Genie’s mouth, which she often vomited because she couldn’t swallow fast enough. Genie eked out an existence. She was completely isolated. Clark, who usually sat in the living room with his shotgun when he wasn’t beating his family, had hoped that Genie would die by the age of 12. But Genie persevered. Clark had once promised Irene that she could get help when Genie turned 12, but he did not keep his promise. After her rescue, Clark committed suicide by shooting himself with his revolver in the house. Irene, on the other hand, was acquitted because she was the victim of Clark’s controlling behavior and violence. After her liberation, Genie began a new life at UCLA Children’s Hospital under the care of psychologists and linguists. The opening up of her world presented a unique opportunity, but also an ethical challenge. Researchers were both fascinated and concerned about the impact of her isolation on Genie’s developmental abilities. The public reacted with shock to Genie’s story. A photo of her attracted nationwide attention, showing the frightened girl with wide eyes who could not speak or walk properly. The case felt like a window into another world that many considered unimaginable. Genie’s progress was remarkable, but also often frustrating. Although she showed some development, her extreme isolation limited her linguistic abilities. By January 1971, Genie had a vocabulary of 15 to 20 words and could say two sentences. These were “Stop it!” and “No more!” Experts suspected that she had missed crucial stages of language development and that many areas of her brain responsible for language had not been stimulated. The controversy surrounding Genie’s case led to discussions about the ethical limits of research on vulnerable individuals. Genie’s case was considered by many to be a kind of “forbidden experiment” in which the conditions of her isolation corresponded to the theoretical intention of understanding the effects of social isolation on human development. Despite all the hope and effort, Genie was ultimately not cared for in the necessary way. After the research funds ran out in 1975, Genie returned to her mother at the age of 18. But her mother was completely overwhelmed with Genie’s upbringing, so she placed Genie in a foster family. However, this family turned out to be strict and abusive, which led to a regression in her development. After various foster families, Genie was placed in a private state institution, where she still lives today. Genie’s mother Irene died in 2003. Her brother John tried to lead a normal life after Genie’s rescue. He married and had a daughter. But the shadows of the past haunted him. He died in 2011 at the age of 59, unable to overcome his childhood trauma and, unlike Genie, without receiving any psychological care. Genie remains a sad reminder of what can be done to a child’s love and understanding when they are excluded from society. Ultimately, the story of Genie Wiley not only shows the dark side of human behavior, but also raises questions about ethics and responsibility in science. It is a powerful reminder that behind every case of abuse there is a human being who has the right to protection and a chance at a normal life. I hope you enjoy my photo impressions of Crescent City in California and wish you a wonderful Christmas Day filled with love, good food, and beautiful moments. 🙂

