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Alfred Packer: Der unberechenbare Colorado-Kannibale

In der wilden, unversöhnlichen Landschaft Colorados im Jahr 1874 bahnte sich eine grausame und erschreckende Geschichte ihren Weg in die Annalen der amerikanischen Geschichte. Diese schockierende Erzählung entfaltete sich durch die Taten eines Mannes namens Alfred Packer, besser bekannt als der „Colorado-Kannibale“. Trotz mangelnder eindeutiger Beweise gilt er als eine der wenigen Personen in der amerikanischen Geschichte, die wegen Kannibalismus verurteilt wurden. Packers Geschichte lässt sich als eine erschütternde Erkundung von Überlebenswillen und moralischer Fragwürdigkeit zusammenfassen. Alfred Griner Packer wurde am 21. Januar 1842 in der kleinen Gemeinde Allegheny im US-Bundesstaat Pennsylvania als Sohn des Ehepaares James Packer und Esther Griner geboren. Bereits früh zeigte sich, dass sein Leben nicht dem konventionellen Pfad folgen würde. Aufgewachsen in einer dysfunktionalen Familie, baute er eine angespannte Beziehung zu seinen Eltern auf, bevor er schließlich in seiner Jugend nach einem Streit mit seinen Eltern nach Minnesota zog, um dort als Schuhmacher zu arbeiten. Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs meldete er sich freiwillig zur Nordstaaten-Armee. Nach 8 Monaten wurde Packer wegen seiner epileptischen Anfälle ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen. Packer trat am 25. Juni 1863 erneut dem Kriegsdienst bei, wurde dieses Mal aber wieder aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme am 22. April 1864 entlassen. Sein Leben war geprägt von einer endlosen Odyssee durch verschiedene Berufe, darunter Jäger, Rancher, Feldarbeiter und während seiner Zeit im Westen als Scout für Siedler. Trotzdem schien ihm das Schicksal nicht hold zu sein. Immer wieder verließ er die Orte, an denen er arbeitete, und hinterließ dabei den Ruf eines Streitsuchers und notorischen Lügners. Der Wendepunkt in Packers Leben kam, als er sich einer Gruppe von zwanzig Männern anschloss, die auf dem Weg in die San Juan Mountains waren, angelockt vom Glanz des Goldes, das dort vermutet wurde. Die Männer waren Erzschürfer, die mit ihrer Ausbeute in den Bingham Canyon nicht zufrieden waren. Als diese von dem Goldvorkommen in Breckenridge erfuhren, beschlossen sie, dort ihr Glück zu versuchen. Doch dafür mussten sie 750 Kilometer zurücklegen. Als sie etwa 40 Kilometer ihrer Wegstrecke gemeistert hatten, begegneten sie in Pravo dem 31 Jahre alten Alfred Packer, der behauptete, ein erfahrener Führer zu sein, damit er die Gruppe begleiten durfte – eine Entscheidung, die tödliche Folgen haben sollte. Die Expedition geriet in ernsthafte Schwierigkeiten, als der Winter Einzug hielt. Die Männer kämpften gegen eisige Kälte, knappe Vorräte und Packers zunehmende Unbeliebtheit unter ihnen. Seine Führungsqualitäten wurden infrage gestellt, als er die Gruppe in die Irre führte und sie in einem verschneiten Gebiet, dem sogenannten Mormonen-Pfad“, strandete. In ihrer Not, da die Fuhrwerke im Schnee feststeckten und sie kaum mehr Vorräte hatten, mussten sie sogar ihre Pferde schlachten. Doch die Rettung nahte als die Gruppe am 21. Januar 1874 das Lager von Häuptling Ouray erreichte, einem angesehenen Häuptling der Ute-Indianer, der ihnen Schutz und Nahrung anbot. Der Häuptling Ouray warnte die Männer eindringlich davor, ihre