Ein Kriminalfall, in dem sage und schreibe 4.600 Münchner Porschefahrer überprüft wurden und der dafür verantwortlich war, dass das Bundesverfassungsgericht ein Grundsatzurteil zum Thema Massengentest aussprach, ist der Mord an der 24 Jahre alten Andrea Bergmaier in Nehren. Am 31. Dezember 1992 hatte Andreas Freund Dietmar U., ein Computerfachmann aus München, diese zum gemeinsamen Jahresausklang abholen wollen. Als er in Nehren beim Mehrfamilienhaus ankam, sah er sofort, dass die Terrassentür von Andreas 1-Zimmer-Appartement im Erdgeschoss offen stand. Als er die Wohnung betrat und nach Andrea rief, fand er diese tot auf ihrem Bett liegend nur mit einem Negligé bekleidet vor. Sofort alarmierte er die Polizei. Die Obduktion ergab, dass Andrea mehrfach mit einem Messer in den Hals gestochen worden war, bevor ihr Mörder ihr die Kehle durchschnitt. Andrea verblutete qualvoll. Zuvor hatte Andrea noch Geschlechtsverkehr gehabt, da Sperma auf ihrer Kleidung und in ihrem Mund gefunden wurde. Da Andrea keine Verletzungen im Intimbereich hatte, ging die Polizei von einvernehmlichem Sex aus. Es gab weder Einbruchsspuren, noch waren Wertgegenstände entwendet worden, einzig ein Buch mit Telefonnummern von Andreas Bekannten fehlte. Vermutlich hatte der Mörder dieses entwendet, um ihm nicht auf die Schliche zu kommen. Die einzige Spur die Andreas Mörder hinterlassen hatte, war dessen Sperma. Die Ermittler konzentrierten sich zunächst auf das Umfeld von Andrea, die als technische Zeichnerin in einer Maschinenbaufirma gearbeitet hatte. Zeugen berichteten, dass Andrea in letzter Zeit oft Besuch von einem 25 bis 35 Jahre alten, sehr gut aussehenden Porschefahrer mit Münchner Kennzeichen gehabt hatte. Andrea, die seit ihrer Schulzeit mit Dietmar U. zusammen war, war eine äußerst attraktive Frau, die ein begeisterter Aerobic-Fan war. Jeden Tag besuchte sie den Fitness-Club „Pegasus“ in Dußlingen, wo sie auch als Barkeeperin ab und zu aushalf. Auch am Tag ihrer Ermordung war Andrea im Fitness-Club, als gegen 21 Uhr ein Unbekannter den Club betrat, der an der Tür stehen blieb und mit Andrea Blickkontakt aufnahm. Ein Mitarbeiter drückte diesem einen Flyer in die Hand, da er dachte, er interessiere sich für den Fitness-Club. Danach verschwand der Mann wieder. Andrea war danach recht aufgewühlt, die das Fitness-Studio gegen 22.15 Uhr verließ und mit ihrem Peugeot vom Parkplatz fuhr. Danach sah ein Autofahrer gegen 22.30 Uhr einen Porsche mit Münchner Kennzeichen vor Andreas Wohnung parken. Da die Scheiben keinen Raureif aufwiesen, hatte dieser seinen Porsche erst vor kurzem dort abgestellt. Die Ermittler fokussierten sich auf den ominösen Porschefahrer, mit dem Andrea wahrscheinlich ein Doppelleben geführt hatte. Ihr Freund Dietmar mit dem Andrea noch 10 Tage vor ihrer Ermordung Urlaub auf Teneriffa gemacht hatte, wusste nichts von einem zweiten Mann in Andreas Leben, die nach München ziehen wollte. Andrea, die häufig die bayrische Landeshauptstadt besucht hatte, hatte sich bei einer Münchner Firma beworben und schon ein Einstellungsgespräch geführt. Am 10.September 1993 wurde der Mord an Andrea in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ thematisiert. Zwar gab es danach Hinweise, doch