Am 26. April 1980 verschwand die damals 14-jährige Laureen Ann Rahn aus ihrem Zuhause in Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire unter mysteriösen Umständen. Fast 44 Jahre später bleibt ihr Schicksal ungeklärt, und der Fall wirft Fragen auf, die bis heute nach Antworten suchen. Lauren Ann Rahn erblickte am am 3. April 1966 in Manchester das Licht der Welt. Als Lauren noch ein Baby war, ließen sich ihre Eltern scheiden, weshalb Lauren überwiegend bei ihrer Mutter Judith Rahn aufwuchs. Die beiden zogen zuchst nach Miami, kehrten aber sechs Jahre später zurück nach Manchester und wohnten schließlich in einer Wohnung in der Merrimack Street. Laureen war eine extrovertierte Teenagerin, die eine gute Schülerin an der Parkside Junior High School war. In ihrer Freizeit tanzte und sang Lauren gern, deren großer Lebenstraum eine Schauspielkarriere war. Doch neben diesen positiven Eigenschaften gab es auch eine dunklere Seite, da Lauren nach dem Sinn des Lebens suchte, weshalb sie oft viel Zeit alleine auf den Straßen verbrachte. Dort machte sie auch ihre erste Erfahrungen mit Marihuana und Alkohol und sprach gelegentlich davon, wegzulaufen. Ihre Tante Diane Pinault bezeichnete sie sogar als Engel, der leider den falschen Umgang pflegte. Am 26. April, einem Samstag während der Frühjahrsferien, entschied Laureen, alleine in der Wohnung zu bleiben, während ihre Mutter Judith tagsüber außer Haus war, um ein Tennismatch ihres Freundes zu besuchen. Normalerweise begleitete Laureen ihre Mutter zu solchen Spielen, doch diesmal wollte sie zuhause bleiben. Über den Tag hinweg bewegte sie sich in der Nachbarschaft und besuchte einen nahegelegenen Convenience Store, wo sie im Gegenzug für Alkohol aushalf. Mehrere Familienmitglieder kamen tagsüber in die Wohnung, um nach ihr zu sehen. Am Abend lud Laureen eine Freundin und einen Freund ein, um gemeinsam abzuhängen. Sie konsumierten 6 Flaschen Bier und eine Flasche Wein. Gegen 0:30 Uhr, in den frühen Morgenstunden des 27. April, saß Laureen zusammen mit ihrem männlichen Freund im Wohnzimmer, als sie Stimmen im Treppenhaus hörten. Der Junge verließ daraufhin heimlich die Wohnung durch einen Hintereingang, in dem Glauben, die Mutter käme zurück und sie könnten Ärger bekommen. Er behauptete später, er habe gehört, wie Laureen die Tür hinter ihm abschloss. Gegen 1:15 Uhr morgens kam Judith mit ihrem Freund zurück nach Hause und stellte fest, dass sämtliche Glühbirnen in den Fluren der dreistöckigen Mietwohnung entfernt worden waren. Das komplette Treppenhaus lag in Dunkelheit. An der Wohnungstür angekommen, fand sie diese nicht verschlossen vor. Im Inneren glaubte sie zunächst, ihre Tochter schlafe in ihrem Bett. Doch als sie näher trat, stellte sie fest, dass in Laureens Bett nur die weibliche Freundin lag, die angab, Laureen sei auf dem Sofa eingeschlafen. Später sagte das Mädchen aus, dass sie so betrunken gewesen war, dass sie sich an kaum etwas erinnern könne. In der Wohnung gab es keine Spur eines Kampfes oder Einbruches. Laureens Geldbeutel und ihre neuen Sneakers, ein Geburtstagsgeschenk, lagen unberührt im Wohnzimmer. Judith begann sofort, Angehörige zu kontaktieren, um herauszufinden, ob Laureen bei ihnen sei. Anschließend durchkämmte sie gemeinsam mit ihrem Freund die Nachbarschaft. Gegen 3:45 Uhr meldete sie das Verschwinden ihrer Tochter schließlich der Polizei. In den ersten Wochen gingen die Ermittler davon aus, dass Laureen weggelaufen sei; dies war eine naheliegende Annahme angesichts ihres problematischen Verhaltens. Doch als Wochen ins Land zogen und kein Lebenszeichen von ihr kam, musste die Theorie angepasst werden. Man vermutete nun, dass sie die Wohnung verlassen habe, um kurz darauf zurückzukehren, doch dann wohl etwas Schreckliches geschehen sein musste. Interessanterweise behauptete ein Busfahrer an dem Tag ein Ticket an ein Mädchen verkauft zu haben, das Laureen ähnelte. Der Fahrer identifizierte sie zunächst von einem alten Foto als Passagierin, blieb jedoch bei einer neuerlichen Befragung skeptisch. Entscheidende Hinweise blieben aus. Im Oktober 1980 erhielt Judith Rahn überraschend Telefonrechnungen für drei Anrufe aus Motels in Santa