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Vom Tellerwäscher zum Millionär

Die Redewendung „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ symbolisiert den amerikanischen Traum, dass jeder ungeachtet seines sozialen Standes durch eigene Kraft zum Millionär werden kann. Einer davon war Werner Hartmann, der am 2. Oktober 1961 mit 19 Jahren vom Schwarzwald mit dem Schiff „Hanseatic“ in die USA auswanderte. Seine erste Station wurde Florida, wo er sich mit Verkäufen auf Flohmärkten und als Zeitungsausträger zunächst über Wasser hielt. Anno 1964 lernte er als Zeitungsvertreter die Kellnerin Vasiliki kennen und lieben, die er wenig später zu seiner Frau nahm. Ein Jahr danach kam Stephanie und 1966 Eva zur Welt. Im Jahr 1966 zog die vierköpfige Familie nach Chicago, wo sich Hartmann auf den Einbau von Stereo-Autoradios spezialisierte. Damals waren HiFi-Anlagen in Autos eine Weltsensation. Hartmann hatte eine Marktlücke entdeckt. Er gründete ein Unternehmen, das stetig wuchs. 1977 hatte Hartmann sich seinen amerikanischen Traum erfüllt, er war Selfmade-Millionär, der mit seiner Familie in einer Villa im noblen Chicagoer Vorort Northbrook wohnte. Beruflich lief alles für den „Stereo-King“ wie ihn die Leute nannten bestens, aber privat lag die Ehe von Hartmann in Trümmern. Es folgte die Scheidung und Vasiliki zog mit den beiden Töchtern wieder nach Florida. Hartmann suchte Trost in Nacht- und Stripclubs, wo es zur schicksalhaften Begegnung mit der 24 Jahre alten Tänzerin Debra Stover, deren Spitzname „Miss Showcase“ lautete, kam. Einer Frau aus ärmlichen Verhältnissen, die mit 15 Jahren die Schule abgebrochen hatte und nun als Striptease-Tänzerin ihren Lebensunterhalt verdiente. Nur 2 Monate später heiratete er Debra. Hartmann war vernarrt in Debra, der er jeden Wunsch von den Augen ablas. Debra bekam einfach alles, was sie wollte. Statt dankbar zu sein, feierte diese jedoch ohne ihren Ehemann wilde Drogenpartys. Debra ging ständig fremd und machte daraus auch keinen Hehl. Einmal eskalierte ein Streit der beiden nach einer von Debra durchfeierten Partynacht derart, dass Hartmann Debra mit einer Pistole bedrohte. Als diese im Rolls Royce flüchtete, schoss er auf Debra. Ein anderes Mal fiel Debra bei der Polizei auf, da sie Champagnergläser aus dem Auto warf, in dem sie mit einem polizeibekannten Drogendealer saß. Hartmann verzieh Debra all ihre Eskapaden, bis diese im Oktober 1981 eine Liaison mit dem lokalen Tennisspieler und Teilzeitangestellten in einem Waffengeschäft, John Korabik, einging. Hartmann platzte endgültig der Kragen. Er reichte die Scheidung ein. Zu dieser Zeit war Hartmanns Firma bereits in schwere finanzielle Engpässe aufgrund des ausschweifenden Lebensstils von Debra geraten. Er bat seine Ex-Frau, die mittlerweile wieder in Chicago mit den beiden Töchtern lebte, ihm zu helfen die Firma wieder zum Laufen zu bringen. Vasiliki willigte ein, die nach Prüfung der Bilanzen entsetzt war, da die Firma faktisch pleite war. Die Schulden waren erdrückend. Der einstige Stereo-King stand vor dem Abgrund. Doch dies kümmerte Debra wenig, die im Januar 1982 zu ihrem Geliebten zog. Hartmann wollte daraufhin seine beiden Lebensversicherungen ändern. Er hatte eine bei dem Versicherungsunternehmen Prudential über 150.000 US-Dollar und eine weitere über 100.000 US-Dollar bei einem anderen Unternehmen. Statt Debra als Begünstigte wollte er nun seine beiden Töchter Eva und Stephanie einsetzen. Im März 1982 hatte er einen Sacharbeiter kontaktiert, um dies zu ändern. Zuvor schloss er noch bei der Prudential eine Risikolebensversicherung in Höhe von 250.000 Dollar ab, obwohl diese mehrere hundert Dollar im Monat kostete. Er ließ eine Klausel eintragen, die den doppelten Auszahlungsbetrag im Todesfall durch einen Unfall oder ein Gewaltverbrechen gewährleistete. Damit betrug die staatliche Summe aus den 3 Policen 800.000 US-Dollar. Dann passierte das Unfassbare. Werner Hartmann wurde am 9. Juni 1982 von seiner 14 Jahre alten Tochter Eva tot auf dem Boden des Schlafzimmers in seiner Villa in Northbrook aufgefunden. Seine Leiche war mit Schüssen durchsiebt worden. Die Tatwaffe war eine MAC 10. Schnell geriet Debra und ihr