Ein malerisches Fischerdorf am IJsselmeer ist Urk, das die älteste und kleinste Gemeinde der niederländischen Provinz Flevoland mit knapp 22.000 Einwohnern auf 11 Quadratmetern ist. Dieses Dorf, dessen Hafenpier ein 6 Meter großer Orca aus Kunststoff schmückt, da auf den alten Karten statt Urk der Name Orc vermerkt war, war einst eine Insel in der Zuidersee. Doch mit der Fertigstellung des Abschlussdeiches 1932 wurde aus dem Meeresarm Zuidersee der Binnensee IJsselmeer. Am 3. Oktober 1939 wurde der Bau des Deiches von Urk nach Lemmer vollendet, dadurch war Urk keine Insel mehr. Dies war ein historischer Moment, der mit großen Sorgen verbunden war, da die wichtigste Haupteinnahmequelle die Fischerei war. Doch diese brach nicht ein, was als „Wunder von Urk“ bezeichnet wird. Bis heute besitzt das urige Fischerdorf mit seinen engen Gassen, die Ginkies genannt werden, die größte Fischereiflotte der Niederlande, deren Männer größtenteils einen goldenen Ohrring tragen. Dies ist eine alte Tradition der Fischer in Urk, da der goldene Ohrring die Kosten für die Bestattung im Todesfall sicherte. Denn die Fischerei war gefährlich und viele Fischer wurden vom Meer verschlungen. Bekanntermaßen wurde damals der Fischfang nicht mit moderner Technik und großen Kuttern betrieben, sondern die Fischer besaßen kleine Kutter, die starken Stürmen und riesigen Wellen oftmals nicht standhielten. Allein im Zeitraum von 1865 bis 1905 verloren 210 Fischer ihr Leben. An diese vermissten Fischer erinnert das „Het Vissersmonument“ am Ortsrand, das im Mai 1968 von Königin Juliana enthüllt wurde. Auf 34 Marmortafeln sind die Namen von 368 vermissten Seeleuten eingraviert. Das Fischerdankmal, das von G. van der Leeder geschaffen wurde, zeigt eine Fischersfrau, die auf das Meer blickt, um Ausschau nach ihrem vermissten Mann zu halten. Am Sockel ist folgende Inschrift zu lesen: „Hier wendeten sie das Schiff und die Zurückgebliebenen warteten hier auf sie. Hier beteten sie für sie, litten aber auch sehr, als die Botschaft überbracht wurde. Viele blieben im Meer und hier werden sie registriert und man erinnert sich an sie.“ Das historische Fischermonument befindet sich auf einer kleinen Anhöhe, die einen fantastischen Blick auf einen kleinen Sandstrand am IJsselmeer bietet. Gegenüber vom Denkmal befindet sich die Kerkje aan de Zee, die Kirche am Meer. Urk gilt auch als die „Insel der Gläubigen“, da mehr als 90 Prozent der Einwohner regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Das Fischerdorf ist eines der strenggläubigsten Orte in Europa, das die Hochburg von orthodoxen Protestanten ist, weshalb die meisten Geschäfte und Restaurants sonntags geschlossen haben, was untypisch für die Niederlande ist. Bei meinem Besuch von Urk kam auch ich an der Kirche am Meer und dem Fischerdenkmal vorbei, mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