In den frühen 1970er Jahren schockierte eine Reihe von Vergiftungen die britische Öffentlichkeit und löste bundesweite Debatten über den Umgang mit geistig kranken Straftätern aus. Im Zentrum dieser Verbrechen stand Graham Frederick Young, besser bekannt als der Teacup Poisoner. Seine brutalen Taten und seine offensichtliche Begeisterung für Gifte und das Böse machen seinen Fall zu einem der erschreckendsten in der Kriminalgeschichte Großbritanniens. Graham Young erblickte am 7. September 1947 im Londoner Vorort Neasden das Licht der Welt. Kurz nach seiner Geburt verstarb seine Mutter Bessie an Tuberkulose, weshalb Grahams Vater Fred ihn zu einer Tante gab, während seine ältere Schwester Winifred bei ihren Großeltern untergebracht wurde. Als Fred 1950 erneut heiratete, holte er beide Kinder wieder zu sich nach Hause. Graham war damals 8 Jahre alt, als er wieder zu seinem Vater und dessen neuer Ehefrau Molly kam. Graham gewöhnte sich nur schwer an die neue Situation, der seine Tante und seinen Onkel schmerzlich vermisste. Von Anfang an hegte er einen Groll gegen seine Stiefmutter Molly, weshalb er sich immer mehr von seiner Familie abkapselte. Bereits in jungen Jahren zeigte er ein tiefes Interesse an Giften und deren Wirkungen. Bücher über toxische Substanzen, schwarze Magie und Nazi-Ideologien beeinflussten ihn stark. Er bewunderte den viktorianischen Giftmörder William Palmer und begann, sich intensiv mit giftigen Chemikalien auseinanderzusetzen. Sein Vater Fred förderte Grahams Liebe für Toxikologie, in dem er ihm einen Chemiekasten kaufte. Mit 13 Jahren verfügte Graham über so viel Wissen in Toxikologie, dass er den örtlichen Apotheker überzeugen konnte, 17 Jahre alt zu sein. Dadurch konnte er Dosen der Gifte Arsen, Antimon, Digitalis und des Schwermetalls Thallium zu Studienzwecken erhalten, die er nun an Menschen testete. Er begann Angehörige und Schulfreunde zu vergiften. Seine Stiefmutter Molly und sein Vater litten unter unerklärlichen Magenkrämpfen und Erbrechen. Zunächst wurde angenommen, dass es sich um eine aufgetretene Krankheit handelte. Doch als auch seine Schwester Winifred und sein bester Freund Williams ähnliche Symptome zeigten, wurde die Angelegenheit verdächtig. Zwar verdächtigte ihn sein Vater, doch er unternahm nichts. Auch als seine Schwester ins Krankenhaus eingeliefert und bei ihr eine Belladona-Vergiftung festgestellt wurde, schwieg Grahams Vater Fred. Ähnlich verhielt sich Fred als seine Ehefrau Molly vor Schmerzen krümmend im Garten gefunden und ins Krankenhaus gebracht wurde, wo sie noch am selben Tag verstarb. Mollys Tod am 21. April 1962 wurde als Wirbelvorfall angesehen. Zwar hatte Graham sie über längere Zeit mit Antimon vergiftet, doch Molly hatte eine Toleranz dagegen entwickelt, weshalb Graham mit Thallium nachhalf. Nachdem Tod von Molly, ging es Grahams Vater Fred immer schlechter, dessen Arzt eine Antimon-Vergiftung feststellte. Aber trotzdem konnte Fred nicht glauben, dass Graham ihn vergiftet hatte. Das erste Mal erwischt wurde Graham 1962, im Alter von nur 14 Jahren. Sein Chemielehrer hatte Verdacht geschöpft, als er chemiespezifische Substanzen in Youngs Besitz entdeckte, und informierte die Polizei. Young wurde am 23. Mai 1962 verhaftet. Er bekannte sich schuldig seinen Vater, seine Schwester und seinen Schulfreund Williams vergiftet zu haben. Da seine Stiefmutter eingeäschert und dadurch alle Beweise vernichtet worden waren, konnte er dafür nicht belangt werden. Graham wurde in das Broadmoor Hospital für geisteskranke Straftäter eingewiesen, der dort der jüngste Häftling seit 1885 war. Wenige Wochen nach seinem Haftantritt, starb ein Mitinsasse namens John Berridges an einer Überdosis Cynanid. Graham gestand aus den Lorbeer-Büschen im Gefängnishof das Toxin extrahiert zu haben. Doch niemand wollte Graham glauben, da der Verstorbene als stark selbstmordgefährdet galt. Immer wieder kam es dort zu seltsamen Erkrankungen. Graham blieb dort schließlich bis 1971, bis man ihn freiließ, weil man glaubte, er habe seine gefährlichen Tendenzen überwunden. Laut dem Gutachten eines Psychiaters war Graham „vollständig geheilt“, obwohl er seiner Krankenschwester anvertraute, dass er für jedes Jahr im Broadmoor Hospital einen Menschen töten würde. Tatsächlich wurde dies in seiner Akte vermerkt, hatte aber keinerlei Einfluss auf seine Entlassung. Er lebte zunächst in einem Obdachlosenheim und hielt Kontakt zu seiner Schwester Winifred, die im Gegensatz zu ihrem Vater noch mit Graham kommunizierte. Graham unternahm immer wieder Reisen nach London, wo er sich mit Antimon, Thallium und anderen Giften