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Australiens grausame Moorhouse-Morde

Innerhalb von nur fünf Wochen entführten David und Catherine Birnie fünf junge Frauen in Perth. Vier von ihnen wurden schwer misshandelt und ermordet. Der fünften, Kate Moir, gelang die Flucht – und damit fand einer der erschütterndsten Serienmordfälle in der australischen Kriminalgeschichte ein Ende. Als Kate Moir am Morgen des 10. November 1986 aus einem Haus in der Moorhouse Street im Vorort Willagee floh, hatte sie kaum Grund zu der Annahme, dass ihr jemand sofort Glauben schenken würde. Die 17-Jährige war am Abend zuvor von einem Ehepaar mitgenommen worden. Sie berichtete, dass sie gefangen gehalten, bedroht und vergewaltigt worden sei. Nach ihrer Flucht suchte sie verzweifelt und halbnackt Hilfe bei Anwohnern und gelangte schließlich zu einem nahegelegenen Geschäft. Ihre Aussage führte die Polizei zu einem unscheinbaren Haus in der Moorhouse Street 3. Was die Ermittler dort und bei den anschließenden Verhören entdeckten, offenbarte das Ausmaß einer Verbrechensserie, die Westaustralien bis ins Mark erschütterte: David John Birnie und Catherine Margaret Birnie hatten innerhalb weniger Wochen vier Frauen getötet. Die Presse prägte den Begriff „Moorhouse-Morde“, um diese Ereignisse zu beschreiben. Bis heute gelten die Verbrechen als Beispiel dafür, wie schnell sich Gewaltspiralen entwickeln können, wenn zwei Täter das destruktive Verhalten des anderen gegenseitig verstärken. Gleichzeitig steht die Geschichte der Überlebenden, Kate Moir, im Mittelpunkt: Ihr Mut, ihre präzise Erinnerung an die Ereignisse und ihre Flucht haben möglicherweise weitere Verbrechen verhindert. Doch wer war dieses Killerpaar, das Jagd auf junge Frauen machte, um diese zu quälen und dann zu töten? David John Birnie wurde am 16. Februar 1951 in Perth geboren und wuchs als Ältester von fünf Kindern auf. Berichten über seine Kindheit zufolge galt sein Elternhaus als instabil. Ehemalige Bekannte beschrieben ein Umfeld, das angeblich von Konflikten, Alkoholproblemen und Vernachlässigung geprägt war. Solche Hintergründe erklären zwar keine späteren Verbrechen – aber sie können Aufschluss über die sozialen Bedingungen geben, unter denen sich problematisches Verhalten entwickelte. Schon als Teenager geriet David Birnie wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Im Alter von 15 Jahren brach er die Schule ab und begann eine Ausbildung zum Jockey auf der Rennbahn von Ascot. Während dieser Zeit wurde er unter anderem beschuldigt, Pferde misshandelt und exhibitionistisches Verhalten an den Tag gelegt zu haben. Im Zusammenhang mit seiner frühen Lebensphase kam auch ein versuchter sexueller Übergriff auf eine ältere Frau ans Licht. Birnie verbüßte später mehrere Haftstrafen wegen verschiedener Delikte. Catherine Margaret Harrison, später Catherine Birnie, wurde am 23. Mai 1951 geboren. Ihre Mutter starb, als Catherine noch ein Kleinkind war; sie wuchs zunächst bei ihren Großeltern mütterlicherseits auf. Nach einem Sorgerechtsstreit kehrte sie im Alter von zehn Jahren zu ihrem Vater zurück. Sie hatte David Birnie kennengelernt, als sie noch ein Kind war. Eine Beziehung begann, als sie etwa 14 Jahre alt war. Ihr Vater soll wiederholt versucht haben, sie von David Birnie fernzuhalten. Durch diese Beziehung kam Catherine schon in jungen Jahren mit der Polizei und dem Jugendstrafrecht in Berührung. Später heiratete sie Donald McLaughlin, bekam mit ihm sieben Kinder und führte viele Jahre lang ein normales