Manuel Blanco Romasanta, ein Name, der vielen Spaniern noch heute Angst einflößt, war nicht nur Spaniens erster dokumentierter Serienmörder, sondern auch eine Gestalt, die einem noch heute Schauer über den Rücken jagt. Romasanta ging in die Geschichte ein – nicht nur wegen seiner brutalen Verbrechen, sondern auch wegen seines bizarren Versuchs, sich zu verteidigen, indem er behauptete, er sei von einem Fluch befallen, der ihn in einen Werwolf verwandelt habe. Obwohl diese Behauptung vom Gericht widerlegt wurde, machte sie ihn zu einer Legende und zum Gegenstand zahlreicher Mythen. Doch hinter dieser fast übernatürlichen Fassade verbirgt sich die grausame Realität eines Mannes, der die Schwächsten ausbeutete, um seine sadistischen Triebe zu befriedigen. Manuel Blanco Romasanta wurde am 18. November 1809 geboren, der in einer kleinen, bescheidenen Gemeinde aufwuchs. Er war unter seinen Dorfbewohnern als fleißiger Schneider bekannt, der von kleiner Statur, zwischen 1,37 und 1,49 Meter groß und blond war. Er galt als unauffälliger Zeitgenosse. Dies änderte sich jedoch als 1833 seine Ehefrau starb, mit der er erst 1 Jahr verheiratet gewesen war. Seine Frau starb unter ungeklärten Umständen, doch niemand hegte Verdacht. Nach ihrem Tod begann Blanco als reisender Händler zu arbeiten und nutzte die bergigen Regionen Galiciens und Portugals, die er durchquerte, um sein Geschäft auszubauen. Später arbeitete er auch als Führer und brachte Frauen und Familien sicher durch die gefährlichen Bergpässe. Dies verschaffte ihm nicht nur Vertrauen, sondern auch potenzielle Opfer. Die Welt begann sich zu fragen, wie tief die Dunkelheit in Romasantas Seele wirklich war, als er erstmals mit dem Tod von Vicente Fernández in Verbindung gebracht wurde. Fernández, ein Gerichtsdiener aus León, hatte von Blanco die Begleichung einer Schuld von 600 Reales verlangt. Tage später wurde er tot aufgefunden – es bestand kein Zweifel, dass er ermordet worden war. Romasanta, der nicht zum Gerichtstermin wegen des Mordes an Fernández erschien, wurde in Abwesenheit zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Um dieser Strafe zu entgehen, floh er in die Wildnis von Ermida, wo er sich 1 Jahr lang versteckte. Später tauchte er mit einem gefälschten Pass unter dem Namen Antonio Gómez wieder auf und lebte in einem abgelegenen Dorf. Hier arbeitete er als Koch und Spinner. Obwohl er ein gutes Verhältnis zu den Frauen des Dorfes hatte, wurde er von den Männern aufgrund seiner zurückhaltenden und sensiblen Art als Warmduscher angesehen. In den folgenden Jahren eskalierte Blancos finsterer Plan. Mehrere Frauen und Kinder verschwanden aus seinem Umfeld, meist nachdem sie ihn als Führer engagiert hatten. Zunächst bemerkte niemand etwas, da Romasanta die Familien der Opfer mit sorgfältig gefälschten Briefen täuschte, in denen er behauptete, die Reisenden seien sicher an ihrem Ziel angekommen. Doch bald kamen Gerüchte auf, da Romasanta die Kleidung der Vermissten auf lokalen Märkten verkaufte. Darüber hinaus verbreitete sich ein erschreckendes Gerücht, dass Romasanta Seife aus Menschenfett herstelle und auf den Märkten verkaufe. Im Jahr 1852 erstatteten mutige Bürger schließlich Anzeige gegen ihn. Die Ermittlungen führten zu seiner Verhaftung in Nombela. Der einst unscheinbare Schneider sah sich plötzlich dem Vorwurf ausgesetzt, Frauen und Kinder absichtlich in Fallen gelockt, sie ermordet und ihre Leichen ausgeweidet zu haben. Während des Prozesses, der in Allariz stattfand, sorgte Blanco für einen Schock, als er gestand dreizehn Menschen ermordet zu haben. Doch statt Reue zeigte er vor Gericht eine bizarre Selbstwahrnehmung. Unter Eid behauptete er, er sei kein Mensch, sondern das Opfer eines Fluchs, der ihn in einen Werwolf verwandelt habe. Seine detaillierte Beschreibung klang wie aus einem Horrorroman: „Das erste Mal verwandelte ich mich in den Bergen von Couso. Ich begegnete zwei Wölfen mit wildem Blick in den Augen. Plötzlich fiel ich zu Boden und bekam Krämpfe. Nach drei Umdrehungen war ich ein Wolf. Zusammen mit den anderen beiden jagte ich fünf Tage lang, bis ich wieder meine menschliche Gestalt annahm.