Eine abscheuliche Serie von Doppelmorden an Liebespaaren ereignete sich zwischen 1953 bis 1956 in Düsseldorf. In diesem Zeitraum lauerte ein Täter Liebespaaren auf, die sich im Auto an einsamen Orten vergnügten, um diese zu beobachten, zu töten und auszurauben. Die Suche nach dem Serienkiller, der von den Medien die Namen der „Liebespaarmörder“ und der „Menschenjäger vom Rhein“ erhielt, lief auf Hochtouren. Insgesamt wurden 250.000 Fahndungsplakate verteilt und eine Belohnung von 15.000 Mark ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führte. Doch trotz, dass die Ermittler über 2.263 Hinweisen nachgingen, fehlte jede Spur vom Täter. Dieser schien wie ein Phantom zu sein. Aber dann kam der Polizei der Zufall zur Hilfe. Am 10. Juni 1956 fiel einem Förster ein Mann auf, der bei Meerbusch in einem Wäldchen ein Liebespaar beim Sex in ihrem Auto beobachtete. Als er versuchte dieses auszurauben, schrie die Frau um Hilfe. Diese Hilferufe hörte der Förster, der sofort mit seiner Drillingsbüchse zum Auto eilte und dem Mann befahl seine Hände auf seinen Kopf zu nehmen. Dann informierte er die Polizei. Als diese eintraf, fanden sie in der Hose des Mannes eine Pistole P 38. Die Polizei war sich sicher den Liebespaarmörder gefasst zu haben und nahm diesen zum Verhör mit aufs Revier. Bei dem Mann handelte es sich um den 31 Jahre alten Werner Boost, der am 6. Mai 1928 als uneheliches Kind einer ostdeutschen Bäuerin geboren wurde. Seine Kindheit verbrachte er in einem evangelischen Kinderheim in Düsseldorf-Kaiserwerth, in das ihn seine Mutter gegeben hatte. Danach kam er in ein Fürsorgeheim, da er seiner Mutter 300 Reichsmark gestohlen hatte. Seinen Vater hatte Werner nie kennen gelernt. Nach zwei abgebrochenen Lehren wurde Werner im Alter von 16 Jahren zur Wehrmacht eingezogen, wo er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Nachdem Kriegsende versuchte Werner seine abgebrochene Bäckerlehre zu beenden. Doch er scheiterte auch diesmal, weshalb er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs sowie als Fluchthelfer in der ehemaligen DDR bestritt. Für letzteres kassierte Werner eine dreiwöchige Gefängnisstrafe durch die Justiz der sowjetischen Besatzungszone. Anno 1949 heiratete Werner eine Mutter von zwei Töchtern, mit denen er nach Düsseldorf zog. Dort verübte er mit seinem 28 Jahre alten Freund Franz Lorbach einen Diebstahl, weshalb beide eine mehrmonatige Gefängnisstrafe verbüßen mussten. Während Werner auf dem Polizeirevier verhört wurde, meldete sich Franz Lorbach bei der Polizei, nachdem er von der Verhaftung von Werner aus den Medien erfahren hatte. Dieser handelte für sich eine Kronzeugenregelung aus. Franz bezeugte, dass Werner, der ihn hypnotisiert und unter Drogen gesetzt hatte, am 17. Januar 1953 am Düsseldorfer Wasserwerk „Am Staad“ den Anwalt des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bernd Servé erschossen hatte. Werner hatte diesen dabei beobachtet, wie er in einem Opel Kapitän mit dem 18 Jahre alten Adolf Hüllecremer intim geworden war. Daraufhin schoss Werner dem Anwalt in den Kopf und schlug dessen Freund mit der Pistole nieder. Werner und Franz glaubten, dass Adolf durch den Schlag mit der Pistole getötet worden war. Doch dieser stellte sich tot und überlebte dadurch. Werner und Franz entwendeten deren Wertgegenstände und flüchteten. Im November 1955 hatte die Polizei aus einer mit Wasser gefüllten Kiesgrube bei Düsseldorf-Kalkum einen versenkten blauen Ford geborgen. In diesem befanden sich die Leiche des 26 Jahre alten Bäckers Friedhelm Behre und dessen junger Freundin Thea Kürmann. Beide waren ausgeraubt und erschossen worden. Nur wenige Monate danach entdeckte die Polizei am 8. Februar 1956 ein Auto, das voller Blut war. Nur einen Tag später fand die Polizei unweit vom Fundort des Auto zwei verkohlte Leichen in einem ausgebrannten Heuschober. Diese wurden als die 20 Jahre Sekretärin Hildegard Wassing und deren Freund Peter Falkenburg identifiziert. Beide waren ausgeraubt und erschossen worden. Der Mann war durch einen Kopfschuss ermordet worden, der denselben ungewöhnlichen Schusswinkel wie bei dem 1953 ermordeten Anwalt Bernd Servé aufwies. Bei der Hausdurchsuchung von Werner fand die Polizei neben einem Waffenlager, auch ein Chemiekaliendepot mit Zyankali und Salzsäure. Laut Franz hatte Werner damit experimentiert, um lautlos und perfekt töten zu können. Im Strafverfahren am Düsseldorfer Landgericht im Juni 1956 konnte Werner Boost aufgrund der Aussagen von seinem Komplizen Franz Lorbach wegen Mordes an Bernd Servé in Tateinheit mit schweren Raubes zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt werden. Für die anderen Morde gab es nicht ausreichend Beweise. Dies sorgte für großes Entsetzen nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei der Polizei. Franz Lorbach bekam als Kronzeuge der Anklage 6 Jahre Haft. Nach 34 Jahren wurde Werner Boost im Jahr 1990 aus der Haft entlassen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Leipzig, der zweitgrößten Stadt in der ehemaligen DDR, wo sich Werner Boost als Fluchthelfer betätigt hatte. 🙂