Monica und Santa Ana im US-Bundesstaat Kalifornien. Laureen hatte nie Verbindungen dorthin, und niemand in der Familie war dort ansässig. Besonders brisant: Einer der Motels war verdächtigt, als Umschlagplatz für Kinderpornografie zu dienen. Karole Jensen von der Organisation Wings for Children, folgte der Spur und erfuhr, dass eine Hotline in Kalifornien angerufen worden war – eine sogenannte „Teen Sexual Assistance“-Hotline. Der Arzt, der diese leitete, leugnete zunächst jegliche Verbindung, änderte aber fünf Jahre später seine Aussage und gab zu, dass bei ihm mehrfach junge Frauen und Jugendliche auftauchten, darunter möglicherweise auch Laureen. Konsistent berichtete Judith auch von wiederholten, unheimlichen Telefonanrufen, meist gegen 3:45 Uhr morgens, bei denen niemand sprach. Diese mysteriösen Anrufe häuften sich insbesondere an Weihnachten und setzten sich über Jahre hinweg fort, bis Judith schließlich ihre Telefonnummer wechselte. Nur einen Monat vor Laureens Verschwinden wurde die 15-jährige Rachael Garden aus Newton vermisst. Sie war ähnlich alt, von dunklen Haaren und verschwand ebenfalls spurlos nach Besorgungen. Obwohl die Polizei die Fälle offiziell nicht miteinander verbindet, sind Parallelen auffällig. Vier Jahre später, 1984, verschwand die ebenfalls 15-jährige Shirley McBride in Concord auf rätselhafte Weise. Auch sie wurde nie aufgefunden und gilt seit 1996 rechtlich als tot. Ein weiterer Fall von Bedeutung ist der der 25-jährigen Denise Daneault aus Manchester, die sechs Wochen nach Laureens Verschwinden aus einer Bar verschwand. Jahrzehnte später rückte der Serienmörder Terry Peder Rasmussen, bekannt unter dem Alias „Bob Evans“, in den Fokus der Ermittler. Rasmussen, der in der Nähe von Laureens Wohnung lebte, wurde mit mehreren mysteriösen Fällen in Verbindung gebracht – darunter weitere Vermisstenfälle und die berüchtigten Bear Brook-Morde. Elizabeth Lamotte, eine 17-Jährige, die 1984 ebenfalls in Manchester verschwunden war, gehörte mit ihrem gewaltsamen Tod zur grausamen Liste der Opfer, die möglicherweise mit Rasmussen in Zusammenhang standen. Karole Jensen setzte sich intensiv mit dem Fall auseinander. Bei einem Besuch in Kalifornien suchte sie die fragwürdigen Motels auf und stieß auf Informationen, die mögliche Verbindungen zu Kinderpornografie nahelegten, jedoch ohne direkte Beweise für Laureens Verbleib. Außerdem erhielt Roger Maurais, ein Jugendfreund Laureens, 1986 einen mysteriösen Anruf von einer Frau, die sich als „Laurie“ oder „Laureen“ vorstellte, was der Familie neue Hoffnung gab. Auch unbestätigte Sichtungen in Boston und sogar aus weit entfernt wie Alaska trieben Spekulationen voran, blieben aber unverifiziert. Judith Rahn zog später erneut um und heiratete wieder. Sie wechselte den Wohnort nach Florida. Judith hält es für möglich, dass ihre Tochter die mysteriösen Anrufe in Kalifornien selbst getätigt haben könnte. Der männliche Freund, der in der Nacht von Laureens Verschwindens in der Wohnung war, nahm sich 1985 das Leben. Obwohl die Polizei ihn nie verdächtigte, wirft dieser Umstand Fragen auf. Ermittler halten das Szenario eines Verbrechens für wahrscheinlich, da die Umstände des Verschwindens ungewöhnlich und rätselhaft bleiben. Laureen Ann Rahns Verschwinden bleibt eines der rätselhaftesten, tragischsten Vermisstenfälle in New Hampshire. Trotz zahlreicher Ermittlungen, neuer Erkenntnisse und möglicher Verbindungen zu anderen Fällen blieb die Wahrheit im Dunkeln. Die mysteriösen Anrufe aus der Ferne, die dunkle Hallen im Mehrfamilienhaus jener Nacht, rätselhafte Verbindungen zu Serienmördern und die wiederholten, stillen Telefonate zeichnen das Bild eines komplexen Verbrechens oder einer tragischen Flucht, die bis heute nicht vollständig gedeutet werden kann. Die Ermittlungen dauern an, die Hoffnung auf Antworten lebt weiter und die Geschichte von Laureen Rahn mahnt, wie wichtig es ist, vermisste Personen nicht zu vergessen – und Verbrechen nicht ruhen zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude mit meinen Fotos von New Hampshires Hauptstadt Concord. 🙂
Das Rätsel um das Verschwinden von Laureen Ann Rahn: Ein dunkler Schatten über Manchester

