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Die letzte Hexe Europas

Isabella Mueller @isabella_muenchen Straßburg

Isabella Mueller @isabella_muenchen Straßburg

Die letzte Frau, die in Europa offiziell als Hexe hingerichtet wurde, war die Magd Anna Göldi. Diese erblickte am 24. Oktober 1734 in der Schweizer Gemeinde Sennwald als viertes von acht Kindern des Adrian Göldi und Rosa Bühler das Licht der Welt. Anna wuchs in einfachen Verhältnissen auf, die ab ihrem 18. Lebensjahr als Magd zunächst im Pfarrhaus von Sennwald arbeitete. Anna wurde von Jakob Roduner schwanger. Kurz nach der Geburt erstickte Annas erstes Kind, weshalb Anna wegen Kindsmord verurteilt wurde. Danach wurde Anna Dienstmagd im Hause der Familie Zwicky in Mollis, wo deren Sohn Johann Melchior Zwicky Anna schwängerte. Anna brachte ihr zweites Kind in Straßburg zur Welt, wo sie dieses in vertrauensvolle Hände abgab. Anschließend nahm Anna eine Stelle als Magd im Haus des Arztes, Ratsherrn, Richter und Regierungsrats Johann Jakob Tschudi an, der aus einer der mächtigsten Familien des protestantischen Kantons Glarus stammte. Nachdem im Oktober 1781 bei dessen 8 Jahre alter Tochter Anna Maria im Zeitraum von fünf Tagen in deren Milch Stecknadeln gefunden wurden, fiel der Verdacht auf Anna, die am 5. November 1871 daraufhin entlassen wurde. Anna zog am 9. November 1871 zu ihrer Schwester nach Sax. Da die Tochter von Dr. Johann Jakob Tschudi nach Annas Entlassung bis Weihnachten über 100 Stück Fremdgegenstände wie Stecknadeln, Eisennägel und Drahtstücke spuckte, konnte dies nur bedeuten, dass Anna diese verzaubert hatte. Der Evangelische Rat Kantons setzte am 9. Februar 1782 eine Belohnung von Annas Göldis Kopf aus und ließ einen Steckbrief von Anna Göldis in den Zeitungen veröffentlichen. Am 2. März 1782 wurde diese auf ihrer Arbeit bei einem Wirt in Degersheim schließlich verhaftet. Zwar hatte die Tochter des Arztes Johann Jakob Tschudi kein sogenanntes „Gufenspucken“, das Ausspucken von Fremdgegenstände mehr, dafür aber Gichtanfälle, so dass Anna Maria nicht mehr laufen konnte. Anna Göldi wurde daraufhin der Verzauberung der Anna Maria Tschudi beschuldigt und angeklagt. Es kam zum Prozess, dessen eigentlicher Grund das sexuelle Verhältnis von Anna mit ihrem Dienstherrn Dr. Johann Jakob Tschudi war. Darüber hinaus war Anna eng mit dem Schwager des Arztes Rudolf Steinmüller befreundet, ein wohlhabender Mann, der mit der Familie Tschudi im Erbschaftsstreit stand. Dieser wurde kurzerhand als Annas Komplize mitangeklagt. Am 1. April startete der Prozess gegen Anna Göldi, die unter Folter alles gestand und Rudolf Steinmüller als Mittäter nannte. Der Schlosser hatte ihr an der Kirchweih 1781 ein Leckerli für Anna Maria gegeben, das Stecknadeln, Eisennägel und Drähte enthielt. In einem Sonderverhör am 3. April 1782 bestritt Anna von Dr. Tschudi geschwängert worden zu sein, der sich am 11. Juni darüber einen Legitimationsschein ausstellen ließ. Am 9. April wurde Rudolf Steinmüller verhaftet, der sich in den folgenden Tagen nachts erhängte. Dies galt als Eingeständnis seiner Schuld, woraufhin sein Vermögen konfisziert wurde. Am 6. Juni 1782 wurde Anna Göldi vom Evangelischen Rat zum Tod durch das Schwert verurteilt. Dieses Urteil wurde am 13. Juni 1782 vollstreckt. Obwohl Anna nicht aus Glarus stammte und daher die Gerichtsbarkeit bei einem gemeinen Gericht lag, welches hätte paritätisch aus katholischen und reformierten Personen zusammengestellt sein müssen, war das Urteil deshalb nicht rechtmäßig. Der Prozess und die anschließende Hinrichtung schlug europaweit hohe Wellen. Viele sahen das Urteil als ungerecht und den Prozess als abgekartetes Spiel an. Es ging in erster Linie um die Vertuschung der Affäre und damit um die Reinwaschung des Rufes von Dr. Johann Jakob Tschudi. Viele bezeichneten das Urteil als Justizmord. Schließlich nach vielen hundert Jahren wurde in der Landratssitzung vom 27. August 2008 die Rehabilitierung der Anna Göldi offiziell beschlossen. Dies war die erste Rehabilitierung einer sogenannten Hexe durch ein Parlament. „Was lange währt, wird endlich gut“. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos von Straßburg, wo Anna Göldi ihr zweites Kind zur Welt gebracht und dort in Obhut gegeben hatte. 🙂

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