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Margaret „Bill“ Allen und ihr mutiger Geschlechterkampf

Im England der späten 1940er Jahre ereignete sich ein bemerkenswerter Kriminalfall, der die Geschichte der britischen Justiz prägen sollte. Margaret Allen, besser bekannt als „Bill“, war nicht nur die erste Frau, die seit zwölf Jahren in Großbritannien hingerichtet wurde, sondern sie kämpfte auch ihr Leben lang gegen die herrschenden Geschlechterrollen an. Margaret Allen, die keinen Hehl aus ihrer Liebe zu Frauen machte und sich bewusst männlich kleidete, erblickte am 2. September 1906 als das zwanzigste von zweiundzwanzig Kindern einer Arbeiterfamilie in Rawtenstall in der Grafschaft Lancashire das Licht der Welt. Von früher Kindheit an zeigte sie eine ausgeprägte Präferenz für männliche Verhaltensweisen und Kleidung. In einer Zeit, als Geschlechteridentität noch ein absolutes Tabuthema war, lebte Allen offen als Mann und bestand darauf, „Bill“ genannt zu werden. Beruflich arbeitete sie als Busfahrerin bei der Rawtenstall Corporation, eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Position für eine Frau. Doch aufgrund ihres aggressiven und unhöflichen Verhalten gegenüber ihren Fahrgästen verlor Allen ihren Job. Allen übernahm daraufhin auch körperlich anstrengende Arbeiten wie das Laden von Kohle und Hausreparaturen, um sich über Wasser zu halten. 1935 behauptete Allen, sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen zu haben, die sie angeblich von einer Frau zu einem Mann machen sollte – eine Behauptung, die aufgrund der damaligen medizinischen Möglichkeiten stark angezweifelt wird. Ihre gesamten Ersparnisse hatte Allen in das ehemalige Polizeipräsidium von Rawtenstall investiert. Diese baufällige Gebäude in der Bacup Road hatte Allen gekauft, um dort zu leben. Ein besonderes Dorn war ihre 68 Jahre alte exzentrische Nachbarin Nancy Ellen Chadwick, die Allen mächtig auf die Nerven ging und die ihr Schicksal für immer besiegeln sollte. Am 28. August 1948 klopfte Nancy Ellen Chadwick an Allens Tür. Chadwick, eine als geizig bekannte Witwe, wollte sich angeblich nur eine Tasse Zucker leihen. Was als alltägliche Nachbarschaftsgeste begann, endete in einer brutalen Gewalttat. Allen, die nach eigenen Angaben „in einer ihrer seltsamen Stimmungen“ war, erschlug Chadwick mit einem Kohle-Hammer. Die Leiche von Nancy wurde am nächsten Tag vor Allens Haus gefunden, zunächst ging die Polizei von Fahrerflucht aus, bis diese die Kopfverletzungen der Witwe entdeckte. Die Polizeiarbeit wurde durch Allens eigenes Verhalten erheblich erleichtert. Sie zeigte ein auffälliges Interesse an den Ermittlungen und prahlte sogar in der lokalen Kneipe damit, die letzte Person gewesen zu sein, die das Opfer lebend gesehen hatte. Sie wusste Details über Chadwicks Kleidung, die nur der Täter kennen konnte, und machte die Polizei auf Chadwicks Handtasche aufmerksam, die im Fluss Irwell trieb. Am 1. September 1948 wurde Allen verhaftet. Die Beweise waren erdrückend: Blutspuren in ihrem Haus, Haare des Opfers an ihrer Kleidung und persönliche Gegenstände von Chadwick. Allen gestand die Tat mit den Worten: „Ich war in einer seltsamen Stimmung… sie bestand darauf hereinzukommen. Ich sah zufällig den Hammer in der Küche… und im Affekt schlug ich zu.“ Der Prozess am 8. Dezember 1948 dauerte nur fünf Stunden, die Jury brauchte lediglich 15 Minuten für ihr Urteil. Allen erschien in Männerkleidung vor Gericht. Trotz Versuchen ihrer Verteidigung, sie für unzurechnungsfähig erklären zu lassen, wurde sie zum Tode verurteilt. Eine Petition zu ihrer Rettung durch ihre einzige Freundin Annie Cook brachte nur 162 Unterschriften ein. Am 12. Januar 1949 wurde Margaret „Bill“ Allen im Strangeways-Gefängnis vom bekannten Henker Albert Pierrepoint hingerichtet. Bis zum Schluss zeigte sie keine Reue und verhielt sich trotzig. Ihr letztes Mahl, ein schlichtes Frühstück, stieß sie vom Tablett und bemerkte zynisch: „Wenigstens wird das niemand anders genießen können.“ Der Fall Allen ist aus mehreren Gründen bemerkenswert, der wichtige Fragen über Geschlechtsidentität, psychische Gesundheit und das britische Justizsystem der Nachkriegszeit aufwirft. Aus heutiger Sicht erscheint der Fall als tragisches Beispiel dafür, wie mangelndes Verständnis für Geschlechtsidentität und fehlende psychologische Unterstützung zu verheerenden Konsequenzen führen können. In der modernen Zeit hätte Allen möglicherweise als transsexuelle Person Hilfe und Unterstützung erhalten können, statt in einer Gesellschaft leben zu müssen, die ihre Identität nicht verstehen konnte oder wollte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Lancaster und Preston in der Grafschaft Lancashire. 🙂

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