Website-Icon Spannende Krimis und Abenteuertipps für wahre Entdecker!

Tante Truus, die heimliche Heldin des Hollocausts

Alkmaar Niederlande Isabella Mueller @isabella_muenchen

Alkmaar Niederlande Isabella Mueller @isabella_muenchen

Im Herzen der niederländischen Provinz Nordholland befindet sich die malerische Stadt Alkmaar mit mehr als 107.000 Einwohnern. Diese besitzt eine historische Altstadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die seit dem 1. Juli 2020 um eine reicher ist. An jenem Tag wurde die 2,20 Meter große Bronzestatue von Geertrudia Wijsmueller-Meijer mit 28 Kindern enthüllt, die von Annet Terberg-Pompe und Lea Wijnhoven gestaltet wurde. Diese Statue, die auf Initiative der Historischen Gesellschaft von Alkmaar entstand, soll Geertrudia Wijsmueller-Meijer, besser bekannt als „Tante Truus“ ehren, die mehr als 10.000 jüdische und nicht arische Kinder im Dritten Reich gerettet hat. Doch anders als Oskar Schindler, dem Steven Spielberg mit „Schindlers Liste“ ein Denkmal gesetzt hat, geriet Truus schlichtweg in Vergessenheit. Obwohl diese so vielen Menschen das Leben gerettet und sich unentwegt sozial sowie politisch engagiert hat, immer mit dem Risiko selbst getötet zu werden. Aber der Reihe nach. Truus erblickte am 21. April 1896 als erstes Kind des Apothekers Jacob Meijer und der Schneiderin Hendrika Bor in Alkmaar das Licht der Welt, wo sie nach der Schule drei Jahre lang eine kaufmännische Ausbildung absolvierte. Anno 1913 zog die Familie nach Duivendrecht einem Vorort von Amsterdam, wo sie eine Anstellung in einer Bank annahm. Dort lernte sie den Bankier Joop Wijsmueller kennen und lieben, den sie 1922 heiratete. Fortan lebte das Ehepaar in einer Wohnung im 3. Stock an der Nassaukade 125 in Amsterdam. Da Truus keine Kinder bekommen konnte, engagierte diese sich sozial. Dabei wurde sie von ihrem Ehemann unterstützt und ab 1933 auch von ihrer Assistentin Cietje Hackmann. Truus übte zu dieser Zeit nicht nur ehrenamtliche Jobs als Sozialarbeiterin aus, sondern sie reiste auch nach Deutschland, um verfolgte Juden bei deren Flucht zu halfen. Truus setzte sich unermüdlich für andere ein und war darüber hinaus 1935 als Nummer 6 auf der Liste der Liberalen Kandidaten für die Amsterdamer Stadtwahlen nominiert. 1938 gründete Truus aufgrund der drohenden Kriegsgefahr das „Women Volunteer Corps“, in dem Frauen bei Kriegsausbruch ihre Männer mit allerlei Hilfe unterstützen konnten. Truus hatte sich durch ihre vielen Sozialprojekte und ihr politisches Engagement ein großes Netzwerk an Helfern aufgebaut. Nach der Kristallnacht am 9. und 10. November 1938 war das Leben der in Deutschland und Österreich lebenden Juden nicht mehr sicher. Als das britische Parlament Ende November 1938 die Aufnahme von 10.000 Kindern aus Deutschland erlaubte, baten die britischen Hilfsorganisationen Truus um Hilfe, da deren Ruf als Fluchthelferin mit großen Netzwerk im Dritten Reich ihr vorausgeeilt war. Truus reiste nach dem Anliegen sofort nach Wien, wo sie sich in der Zentralstelle für jüdische Auswanderungen im Palais Rotschild in der Prinz-Eugen-Straße mit Adolf Eichmann traf. Dieser sicherte ihr zu, 600 Kinder aus dem Dritten Reich mit in die Niederlande zu transportieren. Doch der Transport musste innerhalb von 5 Tagen organisiert werden. Eichmann war sich sicher, dass Truus dies nicht schaffen würde. Doch er sollte sich irren. Dank Truus riesigem Netzwerk konnten am 11. Dezember 1938 630 jüdische Kinder mit dem Zug von Wien-Hütteldorf über die Niederlande nach England transportiert werden. Dies war Truus erster Kindertransport. Es folgten weitere 74 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Mehr als 10.000 jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei wurde nach England in Sicherheit gebracht. Ihr letzter Transport fand am 14. Mai 1940 statt. Danach war Truus weiterhin als Flüchtlingshelferin tätig, die 1939 auch Vorstandsmitglied von dem Sanatorium Beatrix-Oord in Amsterdam wurde, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Krankenhaus umbauen ließ, in dem auch Abtreibungen möglich waren. Darüber hinaus war sie auch Mitglied der „Vereinigung für Fraueninteressen und für gleiche Staatsbürgerschaft“, wo sie den Widerstandskämpfer Mies Boissevain- van Lennep kennen lernte. Truus organisierte auch den Transport von Arznei- und Nahrungsmitteln in den französischen Lagern Gurs und St. Cyrium. Während dieser Zeit wurde sie zweimal von der Gestapo verhaftet, die sie aber wieder aus Mangel an Beweisen laufen lassen mussten. Mit der Widerstandsgruppe Groop 2000 und einer kirchlichen Organisation besorgte sie Lebensmittelpakete für das Durchgangslager Westerbroek, im Ghetto Theresienstadt, im Konzentrationslager Bergen-Belsen und in Gefängnissen in Amsterdam für politisch Verfolgte des Naziregimes. Truus war eine unerbittliche Kämpferin, die 50 jüdischen Waisenkinder, die vom Durchgangslager Westerbroek in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert werden sollten, das Leben rettete. Truus versicherte den Nationalsozialisten, dass diese Kinder arisch seien, da ihre Väter aus Deutschland und ihre Mütter aus den Niederlanden stammten. Daraufhin wurden die Kinder in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Truus hatte alle Kinder vor dem Tod bewahren können. Truus war eine Frau mit einem großen Herz, die von 1944 bis 1945 für über 7.000 hungernde Kinder aus Amsterdam die Möglichkeit eines Landaufenthalts zur Erholung organisiert hatte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war sie von 1945 bis 1966 Mitglied des Amsterdamer Gemeinderates, wo sie sich für Sozialprojekte einsetzte. Im Jahr 1964 erschien ihre Autobiografie mit dem Titel „Keine Zeit für Tränen“. Am 30. August 1978 im Alter von 82 Jahren verstarb Truus in Amsterdam. Die Niederlande und Frankreich ehrten diese großartige Frau mit hohen Orden und der Zuerkennung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Amsterdam. Heute erinnert an „Tante Truus“ auch in ihrer Geburtsstadt Alkmaar die Bronzeskulptur „Truus Wijsmueller -Meijer“ auf der Gewelfde Stenenbrug, die wahrlich eine Heldin des Holocausts war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos davon. 🙂

Die mobile Version verlassen