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Der lustige Streiche spielende Kobold

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Eine lustige Sage über einen Streiche spielenden Kobold stammt aus der Sachsenmetropole Leipzig. Dort lebte ein Bürger in einem Haus am Matthäikirchhof, der seine Wand neu weißen lassen wollte. Hinter der Wand fand man haufenweise versiegelter Löcher. Neugierig, was sich dahinter verbarg, entschied er sich, das erste Loch zu öffnen. Zu seiner Überraschung flogen plötzlich dutzende alte Messer heraus, die teilweise scharf und teils abgenutzt waren. Der Fund löste große Verwunderung und Neugier aus, und so öffnete er die anderen Löcher. Eines verbarg viele runde Töpfe, gefüllt mit Kindergebeinen. Seit diesem grauenhaften Fund trieb ein Kobold sein Unwesen im Haus. Er war offensichtlich durch die gestörte Ruhe geweckt worden und begann nun, mit Sachen auf die Bewohner zu werfen und unentwegt seine Streiche zu spielen. Trotz seiner Sticheleien verletzte er jedoch niemanden ernsthaft. Der Hausbesitzer war verzweifelt und fragte immer wieder laut: „Was der Kobold von ihm wolle?“ Doch die Antwort des Kobolds war stets dieselbe. Er warf irgendetwas nach dem Fragenden. Eines Tages lästerte jemand lautstark über den Kobold. Dieser ließ es sich nicht gefallen und verpasste dem Lästerer mit einem Pantoffel eine so heftige Ohrfeige, dass dessen ganze Gesichtshälfte anschwoll. Gerade nachts im Dunkeln war der Kobold besonders aktiv, weshalb die Bewohner stets das Licht an ließen. Doch das Licht störte ihn wenig. Noch immer kniff er die Leute am Ohr oder riss ihnen die Decke weg. Nach einigen Monaten hatten sich die Menschen so sehr an die Streiche gewöhnt, dass sie sie fast ignorierten. Einmal nahm der Kobold einen Wedel und warf ihn zusammen mit einem Topf voller Fledermäuse dem Hausherren entgegen. Dieser seufzte nur und sagte: „Ah, hast wohl einen Wedel in der Nachbarschaft gestohlen. Wirf her, ich brauch ihn gerade.“ Dieser Gleichmut brachte den Kobold so sehr in Rage, dass er unzählige Dinge nach ihm warf. Doch letztendlich war der Hausherr schon so abgestumpft, dass ihm die Streiche des Kobolds nichts mehr ausmachten, und er begann, den Kobold komplett zu ignorieren. Diese unheimlichen Vorkommnisse spielten sich am Matthäikirchhof ab, einem Ort mit reicher und vielfältiger Geschichte. Johann Sebastian Bach hatte an der nahe gelegenen Matthäikirche, damals Neue Kirche genannt, von 1723 bis 1750 die Aufsicht über die Kirchenmusik. Diese Kirche war ein zentraler Punkt im Stadtleben, bevor sie schließlich abgerissen wurde. Später entstand an dieser Stelle die berüchtigte Stasi-Zentrale der DDR, deren düstere Geschichte bis heute nachhallt. Der Kobold, wie die Legende berichtet, blieb weiterhin ein zentrales und gefürchtetes Phänomen in der Gegend. Die Bewohner glaubten, dass er mit dem schmerzvollen Vermächtnis der gefundenen Knochen in Verbindung stand. Kinder wurden angehalten, sich fernzuhalten und keine Fragen zu stellen, wenn sie seltsame Geräusche hörten oder unerklärliche Schatten sahen. Viele versuchten, den Kobold zu vertreiben. Es wurden Priester gerufen, um das Haus zu segnen, und Männer aus dem Dorf veranstalteten nächtliche Wachen, um den Unruhestifter zu fangen. Aber all diese Versuche scheiterten. Der Kobold ließ sich nicht so leicht vertreiben und verschwand ebenso schnell, wie er auftauchte, nur um an einer anderen Ecke des Hauses oder gar des ganzen Viertels erneut aufzutauchen. Interessanterweise wurde erzählt, dass der Kobold ab und an auch hilfreich sein konnte, wenn auch selten. Manchmal legte er verlorene Gegenstände zurück oder half dabei, Lebensmittel vor Mäusen zu schützen. Diese unberechenbare Natur machte es schwer, sich sicher zu fühlen, aber gleichzeitig hinderte es die Bewohner daran, den Hauskobold gänzlich loszuwerden. Nach vielen Jahren des Spuks und der sich träg ziehenden Normalität kam es dazu, dass das Haus eines Tages verkauft wurde. Der neue Besitzer, ein fremder Geschäftsmann, glaubte an solchen Aberglauben nicht. Er nahm groß angelegte Renovierungsarbeiten vor und ließ alle alten Wände niederreißen. Viele hofften, dass dies den Kobold für immer vertreiben würde, doch es schien, als ob er tatsächlich mit den tiefen Geheimnissen des Hauses verbunden war. Mit der Zeit verschwanden die Geschichten über den Kobold aus dem täglichen Gespräch, und die moderne Welt nahm ihren Platz ein. Doch bis heute gibt es Nachbarn, die schwören, nachts Schritte zu hören oder kleine Objekte an unerwarteten Orten zu finden. Sie wissen, dass der Kobold vielleicht niemals vollständig gegangen ist, sondern einfach nur im Verborgenen bleibt und darauf wartet, dass sein Erbe erneut gestört wird. In den dunklen Ecken des Matthäikirchhofs, wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen, lebt die Erinnerung an den Kobold weiter. Und während die meisten Menschen ihre alltäglichen Routinen fortsetzen, gibt es immer einige wenige, die noch in den Schatten schauen und sich fragen, wann der Kobold erneut auftauchen wird. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Leipzig. 🙂

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