Familienleben. Im Jahr 1985 verließ sie jedoch ihren Mann und ihre Kinder und nahm ihre Beziehung zu David Birnie wieder auf. Das Paar heiratete nicht offiziell, doch Catherine nahm durch eine gesetzliche Namensänderung seinen Nachnamen an. 1986 lebte das Paar in einem Reihenhaus in Willagee. David Birnie arbeitete zu dieser Zeit in einem Autorecyclingbetrieb. Nach außen hin schien die Adresse 3 Moorhouse Street ein gewöhnliches Wohnhaus in einem Vorort von Perth zu sein. Hinter dieser Fassade begann im Oktober eine Serie von Entführungen, sexuellen Übergriffen und Morden. Das erste Opfer war die 22-jährige Mary Neilson. Sie studierte Psychologie an der University of Western Australia und arbeitete in Teilzeit in einem Feinkostgeschäft. Neilson hatte David Birnie über seinen Arbeitsplatz kennengelernt. Er hatte ihr angeboten, ihr günstige Reifen für ihr Auto zu besorgen, und ihr seine Telefonnummer gegeben. Am 6. Oktober 1986 begab sich Mary Neilson zu dem Haus in der Moorhouse Street. Dort wurde sie überwältigt, gefesselt und von David vor den Augen seiner Ehefrau Catherine sexuell missbraucht. Die Birnies brachten sie anschließend in eine abgelegene Gegend in der Nähe von Gleneagle in Bedfordale, südöstlich von Perth. Dort wurde sie erwürgt und in einem flachen Grab verscharrt. Mary Neilsons Tod wurde zunächst nicht als Teil eines öffentlich bekannten Serienmordfalls erkannt. Ihre Angehörigen wussten nicht, dass ihr Verschwinden mit einem Verbrechen in Verbindung stand, das bald weitere Opfer fordern würde. Späteren Berichten zufolge hätte Neilson im folgenden Jahr ihr Psychologiestudium abschließen sollen. Etwa zwei Wochen später wurde die 15-jährige Schülerin Susannah Candy als vermisst gemeldet. Sie trampte in Claremont per Anhalter, als sie von den Birnies mitgenommen wurde. Die Jugendliche wurde bedroht und im Auto gefesselt. Die Täter zwangen sie später, Nachrichten an ihre Familie zu schreiben, um den Eindruck zu erwecken, es gehe ihr gut. Anschließend brachten sie Susannah Candy zu ihrem Zuhause in Willagee. Wie Mary Neilson wurde sie dort gefangen gehalten und misshandelt. Candy wurde später in die Gegend von Gleneagle gebracht, wo sie starb. Insbesondere Catherines Rolle war während der Ermittlungen und vor Gericht von zentraler Bedeutung. Sie gab später zu, Susannah Candy selbst getötet zu haben. Diese Tat widerlegte jede Vermutung, Catherine sei lediglich eine passive Beobachterin gewesen oder ausschließlich von David Birnie kontrolliert worden. Das Gericht stufte ihre Beteiligung dementsprechend als aktive Beihilfe ein. Susannah Candy wurde in der Nähe von Mary Neilsons Grab beigesetzt. Für die Familien der Opfer bedeutete dies den Beginn einer Zeit quälender Ungewissheit, die erst mit der Festnahme der Täter und der Entdeckung der Gräber ein Ende fand. Am 1. November 1986 fiel die 31-jährige Noelene Patterson den Birnies in die Hände. Patterson arbeitete als Barmanagerin im Nedlands Golf Club und war auf dem Weg nach Hause, als ihr Auto auf dem Canning Highway eine Panne hatte. Ihr war das Benzin ausgegangen. Die Birnies hielten an und nahmen Patterson mit. Auch sie wurde in die Moorhouse Street gebracht. