Im Jahr 1803 geschah im Londoner Stadtteil Hammersmith ein bemerkenswerter Vorfall, der nicht nur die lokale Bevölkerung erschütterte, sondern auch weitreichende rechtliche Implikationen für die Selbstverteidigung im britischen Recht mit sich brachte. Die Legende eines Geistes, der in der Gegend spukte, führte zu einem tödlichen Missverständnis, als der 29-jährige Zöllner Francis Smith einen unschuldigen Maurer namens Thomas Millwood erschoss. Diese Tragödie stellte eine entscheidende Frage zur Selbstverteidigung auf, die erst 180 Jahre später geklärt werden sollte. Alles begann im November 1803, als zahlreiche Einwohner von Hammersmith Berichte über einen gespenstischen Erscheinung abgaben. Viele behaupteten, sie hätten den Geist eines Mannes gesehen, der sich das Leben genommen hatte und dessen Seele angeblich nicht zur Ruhe kam, da Suizidopfer nicht auf geweihtem Boden beigesetzt werden durften, aber der Selbstmörder wurde auf dem Friedhof beigesetzt. Die Erscheinung wurde als groß und in weißen Gewändern beschrieben. Manchmal trug sie auch ein Kalbsfellkostüm mit Hörnern und großen Glaskugeln als Augen. Die Geschichten über den Geist nahmen Überhand. Es wurde berichtet, dass zwei Frauen, eine ältere und eine schwangere, auf getrennten Wegen von dem Geist überfallen wurden und daraufhin an Schock starben. Ein Nachtwächter namens William Girdler sah den Geist ebenfalls und gab an, ihm nachgejagt zu sein, bis er verschwand. Angesichts der wachsenden Angst vor dem Gespenst bildeten die Bürger bewaffnete Patrouillen, um dem Spuk ein Ende zu setzen. Am 3. Januar 1804 machte Francis Smith, während er als Teil einer der patrouillierenden Gruppen unterwegs war, Bekanntschaft mit Thomas Millwood, der auf dem Weg nach Hause war und die weißen Arbeitskleider trug, die für seinen Beruf typisch waren. Smith, der an diesem Abend mit einem Gewehr bewaffnet war, konfrontierte Millwood und feuerte ab, überzeugt davon, dass er dem Geist gegenüberstand. Millwoods Schwester hörte den Schuss und berichtete später, dass Smith Millwood aufgefordert hatte, anzuhalten. Doch bevor ihr Bruder reagieren konnte, drückte Smith bereits auf den Abzug. Nach dem Vorfall war Smith sichtlich aufgeregt, und als die Polizei eintraf, wurde er festgenommen. Der Prozess gegen Smith erregte großes Aufsehen und wurde zum Gesprächsthema in ganz London. Smiths Verteidigung bestand darin, dass er im festen Glauben gehandelt habe, er sei in Gefahr gewesen. Doch die Anklage betonte, dass Millwood nichts Verwerfliches getan hatte und dass das Töten unter diesen Umständen als Mord zu bewerten sei. Lord Chief Baron Sir Archibald Macdonald, der Vorsitzende Richter, stellte klar, dass für Mord kein böswilliger Vorsatz erforderlich sei, sondern lediglich die Absicht, jemandem Schaden zuzufügen. Nach intensiven Beratungen kam die Jury zu dem Schluss, dass Smith schuldig war. Er wurde ursprünglich zum Tode verurteilt, doch das Urteil wurde später in ein Jahr Zwangsarbeit durch König George III. umgewandelt. Der Fall löste eine Diskussion darüber aus, ob eine Handlung unter falschen Annahmen als gültige Verteidigung im britischen Recht angesehen werden kann. Die entscheidende Frage war, ob das Handeln in Selbstverteidigung oder zur Verhinderung eines Verbrechens gerechtfertigt sein könne, selbst wenn die zugrunde liegende Annahme falsch war. Erst im Jahr 1984 wurde dieser Punkt durch das Berufungsgericht klarstellt. Im Fall R v Williams (Gladstone) zeigte sich, dass das Gericht eine ähnliche Situation betrachtete. Williams handelte aus dem Glauben heraus, dass er einen Angriff verhinderte, jedoch wurde ihm dennoch Körperverletzung vorgeworfen. Der Lord Chief Justice stellte offiziell fest, dass auch in Fällen, in denen der Glaube an einen Angriff unbegründet ist, eine Verurteilung möglicherweise ungerechtfertigt sei, sofern die Überzeugung des Beschuldigten aufrichtig war. Der Hammersmith-Geist-Mordfall von 1804 bleibt ein faszinierendes Kapitel in der britischen Rechtsgeschichte, das zeigt, wie Aberglauben und Missverständnisse fatale Folgen haben können. Die nachfolgenden juristischen Überlegungen aus diesem Fall führten zu bedeutenden rechtlichen Veränderungen im Umgang mit Selbstverteidigung und der Annahme falscher Tatsachen. So wird der tragische Vorfall nicht nur als ein Mordfall betrachtet, sondern auch als Wendepunkt, der dazu beitrug, den Rechtsrahmen für zukünftige Fälle in Großbritannien zu definieren. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂
Der Geist im Londoner Stadtteil Hammersmith

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