Versteckt in den nebligen Wäldern und felsigen Hügeln im Norden Bornholms verbirgt sich eine Legende, die seit Generationen die Fantasie der Inselbewohner beflügelt: Krølle-Bølle, Bornholms kleiner Nationaltroll. Er lebt mit seiner Familie auf dem legendären Berg Langebjerg und gehört zum Volk der Unterweltbewohner, die laut dänischer Folklore über die Insel wachen. Doch was macht diesen unscheinbaren Troll so bedeutend, dass eine ganze Region ihre Sicherheit ihm zuschreibt? Die Unterweltbewohner, auf Dänisch „de underjordiske“ genannt, sind geheimnisvolle Wesen, deren Existenz tief in den Traditionen und Mythen Bornholms verwurzelt ist. Schon unsere Vorfahren wussten um ihre Macht und versuchten, sich durch Opfergaben ihr Wohlwollen zu sichern. Regelmäßig wurden Speisen und Getränke vor die Türen gestellt, um die Unterweltbewohner zu besänftigen. Wer jedoch ihre Geduld auf die Probe stellte oder sie gar verärgerte, riskierte Unglück und Pech für sein Haus und seinen Hof. Diese Geschichten mögen auf den ersten Blick wie Märchen erscheinen, doch sie sind ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes von Bornholm. Historische Berichte scheinen diese Legenden zu bestätigen: Bornholm war tatsächlich nie über einen längeren Zeitraum besetzt. Manche glauben, dass die mythische „Bornholmer Armee“ der Unterweltbewohner heimlich gegen Eindringlinge kämpfte. Dies zeichnet ein Bild des kleinen Krølle-Bølle als Schutzgeist, der sein Heimatland in schwierigen Zeiten verteidigt. Doch woher stammt dieser Glaube an die schützende Rolle der unterirdischen Wesen eigentlich? Eine Theorie besagt, dass diese Wesen ursprünglich Naturgeister waren, mit denen unerklärliche Naturphänomene wie plötzliche Stürme oder Erdbeben erklärt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich diese Vorstellungen zu einem System entwickelt, das die Menschen sowohl respektieren als auch fürchten. Es ist eine Mischung aus Mystik und praktischer Weisheit, da es Respekt vor der Natur und vor den ungelösten Geheimnissen der Welt lehrt. Ein weiterer faszinierender Aspekt dieser Geschichte ist, wie sehr Krølle-Bølle zur Identität und zum Tourismus auf Bornholm beiträgt. In den 1940er Jahren schuf der dänische Künstler Ludvig Mahler die Figur des Krølle-Bølle als Maskottchen und Schutzpatron der Insel. Seitdem taucht der Troll nicht nur in Kinderbüchern auf, sondern auch auf unzähligen Souvenirs von Bornholm, darunter T-Shirts, Tassen und Magnete. Der Einfluss der Figur ist so groß, dass Krølle-Bølle sogar im dänischen Kulturerbe-Register aufgeführt ist. Es gibt jedoch auch Wissenschaftler, die argumentieren, dass solche Mythen dazu dienten, soziale Normen zu festigen und in einer oft isolierten Umgebung ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Die Geschichten von Krølle-Bølle und dem Untergrundvolk gaben den Bewohnern ein Gefühl von Stolz und Selbstständigkeit, was in einer Region, die häufig von äußeren Mächten bedroht war, von unschätzbarem Wert war. Interessanterweise gibt es in anderen nordischen Ländern ähnliche Trollgeschichten. In Island beispielsweise sind Legenden über Elfen und das verborgene Volk weit verbreitet, und auch dort glaubt man, dass sie die Landschaft beschützen. Diese Parallelen deuten darauf hin, dass die Mythen vom Untergrundvolk Teil eines größeren Netzwerks von Geschichten und Überzeugungen sein könnten, die die nordischen Kulturen über die Jahrhunderte geprägt haben. Obwohl moderne Menschen dazu neigen, solche Erzählungen als bloße Folklore abzutun, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was sie über die menschliche Psyche verraten. Sie spiegeln den ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur wider, die Angst vor dem Unbekannten und das Verlangen nach Schutz und Ordnung in einer chaotischen Welt. In der heutigen Welt, in der Umweltfragen und der Schutz natürlicher Ressourcen eine immer wichtigere Rolle spielen, gewinnen Figuren wie Krølle-Bølle möglicherweise neue Bedeutung. Sie erinnern uns daran, dass die Verbindung zwischen Mensch und Natur kostbar ist und dass wir es uns nicht leisten können, diese Beziehung zu missachten. Vielleicht bergen die alten Mythen eine Weisheit, die wir in unserer modernen, technologiegetriebenen Welt wiederentdecken sollten. Der Mythos von Krølle-Bølle verbindet somit gekonnt Legende und Realität und spricht alte wie neue Generationen gleichermaßen an. Er zeigt, dass Fantasie und Tradition nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig und lehrreich sein können. In einer Welt, die sich ständig verändert, bleibt Krølle-Bølle ein fester Anker im stürmischen Meer der Zeit, ein Symbol für Beständigkeit und Schutz. Die Geschichte von Krølle-Bølle ist mehr als nur ein Märchen. Sie ist ein lebendiges Stück Kulturgeschichte, eine Einladung, die Magie anzunehmen, die überall um uns herum verborgen ist. In den Wäldern von Bornholm, unter dem wachsamen Blick seines kleinen Trollbewohners, bleibt die Insel ein Ort, an dem die Grenzen zwischen unserer Welt und der Unterwelt verschwimmen. Wenn Touristen und Einheimische gleichermaßen durch Bornholms wunderschöne Landschaften streifen, tut es ihnen vielleicht gut, einen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, ob sie spüren können, wie Krølle-Bølle im Hintergrund über sie wacht – unsichtbar, doch allgegenwärtig. Das ist das Geheimnis, das Bornholm so einzigartig macht, und ein Mysterium, das man am besten selbst erlebt. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Bornholm. 🙂
Bornholms Troll Krølle-Bølle, der Schutzpatron der Insel

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