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Hamburgs Einbrecherkönig Lord von Brambeck

Isabella Mueller @isabella_muenchen Hamburg

Isabella Mueller @isabella_muenchen Hamburg

Ein Mann, der sich nicht nur als Einrecherkönig in Deutschlands Kriminalgeschichte verewigte, sondern auch als waschechtes Hamburger Original, war Julius Adolf Petersen, besser bekannt als Lord von Brambeck. Diesen Beinamen hatte ihm einst die Hamburger Tageszeitung „Hamburger Fremdenblatt“ verpasst, da Petersen im Arbeiterviertel Brambeck, seit 1946 Brambek geschrieben, lebte und stets vornehm gekleidet war. Der blonde Mann mit blauen Augen und akkuratem Oberlippenbart trug gern einen dunklen Anzug mit weißem Hemd, Stehkragen, schwarzen Hut und Stockschirm. Doch wer war dieser Mann, der schon zu Lebzeiten eine berüchtigte Einbrecherlegende wurde, der 20 Meter Akten bei der Hamburger Polizei füllte? Julius Adolf Peterson erblickte am 7. Oktober 1882 in einer Kellerwohnung im Hamburger Stadtteil Barmbek das Licht der Welt. Peterson wuchs mit seinen drei Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Damit sein Vater die Familie ernähren konnte, schuftete dieser in einer Zigarrenfabrik. Anno 1896 zog die Familie in die Heitmannstraße im südlichen Barmbek. Schon in jungen Jahren geriet Peterson auf die schiefe Bahn, der im Alter von 13 Jahren für fünf Tage ins Zuchthaus wanderte. Er hatte einem Freund für ein paar Bonbons ein prall gefülltes Portemonnaie abgenommen, das dieser gefunden hatte. Peterson war ein eloquenter Junge, der sich nichts gefallen ließ. Als ihm sein Lehrer seinen Hintern mit einem Rohrstock versohlte, schleuderte er diesem aus Rache ein gefülltes Tintenfass ins Gesicht. Danach trauerte er sich vier Wochen lang nicht nach Hause, aus Angst vor der Strafe seines Vaters. Peterson beging fortan viele Diebstähle, bis er 1904 Kneipenwirt einer Bar an der Ecke Beim Alten Schützenhof und der Bartholomäusstraße wurde. Diese wurde zum beliebten Hotspot von Kohlearbeitern und Einbrechern, wobei die Zahl der Kriminellen deutlich überwog. Da Petersen sich auch mit Schutzpolizisten prügelte, wenn diese seine Gäste abführen wollten, verschaffte er sich Respekt bei den Einbrechern. Nach Sperrstunde betrieb Petersen in seiner Lokalität illegale Glücksspiele, womit er viel Geld scheffelte. Aber anno 1908 wurde Peterson erneut zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, weshalb seine Familie die Kneipe aufgab. Wieder in Freiheit setzte er seine kriminellen Aktivitäten als Anführer einer 200-köpfigen Verbrecherbande, die auch „Barmbecker Einbrechergesellschaft“ und später „Petersen-Konzern“ genannt wurde fort. Wenn einer seiner Komplizen von der Hamburger Polizei erwischt wurde, kümmerte sich Petersen darum, dass die Familie des Komplizen finanziell versorgt wurde. Petersens Spezialgebiet wurde das Knacken von Tresoren, die er per Handarbeit aufbohrte oder sich deren Schlüssel besorgte, in dem er nachts bei den schlafenden Opfern einbrach. Dies bezeichnete er als „Bettentour“. Seine große Liebe war Helmi Petersen eine blonde Frau von der Heilsarmee, die er 1911 heiratete. Doch die Ehe verlief trotz des gemeinsamen Sohnes Adolf, der nur Hatzel genannt wurde und 1915 geboren wurde, nicht glücklich. Seine Helmi liebte es in den vornehmen Kreisen Hamburgs zu verkehren. Sie konnte mit Petersens Gangsterfreunden nichts anfangen. Am 29. November 1920 gelang Peterson sein größter Coup. Er überfiel nachts mit sechs Komplizen das Hamburger Postamt 6 in der Susannenstraße. Insgesamt erbeuteten diese 221.00 Mark Bargeld und 335.000 Mark Briefmarken. Wenige Monate danach glückte es ihm den Geldtransport der Trabrennbahn Farmsen zu überfallen. Sein Anteil daraus betrug 40.000 Mark. Über diesen spektakulären Überfall berichtete auch das „Hamburger Fremdenblatt“, das Peterson sogar namentlich nannte. Daraufhin suchte dieser die Tageszeitung auf und forderte eine Rehabilitation. Schon am nächsten Tag erschien eine Gegendarstellung. Vom erbeuteten Geld kaufte er seiner Geliebten Frieda Goedje für 100.000 Mark eine Pension in den Colonnaden, einer der prächtigsten Straßen in Hamburg, in Alsternähe. Im Frühjahr 1921 folgte die Scheidung von Helmi. Kurz danach wurde Petersen im Juni 1921 wegen dem Einbruch in einem Wäschegeschäft in der Pension seiner Geliebten verhaftet. Nach 9 Monaten Einzelhaft und 5 Monaten mit Folterketten, die ihm abends angelegt wurden, legte Petersen schließlich am 20. April 1922 ein umfassendes Geständnis ab. Auf 94 Seiten gestand er 49 „bandenmäßig ausgeführte Einbrüche und Räubereien“ sowie das Aufbrechen von 14 Tresoren. Insgesamt nannte er 63 Komplizen. Am 31. März 1924 wurde Petersen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Im April 1932 wurde Petersen wegen guter Führung für ein halbes Jahr auf Bewährung in die Freiheit entlassen. Petersen kehrte zu seiner Geliebten Frieda Goedje in deren Pension zurück. Doch im Juni 1933 wurde Peterson wieder inhaftiert, da er zusammen mit dem Einbrecher Ernst Hannack und seinem jüngeren Bruder Adolf eine Falschgeld-Crew gegründet hatte, was Petersen energisch bestritt. Nur einen Monat später kam Petersen wieder frei, um Hannack an die Polizei auszuliefern. Doch dieser roch den Braten und schoss Petersen beim Treffen im Stadtteil Harvestehude an. Am 26. Oktober 1933 wurden beide verhaftet. Nur einen Monat danach erhängte sich Petersen in seiner Zelle in der Strafanstalt Fuhlsbüttel. Petersen hinterließ keinen Abschiedsbrief noch Motiv. Vielleicht hatte er Angst, dass er als Berufsverbrecher unter den nun herrschenden Nationalsozialisten nie freigekommen wäre. Petersen, der sich selbst als „bockbeiniger Mephistojünger, der Fluch der bösen Taten erlegen“ bezeichnet hatte, setzte der Regisseur Ottokar Runze mit dem Film „Der Lord von Barmbeck“ von 1973 für immer ein Denkmal. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Hamburgs Binnenalster. 🙂

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