Liebhaber ins Visier der Ermittler, da Debra die Begünstigte aus den Policen war. Zudem gaben Bekannte von Hartmann an, dass dieser um sein Leben gefürchtet hatte. Er hatte ein Telefongespräch von Debra, die trotz ihrer Affäre wieder bei Hartmann ein und ausging, mitgehört, in dem Debra mit John ein Mordkomplott geplant hatten. Sie wollten ihn aus dem Weg räumen. Doch anstatt zur Polizei zu gehen, wollte Hartmann einen Leibwächter engagieren. Debra zog nach dem Mord an Hartmann mit ihrem Geliebten John in die Villa. Debra bestand nun auf die Auszahlung der Versicherung, die sich weigerte, da Debra als Tatverdächtige galt. Daraufhin reichte Debra Klage ein. Dann ging am 23. November 1982 ein Notruf bei der Polizei ein. Debras Geliebter John hatte die 911 gewählt, da er sich versehentlich mit einer Pistole gleichzeitig in beide Oberschenkel geschossen hatte. Die Geschichte klang an den Haaren herbeigezogen. Doch John behaarte auf seiner Version der Ereignisse, so dass es zu keiner Anzeige kam. Kurz darauf trennte sich das Paar und John zog aus der Villa. Nach eineinhalb Jahren hatte sich Debra mit der Prudential Versicherung in einem außergerichtlichen Vergleich geeignet. Sie erhielt 589.000 US-Dollar. Da Debra Schulden begleichen musste, verkaufte sie die Villa in Northbrook. Sie zog in ein kleineres Haus, das sie mit dem Geld aus der Versicherung umbauen ließ. Außerdem legte sie sich einen Mercedes zu. Zwischenzeitlich hatte der AFT-Agent Jim Delorto undercover gegen einen illegalen Waffenschieber-Ring in Chicago ermittelt, bei dem ihm der Waffenhändler Kenneth Kaenel in die Falle ging. Dieser prahlte von der Verwendung der Maschinenpistole MAC 10, mit der Hartmann erschossen worden war. Nach Recherchen stellte sich heraus, dass Kaenel mit John und Debra im Haus von Johns Vater in Chicago gelebt hatte. Dies konnte kein Zufall sein. Sie boten Kaenel einen Deal auf Strafmilderung an, wenn er Debra ein Geständnis entlocken könne. Diese hatte Kaenel damals 50.000 US-Dollar für die Ermordung von Hartmann geboten, was Kaenel abgelehnt hatte. Verkabelt suchte er in der Villa von Debra mit dieser ein Gespräch. Doch Kaenel warnte Debra. Daraufhin wurden die Ermittlungen erneut aufgerollt. Es stellte sich heraus, dass John laut Kreditkartenabrechnung und nicht Hartmann die Versicherungsprämie von der dritten Police in Höhe von 450 US-Dollar an das Versicherungsunternehmen gezahlt hatte. Aber warum? Merkwürdig war auch, dass die Unterschrift von Hartmann auf der letzten Versicherungspolice gefälscht worden war. Laut den Einzelverbindungsnachweisen der Telefonate hatte Debra und John immer wieder mit dem Sachbearbeiter der Prudential Versicherung Harvey Loochtan, der mit Kaenel ebenfalls befreundet war, telefoniert. Harvey wurde verhört, der gestand, dass ihm Debra 3.000 US-Dollar in bar gezahlt hatte, wenn er ihr helfen würde, dass sie und nicht Hartmanns Töchter, weiterhin die Begünstigte der Policen sei. Harvey, der nicht nur Geld, sondern auch sexuelle Gefälligkeiten von Debra erhielt, ließ sich darauf ein. Zwar konnte Debra, John und Kaenel nicht wegen des Mordes an Werner Hartmann angeklagt werden. Sie wurden am 21. Januar 1989 wegen Post- und Überweisungsbetruges verhaftet, weil sie sich verschworen hatten, die Versicherung um Hartmanns Lebensversicherungssumme in Höhe von 800.000 US-Dollar zu betrügen. Die 35 Jahre alte Debra wurde zu 22 Jahren Haft, der 34 Jahre alte John zu 16 Jahren Haft, der 62 Jahre alte Kaenel zu 20 Jahren Haft und der 52 Jahre alte Harvey wegen seines Geständnisses zu 2 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Strafprozess reichten die Töchter von Hartmann gegen die Prudential Versicherung und Debra Klage ein. Sie forderten die volle Summe, die der Versicherer der Witwe ausgezahlt hatte. Das Gericht gab den Klägerinnen recht. Debra wurde Ende September 2002 aus der Haft entlassen, John bereits Ende März 1999. Ihr Komplize Kaenel starb 1996. Für den Mord an Werner Hartmann wurde niemand jemals angeklagt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der Schwarzwaldmetropole Freiburg, der einstigen Heimat des ermordeten Werner Hartmann. 🙂

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