Die Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten und ihr Gold des Baltischen Meeres
Isabella Mueller
Das westliche Eingangstor zur verträumten Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst mit ihren kilometerlangen Sandstränden auf der Seeseite und den malerischen Dörfern mit ihren wildromantischen Schilfbuchten entlang der Bodden, ist Ribnitz-Damgarten. Beide Städte entstanden im 13. Jahrhundert als befestigte Siedlungen, da über das Sumpfgebiet der Recknitzniederung sich die wichtige Handelsroute von der Hansestadt Lübeck zur Hansestadt Stralsund erstreckte. Die Städte waren durch den Fluss Recknitz voneinander getrennt, der auch die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern bildete. Dadurch lag Recknitz in Mecklenburg, während Damgarten zu Pommern gehörte. Dies änderte sich erst 1950 als die beiden Städte zur Doppelstadt mit reichlich Protest der Bevölkerung wurde, die seit 2009 die Bezeichnung Bernsteinstadt vor ihrem Namen führt. Der Grund dafür ist recht simpel, da in Ribnitz-Damgarten der Bernstein, das Gold der Ostsee verarbeitet wird und es dort auch das Deutsche Bernsteinmuseum im ehemaligen Nonnenkloster der Klarissinnen gibt, das die bedeutendste Bernstein-Sammlung Deutschlands beherbergt. Wie aus dem fossilen Harz von Nadel- und Laubbäumen wunderschöne Kreationen aus Bernstein entstehen, kann jeder hautnah in der Firma „Ostsee-Schmuck“ im Stadtteil Damgarten erleben. Diese hat dort ihre Produktionsstätte mit gläserner Schaumanufaktur, die die größte Bernsteinschmuck-Verkaufsausstellung Europas besitzt, die montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet hat. Auch ich stattete der Firma mit ihrer Schaumanufaktur einen Besuch ab, um mehr über die Herstellung von Bernstein zu erfahren. Dieser soll nach einer uralten Legende des römischen Dichters Ovid folgendermaßen entstanden sein. Einst hatte Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, dessen vierspänniges Sonnengefährt ohne Erlebnis und ohne ausreichende Erfahrung im Fahren entwendet, was natürlich nicht gut gehen konnte. Phaeton landete mit dem Gefährt prompt im Fluss Eridanos. Der Göttervater Zeus war darüber so erzürnt, dass er seine Schwestern, die sogenannten Heliaden, die Phaeton über sein Vorhaben informiert hatte, in Pappeln verwandelte. Schon bald weinten diese bittere Tränen, die sich auf der Erde in Stein verwandelten. Somit wurden die Tränen von Phaetons Schwestern zu glitzernden Bernsteinen. Heute zählt der Bernstein, dessen Name auf das mittelniederdeutsche Wort „bernen“, „brennen“ zurückgeht, zu den ältesten und beliebtesten Schmuck- und Heilsteinen. In der Schaumanufaktur in Damgarten konnte ich sehen wie aus dem Bernstein durch Sägen, Schleifen und Polieren wahre Kunstwerke gezaubert werden, mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