Reise durch die verschneiten Berge fortzusetzen, doch elf von ihnen entschieden sich dennoch, weiterzugehen. Packer und fünf weitere begaben sich in die tödlichen Weiten der San Juan Mountains, trotz der überwältigenden Warnungen ihres wohlmeinenden Gastgebers. Dieser hatte eine Route vorgeschlagen, wie sie die Berge am besten umgehen konnten und zur Indianeragentur Los Pinós zu gelangen, die unweit der Minen lag. Doch Packer beharrte darauf einen kürzeren Weg zu kennen, der aber durch die Berge führe. Schließlich entschieden sich die Erzschürfer Israel Swan, Frank „Butcher“ Miller, George „California“ Noon, James Humphrey und Shannon Wilson Bell den kauzigen Alfred Packer auf seiner Route zu begleiten, während die anderen 5 Männer lieber auf den Rat des Häuptlings Ouray hörten und deshalb dem Lauf des Flusses Gunnison folgten. Doch ehe die 5-köpfige Gruppe dieses Ziel erreichte, waren all ihre Vorräte aufgebracht. Sie glaubten den Hungertod zu sterben, wurden aber von Kuhhirten entdeckt, die sie in ihr Lager mitnahmen, wo sie bis April blieben. Anders erging es der Gruppe um Alfred Packer. Es waren zwei Monate nach deren Aufbruch vergangen, ohne dass man etwas von der Gruppe gehört hatte. Als aus heiterem Himmel am 16. April 1874 Alfred Packer als der einzige Überlebende seiner Gruppe, an der Indianeragentur Los Pinós auftauchte. Hier begann er, eine verwirrende und widersprüchliche Geschichte darüber zu erzählen, was mit seinen Gefährten geschehen war und dass er aufgrund der verheerenden Wetterlage sich vom Fleisch seiner toten Kameraden ernähren musste. Zuerst behauptete er, im Schnee verloren gegangen und von der Gruppe getrennt worden zu sein. Doch seine Erklärungen stießen auf Skepsis, vor allem, da er wohl genährt aussah und über erhebliche Geldbeträge verfügte, obwohl er mittellos in die Expedition gestartet war. Es dauerte nicht lange, bis Packers Geschichten auseinanderfielen. Bei der Entdeckung der entstellten Überreste seiner 5 Gefährten im August 1874 durch den Illustrator John A. Randolph, die grausam verstümmelt und teilweise verspeist worden waren, erhärtete sich der Verdacht, dass Packer etwas viel Schlimmeres getan hatte, als nur die Toten zu essen, um zu überleben. Die Brutalität, mit der die Männer niedergemetzelt wurden, ließ ahnen, dass hier mehr als nur der Hunger seine Finger im Spiel gehabt hatte. Schnell machten Gerüchte die Runde, dass Alfred Packer seine Weggefährten getötet hatte. Er wurde aufgrund eines Angriffs auf einen der Ermittler namens Herman Lauter ins Gefängnis in Saguache gesteckt, von dem er floh. Alfred Packer schaffte es 9 Jahre lang unterzutauchen, bis er am 11. März 1883 von Jean Cabazon in Fort Fetterman erkannt wurde. Dieser war einer der 20 Goldschürfer, der aber bis zum Frühjahr im Lager von Häuptling Ouray geblieben war. Natürlich alarmierte Cabazon die Polizei, die darauf Alfred Packer verhafteten, der sich als „John Schwartze“ während seiner Flucht ausgegeben hatte. Am 16. März 1883 gestand Alfred Packer, dass Bell die Kameraden getötet hatte. Packer hatte die Gegend nach Essbarem erkundet, als er zum Lager zurückkehrte, wo Bell über dem offenen Feuer ein Stück Fleisch gegrillt hatte, das aus dem Bein von Miller stammte. Er fand Miller tot mit eingeschlagenem Schädel am Fluss vor, während die anderen drei Männer tot neben der Feuerstelle lagen. Als Bell ihn mit seinem Beil