In der Nacht vom 11. auf den 12. April 1981 ereignete sich in der beschaulichen Ortschaft Keddie im Norden Kaliforniens ein schreckliches Verbrechen, das bis heute ungelöst ist. Vier Menschen wurden brutal ermordet. Der Fall löste nicht nur vor Ort Entsetzen aus, sondern entwickelte sich zu einem der rätselhaftesten und tragischsten Kriminalfälle in der Geschichte der USA. War es ein kaltblütiger Mord? Ein rituelles Verbrechen? Oder gar ein organisierter Anschlag? Die Wahrheit ist nach wie vor im Dunkeln verborgen. Das Verbrechen nahm seinen Anfang in der Waldhütte 28 gelegen in der idyllischen kleinen Ferienanlage in Keddie. Die 36 Jahre alte Glenna Susan „Sue“ Sharp, eine alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, hatte dort ein Zuhause gefunden, nachdem sie sich von ihrem Mann James getrennt und von Connecticut nach Kalifornien gezogen war. Die Familie lebte dort seit dem Herbst 1980, weit entfernt von dem turbulenten Leben, das sie hinter sich gelassen hatten. Doch dieser abgeschiedene Zufluchtsort sollte sich als alles andere als sicher erweisen. Am Morgen des 12. April machte die 14-jährige Sheila, Sues älteste Tochter, eine grausige Entdeckung, die sich für immer in ihr Gedächtnis einbrannte. Sie hatte die Nacht bei Freunden verbracht und war am Morgen nach Hause zurückgekehrt. Was sie jedoch vorfand, war ein blutiges Schlachtfeld: Ihre Mutter Sue, ihr 15 Jahre alter Bruder John und dessen 17 Jahre alte Freundin Dana lagen tot auf dem Boden im Wohnzimmer. Alle drei waren grausam gefesselt und verstümmelt worden. Das ganze Wohnzimmer war blutverschmiert. Von ihrer 12 Jahre alten Schwester Tina fehlte jede Spur. Ihre jüngeren Brüder Rick und Greg sowie deren Freund Justin, die im Nebenzimmer geschlafen hatten, blieben unverletzt. Diese hatten von den brutalen Morden angeblich überhaupt nichts mitbekommen. Die den Opfern zugefügte Gewalt war so erschütternd und zeugte von der klaren Absicht, Schmerz und Leid zu verursachen. Sue wurde halbnackt neben dem Sofa gefunden, mit einem blauen Bandana und ihrer eigenen Unterwäsche, die mit Klebeband fixiert war, geknebelt. Ihr war in die Brust gestochen und ihre Kehle war aufgeschlitzt worden. An ihrem Schädel waren Spuren eines Abdrucks deutlich, der vom Kolben eines Luftgewehrs stammte. Auch Johns Kehle war aufgeschlitzt worden, während seine Freundin Dana erwürgt worden war und mehrere Schläge mit einem Hammer erlitten hatte. Die Obduktionen bestätigten später, dass sowohl Sue als auch John an ihren Verletzungen und stumpfen Gewalteinwirkungen am Schädel gestorben waren, während Dana schließlich erdrosselt worden war. Am Tatort wurden zwei Messer und ein Hammer entdeckt – alle blutverschmiert. Blutspuren deuteten darauf hin, dass alle Morde im Wohnzimmer der Familie begangen worden waren. Trotz dieser grausamen Beweise gelang es den Ermittlern nicht, die Täter sofort zu identifizieren oder stichhaltige Hinweise zu finden, die zu einer Festnahme geführt hätten. Während die Leichen ihrer Mutter und ihres Bruders gefunden wurden, galt Tina zunächst weiterhin als vermisst. Es dauerte ganze drei Jahre, bis ihre Überreste gefunden wurden. Am 11. April 1984 entdeckte ein Flaschensammler einen menschlichen Schädel und Kieferknochen in Camp 18, einem abgelegenen