diese verliefen im Sande. Aus diesem Grund startete die Polizei ein Täterausschlussverfahren, in dem bis 1996 über 3.500 Porschefahrer befragt wurden und in 900 Fällen diese die Männer zu einer Blutentnahme aufforderten. Bis auf einen Mann zeigten sich alle kooperativ. Dieser war der 30 Jahre Porschefahrer Rolf M. aus München, der letztlich gerichtlich zur Blutentnahme gezwungen wurde, aber auch dieser konnte als Mörder nach der Genanalyse ausgeschlossen werden. Der Fall schlug hohe Wellen, bei dem der bis dahin größte Massen-DNA-Test durchgeführt worden war. Da Andrea auch in der Münchner Schickeria Kontakte gepflegt hatte, wurden auch Prominente und Rotlichtgrößen zum Gentest aufgefordert. Doch wieder gab es keinerlei Hinweise auf Andreas Mörder. Nach 7 Jahren gab es nichts, was zu Andreas Mörder führte. Die Kripo Tübingen, die sich bis dato auf den Porschefahrer eingeschossen hatte, aber dessen Spur ins Blaue führte, durchleuchtete nochmals Andreas Umfeld. Dabei stießen sie auf eine Putzfrau, die im Wohnhaus von Andrea regelmäßig das Treppenhaus geputzt hatte. Im Verhör erfuhr die Kripo, dass dies ihr Ehemann Holger M. für sie übernommen hatte, da sie noch in einer Metzgerei gearbeitet hatte. Holger M. war aufgrund seiner kaputten Hüfte Frührentner, der wegen seiner Schreibschwäche und seines Sprachfehlers die Sonderschule besucht hatte. Danach hatte er erfolgreich eine Mechanikerlehre absolviert, bis ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Fortan war er Hausmann, der sich um den gemeinsamen Sohn kümmerte. Das Ehepaar lebte in einem Haus in Ofterdingen. Kurz vor Weihnachten hatte er Andrea kennen gelernt, als er das Treppenhaus für seine Ehefrau geputzt hatte. Diese hatte ihn gefragt, ob er ihren Rollladen reparieren könne. Dies tat Holger M., der jeden weiteren Kontakt abstritt. Doch das Ergebnis seiner abgegebenen Speichelprobe ließ keinen Zweifel offen, das Sperma stammte von Holger M., der folglich Andreas Mörder war. Nicht ein Porschefahrer aus München, sondern ein Frührentner, der Golf fuhr, hatte Andrea ums Eck gebracht. Im Verhör gestand er eine Affäre mit Andrea gehabt zu haben. In der Nacht zum 30. auf den 31. Dezember hatte er Andrea in ihrer Wohnung in Nehren besucht, wo sie Sex miteinander hatten. Danach wollte er zu seiner Ehefrau ins Haus zurückkehren. Es kam zum Streit. Als Andrea ihm drohte, den Seitensprung seiner Ehefrau zu beichten, brannten bei ihm sämtliche Sicherungen durch. Er schnappte sich ein Küchenmesser und stach auf Andrea ein. Anschließend verließ er über die Terrassentür die Wohnung. Holger M. wurde wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt, der jedoch die Vergewaltigung abstritt. Nach 7 Verhandlungstagen wurde am 23. Mai 2003 vor dem Landgericht Tübingen das Urteil gesprochen. Holger M. erhielt 11 Jahre Haft wegen Totschlags, eine Vergewaltigung und Vertuschung der Tat lag nicht vor. Bis heute konnte das Rätsel um den geheimnisvollen Porschefahrer nicht geklärt werden, mit dem Andrea eine Art Doppelleben geführt hatte. Dafür war Andreas Mörder endlich gefasst worden, der sich als einfacher Putzmann entpuppt hatte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der bayrischen Landeshauptstadt München. 🙂