Wenn die Rede von Kaliforniens berühmten Serienmördern ist, denkt man unweigerlich an Charles Manson oder den Zodiac-Killer. Doch mitten im Schatten dieser Ungeheuer sticht ein Name hervor, der eine blutige Spur hinterließ und die Bewohner von Santa Cruz in Angst und Schrecken versetzte: Herbert William Mullin. Dieser amerikanische Serienmörder erblickte am 18. April 1947 in Salinas im US-Bundesstaat Kalifornien das Licht der Welt, der auch als der „Erdbeben-Killer“ bekannt ist. Diesen Namen erhielt er, da er seine Verbrechen verübte, um Erdbeben zu verhindern, von denen er besessen war. Durch sein Geburtsdatum fühlte er seine Obsession bestätigt, da dieses den Jahrestag des großen Erdbeben, das San Francisco, die viergrößte Stadt Kaliforniens 1906 heimsuchte, markierte. Doch wer war dieses Monster, das innerhalb von vier Monaten zwischen 1972 bis 1973 13 Menschen kaltblütig tötete? Mullins Kindheit in Santa Cruz verlief unter den wachsamen Augen eines kriegstraumatisierten Vaters, der ihn mit strenger Hand erzog, aber nicht misshandelte. Der junge Mullin, der die San Lorenzo Valley High School in Santa Cruz besuchte, hatte viele Freunde. Er war ein begnadeter Footballspieler, der eine glückliche Beziehung mit Loretta führte und sogar derjenige war, dem seine Mitschüler den größten Erfolg im Leben vorhersagten. Doch was äußerlich wie eine idyllische Jugend aussah, sollte sich bald als trügerisch erweisen. Während seiner Schulzeit begann er, Drogen wie LSD und Marihuana zu konsumieren, und möglicherweise entwickelte sich in diesen Jahren bereits eine paranoide Schizophrenie, wie der FBI-Profiler Robert K. Ressler später vermutete. Nach dem tragischen Tod seines engen Freundes Dean Richardson bei einem Autounfall tauchte Mullin in tiefe Trauer und eine wachsende psychische Instabilität. Ein Schrein für den verstorbenen Freund in seinem Schlafzimmer war nur der Anfang einer Kette bizarrer Verhaltensweisen. Obsessive Gedanken über Erdbeben und der plötzliche Abbruch seiner Beziehung zu seiner Freundin Loretta waren erste Anzeichen dafür, dass etwas zutiefst Unheilvolles in ihm heranwuchs. Im Januar 1967 kam Mullin wieder mit Loretta zusammen, mit der er sich sogar verlobte. Im Sommer desselben Jahres hatte er einen Associate Degree in Straßenbautechnik am Cabrillo College in Aptos erworben. Danach studierte er Philosophie und führte einen Hippie-Lebensstil. Im November 1967 verließ er das San Jose State College. Danach machte er erste sexuelle Erfahrungen mit Männern, die dazu führten, dass er im März 1968 die Verlobung mit Loretta löste. Einen Monat später wurde er wegen des Besitzes von Marihuana verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er fand einen Job bei Goodwill Industries, den er jedoch wenige Monate später kündigte, um nach Indien zu reisen. Doch tatsächlich zog Mullin nach Sebastopol, wo er in einem Wohnwagen auf der Ranch seiner Schwester und ihres Ehemannes Albert Bocca sein Dasein fristete, bis er sich 1969, im Alter von 21 Jahren, freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen ließ. Doch die Hilfe, die er dort suchte, erwies sich als flüchtig. Kurze Aufenthalte in verschiedenen Einrichtungen brachten keine Besserung. Er begann, Zigaretten auf seiner Haut auszudrücken, führte Selbstgespräche und verlor zunehmend den Kontakt zur Realität. Nach einer langen Odyssee als Tellerwäscher, Amateurboxer und Junkie, zog er 1972 wieder bei seinen Eltern in Santa Cruz ein. Seitdem hörte er Stimmen in seinem Kopf, die ihn davor warnten, dass ein gewaltiges Erdbeben bevorstehe. Um diese