angreifen wollte, zog er aus Notwehr seinen Revolver und schoss auf Bell, der kopfüber in den Schnee fiel. Dann nahm er Bells Beil und schlug ihm damit den Schädel ein. Anschließend baute er sich einen Unterschlupf aus den Baumstämmen, um sich vor dem Blizzard zu schützen. Nachdem Blizzard ernährte er sich vom Fleisch der Toten. Als es endlich zu tauen anfing, machte er sich auf den Weg zur Indianeragentur. Er nahm Fleischstücke der Toten als Proviant sowie 70 Dollar und ein Gewehr dorthin mit. Die darauffolgenden Ereignisse führten zu einem der berühmtesten Prozesse in der Geschichte des amerikanischen Westens. Packer wurde zunächst nur wegen des Mordes an Israel Swan angeklagt und für schuldig befunden, was zur Verurteilung zum Tode durch den Strang führte. Doch juristische Feinheiten sorgten dafür, dass dieses Urteil auf einen technischen Fehler hin zurückgenommen wurde. Im zweiten Prozess wurde er in fünf Fällen von vorsätzlichen Totschlag zu einer Freiheitsstrafe von 40 Jahren verurteilt, die längste zu dieser Zeit verhängte Haftstrafe in den Vereinigten Staaten. Alfred Packer saß seine Strafe im Gefängnis von Canon City ab. Nach 16 Jahren Haft beantragte er eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung, die abgelehnt wurde. Erst als die Reporterin der Denver Post, Polly Pry, sich einmischte, und sich Packers Gesundheitszustand aufgrund einer Nierenerkrankung verschlechtert hatte, wurde dieser am 8. Februar 1901 entlassen. Zunächst arbeitete er als Sicherheitskraft bei der Denver Post, bis er in den Deer Creek Canyon zog, wo er als Geschäftsführer von zwei Minen tätig war. Alfred Packer starb am 24. April 1907 an einem Schlaganfall, der auf dem Prince Avenue Friedhof in Littleton beerdigt wurde. Der Fall Alfred Packer bleibt bis heute ein Thema von Faszination und Spekulationen. Historiker und Wissenschaftler haben versucht, seine Handlungen zu verstehen und zu rekonstruieren, wobei einige argumentieren, dass Packer möglicherweise nur so gehandelt hat, um zu überleben, während andere fest daran glauben, dass er von Anfang an geplant hatte, seine Gefährten zu töten. Bis zu seinem Tod 1907 betonte Packer immer wieder, dass er kein Mörder sei. Dennoch haftet sein Name unauslöschlich an der makabren Geschichte des Kannibalismus und der Gewalt in der unerbittlichen Wildnis Colorados. Die Legende von Alfred Packer lebt bis heute fort und inspiriert zahlreiche Bücher, Filme und musikalische Werke. Sein Grab in Littleton ist mittlerweile ein Ziel für Neugierige und diejenigen, die von der dunklen Faszination seiner Geschichte angezogen werden. In einer Welt, die oft nicht schwarz und weiß ist, sondern von Grautönen überzogen, ist Packers Geschichte ein kraftvoller Anstoß zur Reflexion über Moral, Überleben und das, was Menschen in Extremsituationen zu tun bereit sind. Nach dieser spannenden Kriminalgeschichte wünsche ich euch viel Freude mit ein paar Fotos der Colorado Mountains, wo der berüchtigte Colorado-Kannibale Alfred Packer seine Verbrechen im späten 19. Jahrhundert begangen hat. Die Colorado Mountains sind bekannt für ihre atemberaubende Schönheit und die rauen, ungezähmten Landschaften. Doch unter dieser friedlichen Fassade verbergen sich dunkle Geschichten wie die von Alfred Packer, dessen Name in die Geschichte als einer der berüchtigtsten Kannibalen einging. 🙂

 

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