In den Straßen des beschaulichen Vitoria, einer Stadt im spanischen Baskenland, prägte die Angst zwischen 1870 und 1879 das Leben vieler Bewohner. Der Grund dafür war Juan Díaz de Garayo y Ruiz de Argandoña, besser bekannt als „El Sacamantecas“. Unter diesem Namen verbarg sich einer der grausamsten Serienmörder Spaniens, dessen Taten nicht nur durch ihre Brutalität, sondern auch durch ihre erschreckende Zielgerichtetheit das Land erschütterten. Doch wer war dieser Mann, und wie konnte er jahrelang unentdeckt seinem mörderischen Drang folgen? Juan Díaz de Garayo wurde am 17. Oktober 1821 in Eguilaz, einem kleinen Dorf nahe Salvatierra, geboren. Als neuntes Kind einer Bauernfamilie wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Von klein auf musste er hart arbeiten, damit seine Familie über die Runden kam. Denn Garayos Vater war Alkoholiker, der kaum etwas zum Lebensunterhalt der Familie beitragen konnte. Garayo verbrachte seine Jugend als Schäfer, Landarbeiter und gelegentlich als Kohlebrenner, der keine Schule besuchte und Analphabet war. Trotz seiner simplen und bodenständigen Herkunft sowie seiner Arbeitsamkeit geriet er bereits früh in den Sog einer inneren Dunkelheit. Viermal heiratete Garayo im Laufe seines Lebens, doch keine dieser Ehen blieb von Konflikten verschont. Seine erste Ehe ging er mit der einer Witwe namens Zurrumbona ein, für die er zuvor als Diener im Haus tätig war. Die Ehe lief harmonisch und innerhalb von 13 Jahren bekam das Ehepaar 5 Kinder. Doch nach dem Tod seiner ersten Ehefrau 1963 schien Garayo mit der Erziehung der Kinder, dem Haushalt und der Rolle als Versorger überfordert, weshalb er 1964 Juana Salazar heiratete, die sich jedoch nicht mit seinen Kindern verstand. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten, bis diese an einer Pockenerkrankung starb. Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau offenbarte sich sein wahres Gesicht, als er 1870 seine erste Gewalttat verübte. Die Opfer von Garayo waren überwiegend Frauen, oft Prostituierte oder alleinstehende Personen, die er außerhalb der Stadt angriff. Sein erster Mord ereignete sich am 2. April 1870, als eine Prostituierte nach einem Streit über die Bezahlung von ihm brutal erwürgt und anschließend im Wasser ertränkt wurde. Die Tat schockierte die Gesellschaft von Vitoria zutiefst, und dennoch blieb der Täter unentdeckt. Im folgenden Jahr, am 12. März 1871, fand ein weiterer Mord an einer Bettlerin statt. Diesmal bot Garayo der Frau zuvor Geld für Essen an und lockte sie dann außerhalb der Stadt in eine Falle. Auch bei diesem Verbrechen war die Methode ähnlich: Er strangulierte die Frau, wobei die Polizei erneut keine Spur zum Täter fand. Einen besonderen Schrecken löste Garayos dritte Tat aus: Am 21. August 1872 ermordete er ein erst 13-jähriges Mädchen, das er zunächst überwältigte und vergewaltigte, bevor er es schließlich tötete. Diese Tat war ein Wendepunkt in seiner Mordserie, da sie klar machte, dass Garayo nicht nur gezielt Prostituierte ins Visier nahm, sondern auch andere Opfer willkürlich auswählte. Die Bevölkerung von Vitoria geriet in Panik, als sich die Morde häuften. Frauen gingen nicht mehr alleine auf die Straßen, und selbst tagsüber wirkten die einst lebhaften Dörfer wie ausgestorben. Vor allem die Unfähigkeit der Ermittler, den Täter zu fassen, verstärkte die Sorge. Zwischen 1870 und 1874 begingen mehrere Nachahmer ähnliche Verbrechen, die oft noch brutaler und grausamer waren. Einer dieser Fälle betraf den Mord an einer älteren Frau im Jahr 1878, bei dem der Täter sie enthauptete und schwer verstümmelte. Auch wenn diese Verbrechen nicht direkt mit Garayo in Verbindung standen, verdeutlichten