Katastrophe abzuwenden, müsse er Menschen opfern – so glaubte er. Diese Wahnvorstellungen fanden ihren grausamen Höhepunkt am 13. Oktober 1972, als er den Obdachlosen Lawrence White mit einem Baseballschläger erschlug, überzeugt, dass dieser der biblische Prophet Jona sei, der ihm telepathisch befohlen habe, ihn zu töten. Die folgenden Monate waren eine Orgie des Todes, die Kalifornien ergriff. Am 24. Dezember 1972 nahm Mullin die 24-jährige Mary Guilfoyle als Anhalterin mit. Er erstach sie brutal, schnitt ihren Bauch auf und ließ ihre Leiche am Straßenrand zurück. Die Polizei vermutete zunächst, es handele sich um ein weiteres Opfer des berüchtigten Serienmörders Edmund Kemper. Doch die Wahrheit war noch düsterer. Nur wenige Tage später suchte Mullin einen Priester namens Henri Tomei auf, angeblich um seine Sünden zu beichten. Stattdessen ermordete er ihn kaltblütig, bevor er sich entschloss, dem United States Marine Corps beizutreten. Trotz bestandener physischen und psychologischen Tests wurde sein Gesuch abgelehnt, da man von seinen früheren Verhaftungen wusste. Diese Ablehnung verstärkte seine Wahnvorstellungen über eine vermeintliche Verschwörung einer mächtigen Gruppe von Hippies. Am 25. Januar 1973 ermordete Mullin Jim Gianera, einen alten Schulfreund, und dessen Frau. Anschließend tötete er Kathy Francis und deren beiden kleinen Söhne. Diese schrecklichen Taten wurden zuerst der Drogenszene zugeschrieben, da Francis‘ Ehemann ein bekannter Dealer war. Dies ermöglichte Mullin vorübergehend, unentdeckt zu bleiben. Doch der brutale Feldzug ging weiter. Im Henry Cowell Redwoods State Park traf Mullin am 10. Februar 1973 auf vier Jungen im Teenageralter, die campierten. Er gab sich als Parkwächter aus, bevor er alle vier erschoss. Nur drei Tage später verübte er seinen letzten Mord. Am 13. Februar 1973 parkte Mullin seinen Wagen am Straßenrand und erschoss den 72 Jahre alten Fred Abbie Perez, der gerade seinen Rasen mähte. Freds Nachbarin, Joan Stagnaro, hörte den Schuss und notierte sich das Autokennzeichen. Sie alarmierte sofort die Polizei, so dass Mullin schnell gefasst wurde. Innerhalb von nur vier Monaten hatte Herbert Mullin 13 unschuldige Menschen getötet und eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt. Bei seiner Verhaftung gestand Mullin die Verbrechen und behauptete, die Stimmen in seinem Kopf hätten ihm die Morde befohlen, um das drohende Erdbeben abzuwenden. Er war sogar überzeugt, dass sein blutiger Einsatz erfolgreich gewesen sei, da kein Erdbeben eingetreten war. Die Justiz sah sich mit der Frage konfrontiert, ob Mullin schuldfähig sei. Die Verteidigung argumentierte mit seiner psychiatrischen Vorgeschichte, während die Anklage darauf hinwies, dass er seine Taten vorsätzlich ausgeführt und Spuren verwischt habe. Am 19. August 1973 wurde Mullin schließlich wegen zweifachen Mordes und achtfachem Totschlag schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine eventuelle Bewährung hätte frühestens 2025 erfolgen können. Herbert Mullin starb am 18. August 2022 in der California Health Care Facility im Alter von 75 Jahren. Sein Name bleibt als düstere Kapitel in den Annalen der amerikanischen Kriminalgeschichte verankert, ein Mahnmal für die Abgründe menschlicher Psyche und die zerstörerische Macht unbehandelter psychischer Erkrankungen. So endet die beklemmende Geschichte eines Mannes, dessen verzweifelter Kampf gegen imaginäre Dämonen zur realen Hölle für viele unschuldige Seelen wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Santa Cruz im US-Bundesstaat Kalifornien 🙂