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Opfern blieb Noelene Patterson mehrere Tage lang in dem Haus gefangen. Spätere Berichte deuteten darauf hin, dass David Birnie ein persönliches oder emotionales Interesse an ihr entwickelt hatte. Diesen Berichten zufolge reagierte Catherine Birnie eifersüchtig. Noelene Patterson wurde schließlich durch eine Überdosis Schlaftabletten ruhig gestellt und anschließend erwürgt. Auch ihre Leiche wurde nach Gleneagle gebracht, jedoch getrennt von den Gräbern der ersten beiden Frauen beigesetzt. Der Fall Patterson offenbarte eine weitere Dimension der Verbrechen: Die Täter handelten nicht ausschließlich aus einem Impuls heraus. Sie hielten ihr Opfer tagelang gefangen, schränkten ihre Bewegungsfreiheit ein und entschieden wiederholt über ihr Schicksal. Dieser lange Zeitraum verstärkte das Ausmaß ihres Leidens und unterstrich den vorsätzlichen Charakter der Verbrechen. Nur wenige Tage nach der Entführung von Noelene Patterson schlugen die Birnies erneut zu. Am 5. November 1986 entführten sie die 21-jährige Denise Brown an einer Bushaltestelle am Stirling Highway. Auch sie wurde mit einem Messer bedroht und in das Haus in Willagee gebracht. Am folgenden Tag brachten die Täter Brown in ein abgelegenes Kiefernwaldgebiet in der Nähe von Wanneroo, nördlich von Perth. Dort wurde sie getötet. Aus den Ermittlungsakten und Berichten zu dem Verbrechen geht hervor, dass die Täter zunächst davon ausgingen, Brown sei bereits tot. Als sie jedoch noch Lebenszeichen zeigte, setzten sie die Gewalt fort. Anschließend wurde sie in einem flachen Grab verscharrt. Die Abfolge der Verbrechen innerhalb von nur einem Monat zeigte später, wie rasch die Hemmschwelle der Täter weiter sank. Die Auswahl der Opfer beschränkte sich offenbar nicht auf einen engen persönlichen Kreis. Die Frauen befanden sich in alltäglichen Situationen: auf dem Heimweg, an einer Bushaltestelle, mit einer Autopanne oder beim Trampen. Gerade diese Alltäglichkeit machte die Fälle für die Bevölkerung von Perth besonders beunruhigend. Am 9. November 1986 stieg die 17-jährige Kate Moir in das Auto der Birnies ein. Sie wurde mit einem Messer bedroht und in die Moorhouse Street gebracht. Dort zwangen die Täter sie unter anderem dazu, ihre Mutter anzurufen. Moir gab vor, sie habe zu viel getrunken und würde bei einer Freundin übernachten. Ihre Wortwahl war bewusst gewählt: Sie hoffte, dass ihre Mutter misstrauisch werden würde, da sie normalerweise keinen Alkohol trank. Moir wurde in dem Haus gefangen gehalten. David Birnie soll sie sogar an sich gefesselt haben, während sie in einem Bett lag. Dass sie fliehen konnte, war einem Fehler zu verdanken: Als Catherine Birnie am nächsten Tag zur Haustür ging, um einen Drogendeal abzuwickeln, war Moir offenbar nicht wieder gefesselt worden. Die Jugendliche schlug ein Fenster ein und kletterte hinaus. Beim Aufprall auf den Boden verletzte sie sich am Kopf. Sie versuchte, Hilfe von Nachbarn zu holen, kletterte schließlich über einen Zaun und wurde dabei von einem Hund angegriffen. Dennoch gab sie nicht auf. Sie rannte in ein Staubsauger-Geschäft und erzählte dem Besitzer, dass sie vergewaltigt worden sei. Ihre Aussage bei der Polizei war detailliert. Sie konnte die Adresse, die Telefonnummer und zahlreiche Erkennungsmerkmale des Hauses angeben. Obwohl einige Beamte angeblich zunächst skeptisch waren, nahm Polizeibeamtin Laura Hancock Moirs Schilderung ernst. Moir hatte zudem eine Zeichnung im Haus versteckt und konnte berichten, dass die Täter den Film *Rocky* auf Video angesehen hatten. Die Polizei fand sowohl die Zeichnung als auch die Videokassette. Diese Details machten ihre Schilderung überprüfbar. Kurz darauf wurden David und Catherine Birnie festgenommen. Bei den Verhören versuchten beide zunächst, unterschiedliche Darstellungen ihrer Beteiligung abzugeben. Catherine Birnie