“ Er fuhr fort, dass auch diese Wölfe einst Menschen gewesen seien – Männer aus Valencia, die wie er verflucht waren. Gemeinsam, vom Hunger getrieben, hätten sie Menschen angegriffen und gefressen. Luciano Bastida Hernáez, der Staatsanwalt, der eine Schlüsselrolle im Prozess spielte, konfrontierte Blanco mit seinem angeblichen Fluch. Bastidas Antworten waren präzise und vernichtend. Er fragte, ob Blanco sich vor Gericht einer Verwandlung unterziehen könne. Blanco antwortete, sein Fluch sei eine Woche zuvor abgelaufen, da er nur dreizehn Jahre gedauert habe. Die medizinischen Experten, die Blanco untersuchten, fällten ein vernichtendes Urteil. Sie wiesen seine Behauptungen als erfunden zurück. Ihrer Einschätzung nach zeigten phrenologische Untersuchungen keinerlei Anzeichen von Geisteskrankheit – vielmehr sei Blanco ein „vorsätzlicher Perverser“, der keinerlei moralische Skrupel besäße. Schließlich wurde Blanco wegen neun Morden verurteilt, bei denen eindeutige Anzeichen von Ausweidung und Zerfleischung gefunden wurden. Vier Opfer waren jedoch von wilden Wölfen vollständig zerfleischt worden, was ihn von diesen Anklagepunkten entlastete. Das Urteil war eindeutig: Tod durch die Garrotte. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses an dem Fall und einer Petition des französischen Hypnotiseurs „Mr. Phillips“ – vermutlich Joseph-Pierre Durand de Gros – wurde Blanco von Königin Isabella II. begnadigt. Anstatt dass sein Todesurteil vollstreckt wurde, sollte er lebenslang inhaftiert werden, damit Ärzte seine angebliche Lykanthropie untersuchen konnten. Unter Lykanthropie versteht man die Wahnvorstellung eines Mannes, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Nach seiner Verlegung ins Gefängnis von Celanova verlor sich jede Spur von Blanco. Es gibt Gerüchte, dass er wenige Monate später an einer Krankheit starb. Andere behaupten, ein Wärter habe ihn erschossen, um sicherzustellen, dass er sich nie wieder verwandeln würde. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass Blanco bis 1863 lebte und in Ceuta an Magenkrebs starb. Die Liste seiner Opfer liest sich wie ein Albtraum: Frauen und Kinder, die ihm vertrauten und von ihm brutal ermordet wurden. Unter ihnen waren Manuela García und ihre Tochter Petra, die gemeinsam in den Bergen von San Mamede starben, sowie Benita García Blanco und ihr Sohn Francisco, die auf einem Weg nach Rua Cantabras ermordet wurden. Am schlimmsten ist die Vorstellung, dass Blanco offenbar keine Reue empfand und einen schwachen Versuch unternahm, seine Gräueltaten mit verstörenden Lügen zu rechtfertigen. Blanco bleibt bis heute eine erschreckende Gestalt: ein Mann, der sich an den Schwächsten vergriff, der mit einem ruhigen Lächeln das Vertrauen der Menschen gewann und dann zuschlug. Sein Versuch, sich als übernatürliches Wesen darzustellen, verlieh seinen Gräueltaten eine morbide Faszination, die die Grenzen zwischen Wahrheit und Legende weiterhin verwischt. Doch wie auch immer man seine Geschichte betrachtet – ob als Monster, Mörder oder Mythos – Romasanta bleibt ein Synonym für das Böse in menschlicher Gestalt. Seine Verbrechen mögen seiner Zeit angehören, doch die Botschaft dahinter ist zeitlos: Grausamkeit kennt keine Grenzen, und manchmal reicht ein freundliches Gesicht aus, um die schlimmsten Verbrechen zu verbergen. Dir wünsche ich viel Freude mit Galiciens Hauptstadt Santiago de Compostela. 🙂
Manuel Blanco Romasanta: Der Werwolfs von Allariz