eindeckte. Bald schon erkrankten in seinem Hostel erneut Menschen. Ein Mann hatte so starke Schmerzen, dass er sich aus Verzweiflung das Leben nahm. Bald schon fand Graham Arbeit bei John Hadland Laboratories, einem Fotoausstatter in Bovingdon. Doch statt eines neuen Anfangs setzte er seine mörderischen Machenschaften fort. Auch hier vergiftete er Kollegen, was zu schwerwiegenden Erkrankungen und schließlich zum Tod zweier Mitarbeiter führte. Einer der ersten Opfer war Grahams Boss Bob Egle. Der 59 Jahre alte Lagerverwalter litt unter starken Bauchschmerzen und Lähmungserscheinungen, bevor er am 7. Juli 1971 starb. Die Symptome wurden zunächst auf das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom zurückgeführt. Egle war ein Veteran der Schlacht von Dünkirchen, und Young bekundete scheinbar großes Interesse an seinen Kriegserfahrungen, während er gleichzeitig hinter Egles Rücken seine mörderischen Pläne schmiedete. Kurz nach Egles Tod vergiftete Young einen weiteren Kollegen, den 60 Jahre alten Fred Biggs, mit Thallium. Biggs‘ Leid war qualvoll. Er litt an Lähmungserscheinungen, extremer Hautempfindlichkeit und schließlich am Verlust seiner Haare. Sein Zustand verschlechterte sich rapide, und schließlich starb auch er am 19. November 1971. In der Zwischenzeit vergiftete Graham über 70 Mitarbeiter, in dem er ihnen nachmittags ein Tässchen Tee servierte. Graham war sehr beliebt bei seinen Kollegen, dem niemand als Giftmischer verdächtigte. Dies lag an Grahams geschickten Methoden. So glaubten viele seiner Opfer, dass sie an einer geheimnisvollen Krankheit litten, die schnell als der „Bovingdon Bug“ bekannt wurde. Die Symptome der betroffenen Kollegen reichten von Übelkeit und Erbrechen bis hin zu schweren neurologischen Ausfällen. Es war nicht nur die Tatsache, dass Graham seine Kollegen absichtlich vergiftete, sondern auch die Kaltschnäuzigkeit, mit der er dies tat. Er führte ein detailliertes Tagebuch, in dem er die Dosierungen, die Effekte und sogar seine Entscheidung festhielt, wer leben oder sterben sollte. Diese Aufzeichnungen wurden später bei seiner Verhaftung entdeckt und spielten eine entscheidende Rolle in seinem Gerichtsverfahren. Schließlich wurden Grahams Kollegen misstrauisch. Einer bemerkte, dass Graham niemals krank wurde, und äußerte Verdacht. Der Firmenarzt, Dr. Iain Anderson, wurde aufmerksam auf Youngs umfassendes Wissen über toxikologische Symptome und dessen Verdacht auf einer Thallium-Vergiftung. Er entschloss sich, die Polizei zu informieren. Am 21. November 1971 wurde Graham festgenommen. Bei der Durchsuchung seiner Unterkunft fanden die Ermittler zahlreiche Flaschen mit giftigen Substanzen, darunter tödliche Mengen an Thallium und Antimon. Die Beweise gegen ihn waren erdrückend. Im folgenden Jahr wurde Graham Young des Mordes an zwei Personen, des versuchten Mordes an zwei weiteren und des vorsätzlichen Vergiftens anderer angeklagt. Während des Prozesses lasen die Ankläger Passagen aus Youngs Tagebuch vor, in denen er akribisch seine Vergiftungen dokumentiert hatte. Der Richter und die Geschworenen waren sich schnell einig; Graham Young wurde schuldig gesprochen und zu vier lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Graham genoss den Medienrummel um seine Person während des gesamten Prozesses, der jedoch mit dem Namen „Teetassen-Giftmörder“ unzufrieden war, da er sich als „Weltvergifter“ sah. Graham Youngs Verbrechen hatten weitreichende Folgen für das britische Rechtssystem. Der Fall löste Debatten über die Freilassung geistig kranker Straftäter aus und führte zu Reformen im Gesundheitswesen. So wurde der Poisons Act 1972 verabschiedet, der den Verkauf von Gift stärker regulierte. Am 1. August 1990 starb Graham Young im Parkhurst Prison auf der Isle of Wight, einem Hochsicherheitsgefängnis für die gefährlichsten Verbrecher Großbritanniens, an einem Herzinfarkt. Obwohl offiziell als natürlicher Tod aufgeführt, spekulierten einige, dass er entweder Selbstmord begangen oder von Mitgefangenen ermordet worden sei. Er hinterließ eine Legende des Schreckens, die weiterhin die Vorstellungen von Giftmördern in der Populärkultur prägt. Graham Youngs Geschichte ist eine erschreckende Erinnerung an die möglichen Abgründe des menschlichen Charakters. Sein Leben und seine Verbrechen zeigen die düsteren Auswirkungen von Intelligenz, die auf bösartige Zwecke ausgerichtet ist, und die Herausforderungen, vor denen das Justizsystem bei der Behandlung geistig gestörter Straftäter steht. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂
Die grausamen Verbrechen von Graham Frederick Young: Der Teacup Poisoner

