Der historische Seenotrettungsschuppen im Ostseebad Zingst
Isabella Mueller
Das größte Seebad der Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst mit rund 3.170 Einwohnern ist Zingst, das sich seit 2002 offiziell „staatlich anerkanntes Seeheilbad“ nennen darf. Dieses besitzt mit seinem 18 Kilometer langen Strand, einen der schönsten Sandstrände an der deutschen Ostseeküste, dessen Hauptattraktion die 270 Meter lange und 2,5 Meter breite Seebrücke mit ihrer Tauchgondel am Ende ist. Gleich neben der Seebrücke befindet sich das Kurhaus, von dem sich die Flaniermeile von Zingst abzweigt. In der Sandstraße, der Fußgängerzone von Zingst, gibt es nicht nur zahlreiche Cafés, Restaurants, Souvenirläden und Boutiquen, sondern dort befindet sich der historische Seenotrettungsschuppen. Dieses alte Backsteinhaus aus dem Jahr 1875 zeigt eine Ausstellung über die vergangene Rettungstechnik. Denn schon in den 1850er Jahren war es notwendig, dass es an der Ostseeküste eine Rettungsstation mit Ruderrettungsbooten und Leinenwagen gab. Jedoch wurde diese durch die Sturmflut 1872 komplett dem Erdboden gleich gemacht. Einzig die Rettungstechnik konnte geborgen werden. Anno 1873 wurde die Station hinter dem Deich in massiver Bauweise errichtet. Die Station besaß nicht nur einen Wagen mit Rettungsboot, sondern auch einen Leinenwagen mit Raketen. Beide wurden mit Pferden zum Einsatzort transportiert. Im Laufe der Zeit beheimatete der Schuppen mehrere Generationen mobiler Rettungseinheiten. Im Jahr 1999 kam es zu einem Neubau, der den aktuellen Ansprüchen gerecht wurde. Der alte Schuppen wurde jedoch erhalten, der als wichtiger Zeitzeuge und Kulturgut über die Geschichte der Rettungstechnik informiert. Hier gibt es zum Beispiel den Treibanger zu entdecken, auch Schlepper genannt, der seit 1861 in Zingst im Einsatz war. Dieser stabilisiert durch seine Bremswirkung das Heck der Ruderrettungsboote beim Durchqueren der Brandung in Richtung Land und hilft so, das Querschlagen und damit das Kentern des Bootes zu verhindern. Auch ein Leinenwurfgerät, das ab 1975 im Einsatz war und den Raketenapparat ablöste, gibt es dort zu bewundern. Auch ich besuchte dieses geschichtsträchtige Gebäude, das mir durch seine eindrucksvolle Sammlung an Exponaten Einblicke zur Seenot-Rettung von früher und heute ermöglichte und mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