Gebiet etwa 100 Kilometer von Keddie entfernt. Eine forensische Analyse bestätigte schließlich, dass die Knochen von Tina stammten. Interessanterweise erhielt das Büro des Sheriffs kurz nach dem Fund einen anonymen Anruf, in dem das Opfer namentlich genannt wurde, noch bevor das Obduktionsergebnis, dass es sich um Tina handelte, feststand. Dieser Hinweis wurde jedoch nicht ordnungsgemäß dokumentiert. Jahre später tauchte die Aufzeichnung des mysteriösen Anrufs in einer Beweiskiste wieder auf – ein weiterer Beleg für die chaotische und unstrukturierte Ermittlungsarbeit, die den Fall von Anfang an überschattet hat. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf Martin Smartt, den Stiefvater des jungen Zeugen Justin, der ebenfalls in der Nähe des Tatorts wohnte und dessen vorbestraften Bekannten John „Jo“ Boubede, der sich zum Zeitpunkt der Morde in Martins Hütte aufhielt. Smartt gab an, dass kurz vor den Morden ein Hammer aus seinem Haus verschwunden sei – eine Aussage, die den Verdacht auf ihn lenkte. Sein Stiefsohn Justin selbst machte widersprüchliche Angaben zu den Ereignissen jener Nacht. Unter Hypnose beschrieb er zwei Männer im Haus und lieferte detaillierte Beschreibungen, die später zur Erstellung von Phantombildern verwendet wurden. Diese Aufgabe wurde jedoch nicht von einem professionellen Phantombildzeichner, sondern von einem Laien ausgeführt, was die Glaubwürdigkeit der Phantombilder in Frage stellte. Die von Justin beschriebenen Männer sollen etwa 30 Jahre alt und auffällig gekleidet gewesen sein: einer mit blonden Haaren, der andere mit schwarzen, gegelten Haaren. Beide trugen eine Sonnenbrille mit goldenem Rahmen. Trotz einer intensiven Fahndung blieben die Identitäten der mutmaßlichen Täter unbekannt. Im März 2016 fand ein Mann mit einem Metalldetektor in einem Teich nahe Keddie einen Hammer, der als mutmaßliche Waffe bei den Keddie-Morden gilt. Dieser Hammer stimmte genau mit der Beschreibung eines Hammers überein, den einer der beiden Hauptverdächtigen, Martin Smartt, kurz nach den Morden als vermisst gemeldet hatte. Konnte dies ein Zufall sein? Zudem tauchte ein Brief von Martin Smartt an seine Ehefrau auf, in dem er den Vierfachmord indirekt gestand. Er soll zudem einem Therapeuten gestanden haben, an den Morden beteiligt gewesen zu sein. Dennoch wurden auch diese Beweise nie offiziell herangezogen. Das Motiv für den Mord soll recht simpel gewesen sein, Sue hatte sich in die Ehe der Smartts eingemischt und Martins Frau zur Trennung geraten. Martin wollte sich rächen und die Situation eskalierte. Die anderen Opfer sollen lediglich Zufallsopfer gewesen sein, die Martin und Jo beim Mord an Sue überraschend gestört haben. Zwar wurden der Hammer und ein in der Nähe gefundenes Jagdmesser zur DNA- und Beweisanalyse an das FBI geschickt, doch die beiden Hauptverdächtigen sind mittlerweile verstorben. Die berüchtigte Waldhütte, in der vier Menschen auf grausame Art und Weise hingerichtet wurden, wurde 2004 abgerissen. Bis heute zählen die Keddie-Morde zu einem der brutalsten und ungelösten Verbrechen in Kalifornien. Ob die Wahrheit jemals ans Licht kommen wird, wird die Zeit zeigen. Dir wünsche ich trotzdem viel Freude mit meinen Fotos von Sacramento in Kalifornien. 🙂
Die grausamen Keddie-Morde

