Ein bestialischer Dreifachmord erschütterte 1887 nicht nur ganz Frankreich, sondern beherrschte auch wochenlang die Titelblätter der Tageszeitungen. Doch was war passiert? Es war der 17. März 1887 als in der Rue Montaigne 17 im 8. Arrondissement von Paris drei Leichen mit durchgeschnittenen Kehlen gefunden wurden. Die Schnitte waren so tief, dass diese schon fast einer Enthauptung glichen. Bei den Opfern handelte es sich um die 40 Jahre alte Claudine-Marie Regnault, einer stadtbekannten Kurtisane, die unter dem Pseudonym Régine de Montille ihre Liebesdienste ausübte sowie um ihre 38 Jahre alte Kammerzofe Annette Grémeret und deren 9 Jahre alte Tochter Marie Grémeret. Letztere hatte Schnittwunden in den Fingern der rechten Hand und 5 Schnittwunden am Handgelenk. Die drei Frauen mussten sterben, da ihr Mörder es auf Régine de Montilles Schmuck und Wertgegenstände abgesehen hatte. Zwar konnte er den Safe nicht knacken, dafür entwendete er Schmuck und Diamanten im Wert von über 150.000 Francs. Die Ermittlungen der Gendarmerie liefen auf Hochtouren. Im Wohnzimmerteppich war der Abdruck eines Männerfußes in einer geronnen Pfütze aus Blut zu erkennen. Zunächst geriet ein Mann namens Gaston Gessler ins Visier der Pariser Polizei, da neben einem unterzeichneten Brief mit dessen Initialen auch ein Ledergürtel und Manschettenknöpfe mit denselben bei Madame Régine de Montille gefunden wurden. Angeblich war der gesuchte Mann nach Belgien geflohen. Doch nach vier Tagen wendete sich das Blatt. Eine Bordellbesitzerin namens Madame Aline hatte sich auf dem Polizeirevier in Marseille gemeldet. Diese berichtete von einem Kunden namens Henri Pranzini, der häufig ihr Bordell „Chez Aline“ in der Rue Ventomagy in Marseille aufsuchte und zuletzt die Liebesdienste ihrer Prostituierten mit Diamanten und Edelsteinen bezahlt hatte. Madame Aline vermutete, dass diese Diebesgut war, weshalb sie die Polizei verständigte. Die Überprüfung des Schmucks ergab, dass dieser von der ermordeten Régine de Montille stammte. Da Madame Aline die Nummer des Kutschers notiert hatte, konnte Henri Pranzini noch in Marseille im Grand Théâtre verhaftet werden. Es stellte sich heraus, dass Henri Pranzini sich zum Zeitpunkt des Mordes tatsächlich in Paris aufgehalten hatte und auch Madame Montille kannte. Doch seine Geliebte Antoinette Sabatier gab ihm zunächst ein Alibi, das sie später aber widerrief. Henri Pranzini beteuerte gegenüber der Polizei seine Unschuld. Doch im Long-Champ-Park, wohin sich Henri Pranzini vom Kutscher hatte chauffieren lassen, wurde in einer Jauchegrube der gestohlene Schmuck von Madame de Montille gefunden. Auch bei der Wohnungsdurchsuchung von Henri Pranzini fand die Polizei Schmuck, der eindeutig Madame de Montille gehört hatte. Doch was hatte es mit dem anderen Verdächtigen namens Gaston Gessler auf sich? Es stellte sich heraus, dass Henri Pranzini 1881 an der Rezeption des Caprani Hotels in Neapel gearbeitet hatte. Da Henri Pranzini jedoch von seinem Vorgesetzten, Gaston Gessler, beim Diebstahl erwischt worden war, feuerte dieser Henri Pranzini, der aus Rache dessen Gürtel und Manschettenknöpfe entwendete, die er am Tatort zurückließ. Henri Pranzini beteuerte beharrlich seine Unschuld, der ein Sohn italienischer Einwanderer war, die sich in der Millionenstadt Alexandria in Ägypten niederließen, wo Henri Pranzini am 7. Juli 1856 geboren wurde. Nach seinem Studium arbeitete Henri Pranzini bei der ägyptischen Post und war auch als Dolmetscher auf Kreuzfahrten im Mittelmeerraum tätig. Henri Pranzini war ein Lebemann, der gern im Casion sein Geld aufs Spiel setzte und auch viel Geld bei Frauen ließ. Henri Pranzini verlor jedoch seine gute Stellung bei der Post, da er Briefe einfach öffnete und Geld daraus entwendete. Danach trat Henri Pranzini in die indische Armee ein und nahm an Kriegen in Afghanistan teil, bevor er in der russischen Armee diente. Henri Pranzini liebte das Abenteuer, der 1884 in die englische Armee eintrat und als Chefdolmetscher, er beherrschte 8 Sprachen fließend, an der Sudan-Expedition teilnahm. Anno 1886 strandete er mittellos in Paris, wo er als Übersetzer und Angestellter arbeitete. Darüber hinaus soll er mit Drogen gehandelt und sich auch als Zuhälter betätigt haben. Henri Pranzini war der Hauptverdächtige, bei dem auch blutbefleckte Kleidung gefunden wurde. Zudem passte die Beschreibung eines Pariser Ladenbesitzers auf Henri Pranzini, bei dem er ein scharfes Messer gekauft hatte. Bei der Mordwaffe des Dreifachmordes handelte es sich um ein scharfes Messer. Die Beweislast gegen Henri Pranzini war erdrückend, weshalb er des Dreifachmordes angeklagt wurde. Am 9. Juli 1887 begann der Prozess vor dem Seine Assize Court. Bereits am 13. Juli 1887 wurde er für schuldig befunden. Seine letzten Worte vor Gericht waren: „Ich bin unschuldig!“ Henri Pranzini wurde zum Tode verurteilt. Seine Gnadengesuche wurden abgelehnt. Am 31. August 1887 wurde Henri Pranzini vor dem Gefängnis Grande Roquette im 11. Arrondissement in Paris aufs Schafott geführt. Er bat vor der Hinrichtung den Kaplan um ein Kruzifix und küsste dreimal die heiligen Wunden Jesu, bevor er um 5 Uhr morgens vom Henker Louis Deibler enthauptet wurde. Dies war außergewöhnlich, da Henri Pranzini sich bis zu diesem Zeitpunkt völlig geweigert hatte, seine Verbrechen zu bereuen. War dies der Verdienst von Thérèse von Lisieux, die unaufhörlich für Henri Pranzinis Bekehrung gebetet hatte und später in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt wurde? Laut ihr selbst schon, die sagte: „Mein Gebet wurde buchstabengetreu erhört!“ Nach der Hinrichtung von Henri Pranzini wurde ein Abguss seines Kopfes aus Wachs, mundgeblasenen Glas und bedeckt mit menschlichem Haar hergestellt, um die körperlichen Eigenschaften von Kriminellen zu studieren. Dieser Kopf wurde im Schaufenster des Museums der Pariser Polizepräfektur aufgestellt. Die Leiche von Henri Pranzini kam in die Medizinische Fakultät, wo es zu einem weiteren Eklat kam. Denn dessen Haut wurde von einem Pariser Lederwarenhändler auf Wunsch von Gustave Rossignol, einem hochrangigen Mitarbeiter der Sûreté gegerbt, um daraus 2 Kartenhalter aus Leder anzufertigen, was natürlich geahndet wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von dem Einkaufszentrum „Les Docks Village“, das sich in Marseille befindet, wo einst Henri Pranzini verhaftet worden war. 🙂