sie, dass seine Taten einen dunklen Schatten über die Region warfen. Garayo selbst ließ seine Aktivitäten zwischen 1874 und 1878 ruhen, möglicherweise, um den steigenden Druck durch die Ermittlungen zu entgehen. Doch seiner Neigung konnte er nicht entkommen: nach ein paar Mordversuchen am 1. November 1878 und am 25. August 1879, tötete er am 17. September 1879 die 25 Jahre alte Maria Dolores Cortázar. Nur einen Tag später erwürgte er eine 52 Jahre alte Bäuerin. Dieser Mord zeichnete sich durch besondere Grausamkeit aus, da er ihr den Bauch aufschlitzte, Darm und Nieren entfernte. Er weidete die Frau aus, was ihm den Namen El Sacamantecas einbrachte. Diese letzte Mordserie führte schließlich zu seinem Niedergang. Nach den letzten brutalen Morden verstärkten die Ermittler ihre Bemühungen, den Täter zu fassen. Richter José Antonio de Parada leitete eine umfassende Untersuchung, die durch Zeugenaussagen und detaillierte Beobachtungen erstmals eine Verbindung zu Garayo herstellen konnte. Ein entscheidender Hinweis kam von einem Postbediensteten, der ihn in der Nähe eines der Tatorte gesehen hatte. Mit diesen Informationen konnte die Guardia Civil Garayo schließlich aufspüren. Am 21. September 1879 wurde er festgenommen und ins örtliche Gefängnis gebracht. Zunächst leugnete er alle Vorwürfe, bis ihm der Gefängniswärter überzeugte, dass ein Geständnis göttliche Vergebung bringen könnte. Daraufhin gestand Garayo nicht nur die letzten beiden Morde, sondern auch die früheren Verbrechen und versuchte sogar, seine Motive zu erklären. Seine Aussagen offenbarten tief sitzende sexuelle Triebe und eine unkontrollierbare Gewaltbereitschaft, die ihn zu einer der berüchtigtsten Figuren Spaniens machten. Am 11. November 1879 wurde Garayo infolge seiner Geständnisse zum Tode verurteilt. Ein Versuch seiner Verteidigung, ihn als psychisch krank darzustellen, scheiterte, nachdem mehrere medizinische Gutachten ihn als geistig gesund bezeichneten. Nur wenige Monate später, am 11. Mai 1881, wurde Garayo in Vitoria durch den berüchtigten Garotte hingerichtet – ein Gerät, das durch das Zusammendrücken des Halses den Tod herbeiführte. Sein Körper wurde danach öffentlich ausgestellt, um der Bevölkerung das Ende des „Sacamantecas“ zu zeigen. Obwohl Garayo nie die Körperfette seiner Opfer extrahierte, wie es die Legenden besagten, wurde er schnell unter dem Titel „El Sacamantecas“ bekannt. Dieser Name stammt ursprünglich aus spanischen Märchen, in denen wandernde Händler Menschen entführten, um deren Fett für medizinische Zwecke oder magische Rituale zu verwenden. Durch die Verbindung von Garayos Taten mit dieser Geschichte wurde er zur „realen“ Verkörperung dieser düsteren Figur, obwohl das Ursprungsbild des „Sacamantecas“ bereits vor seinem Auftauchen existierte. Diese Verbindung zwischen Realität und Mythos zeigt, wie Verbrechen tief im kulturellen Gedächtnis verankert bleiben können. Juan Díaz de Garayo ist bis heute ein Synonym für unvorstellbare Grausamkeit, während seine Geschichte die Frage nach der Verbindung zwischen sozialen Umständen und persönlichem Wahnsinn aufwirft. Die Mordserie von Juan Díaz de Garayo war nicht nur eine Tragödie für die direkt Betroffenen, sondern auch ein Spiegelbild der Ängste und Unsicherheiten einer Gesellschaft, die mit einem unvorstellbaren Bösen konfrontiert wurde. Trotz seiner Herkunft und seiner scheinbar alltäglichen Existenz offenbarte sich Garayo als ein Mann mit einer dunklen und unbeherrschbaren Seite – ein Serienmörder, dessen Taten Spanien erschütterten und dessen Schatten bis heute spürbar ist. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Madrid. 🙂
Juan Díaz de Garayo: El Sacamantecas, der Ausweider