behauptete zunächst, Kate Moir nie getroffen zu haben. David Birnie hingegen gab an, Moir sei aus eigenem Antrieb zu ihm gekommen und der sexuelle Kontakt sei einvernehmlich gewesen. Die Beweislage und Moirs Aussage widersprachen diesen Behauptungen. Der Ermittler Vince Katich erlangte schließlich ein Geständnis von David Birnie. Er führte die Polizei zu den Orten, an denen die Opfer begraben worden waren. Die Entdeckung der Gräber bestätigte, dass es sich nicht um ein Einzelfallverbrechen handelte, sondern um eine Mordserie. Beide Täter bekannten sich schuldig oder wurden wegen der Morde an Mary Neilson, Susannah Candy, Noelene Patterson und Denise Brown verurteilt. David Birnie bekannte sich in vier Fällen des Mordes sowie der Entführung und Vergewaltigung schuldig. Auch Catherine Birnie wurde zu vier lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt, nachdem sie für verhandlungsfähig befunden worden war. Nach dem damaligen Recht in Westaustralien war es grundsätzlich möglich, nach 20 Jahren Bewährung zu beantragen. David Birnie wurde zunächst im Hochsicherheitstrakt des Fremantle-Gefängnisses untergebracht und später in andere Gefängnisse verlegt. Aufgrund seiner Bekanntheit und der von anderen Insassen ausgehenden Gefahr wurde er zeitweise in Einzelhaft untergebracht. Berichten zufolge tauschten David und Catherine Birnie während ihrer Haftzeit mehr als 2.600 Briefe aus, obwohl ihnen jeglicher persönlicher Kontakt untersagt war. Am 7. Oktober 2005 wurde David Birnie tot in seiner Zelle im Casuarina-Gefängnis aufgefunden. Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass er sich das Leben genommen hatte. Er war 54 Jahre alt. Catherine Birnie blieb in Haft, unter anderem im Bandyup-Frauengefängnis. Mehrere Versuche, ihre Freilassung auf Bewährung zu erwirken, blieben erfolglos. Im Jahr 2009 wurde entschieden, dass sie lebenslang im Gefängnis bleiben und nicht freigelassen werden sollte. Auch spätere Überprüfungen änderten daran nichts. Der Fall der Moorhouse-Morde ist nicht nur die Geschichte zweier Täter. Vor allem ist es die Geschichte von vier Frauen, deren Leben gewaltsam beendet wurde: Mary Neilson, Susannah Candy, Noelene Patterson und Denise Brown. Ihre Namen stehen für Menschen mit Familien, Freundschaften, Karrieren und Zukunftsplänen. Auch Kate Moir muss im Mittelpunkt jeder Erinnerung an diese Verbrechen stehen. Ihre Flucht war nicht nur ein persönlicher Kampf ums Überleben; sie gab den entscheidenden Anstoß für die Ermittlungen. Ohne ihre Aussage hätte sich die Mordserie durchaus fortsetzen können. Moir setzte sich später öffentlich gegen Regelungen ein, nach denen Straftäter, die lange Haftstrafen verbüßen, in regelmäßigen Abständen automatisch auf Bewährung geprüft werden. Ihre Kampagne wirft eine Frage auf, die über diesen Einzelfall hinausgeht: Wie kann das Justizsystem die Rechte verurteilter Straftäter abwägen, ohne dabei die öffentliche Sicherheit und die Belastung der Familien der Opfer aus den Augen zu verlieren? Die Moorhouse-Morde bleiben ein dunkles Kapitel in der australischen Kriminalgeschichte. Sie verdeutlichen die Folgen sexueller Gewalt, die Bedeutung gründlicher Polizeiarbeit und den Wert einer Überlebenden, deren Aussage ernst genommen wurde. Kate Moirs Flucht beendete die Mordserie. Für die Familien der Getöteten bleibt der Verlust jedoch unwiderruflich. Dir wünsche ich trotz dieser nervenaufreibenden True Crime Story viel Freude mit meinen Fotos von Perth. 🙂

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