Einer der bekanntesten Muttermörder war Orestes aus der griechischen Mythologie. Ein Mann, der ebenfalls Matrizid beging, der Fachausdruck, wenn ein Kind seine Mutter tötet, war Kalistros Max Thielicke. Der Mord von Kalistros an seiner Mutter Anfang August 1930 erschütterte ganz Berlin und schmückte wochenlang die Titelseiten der Boulevardzeitungen. Aber warum hatte Kalistros seine Mutter auf bestialische Weise mit 17 Messerstichen getötet? Kalistros erblickte am 4. Oktober 1905 als unehelicher Sohn der Schneiderin Camilla Thielicke und eines wohlhabenden Tabakwarenfabrikanten in Berlin das Licht der Welt. Er wurde auf den Namen einer Zigarettenmarke getauft, die sein Vater als Tabakwarenfabrikant in seinem Sortiment hatte. Bis zu seinem 6. Lebensjahr wurde Kalistros von seiner herrschsüchtigen Mutter in deren Schneideratelier unweit des Kurfürstendamms von seiner Umwelt isoliert, der keinerlei Kontakt zu anderen Kindern hatte. Kalistros war ein hochbegabter und äußerst sprachgewandter Junge, der von einem Privatlehrer zuhause unterrichtet wurde. Kalistros Leidenschaft galt der nordamerikanischen Indianerkultur und deren Sprachen. Er war so wissbegierig, dass er sogar indianische Dialekte beherrschte. Per Zufall lernte der berühmte Autor Gerhart Hauptmann Kalistros kennen, der ihm ermöglichte das Reforminternat Wickersdorf im Thüringer Wald zu besuchen. Dies galt als eine Eliteschule der Oberschicht. Doch Kalistros eifersüchtige Mütter gönnte ihrem Sohn den Aufenthalt dort nicht, der auf Drängen seiner Mutter dieses wieder verlassen musste. Das Zusammenleben gestaltete sich immer schwieriger, da das Ziel der Begierde seiner nymphomanisch veranlagten Mutter bald Kalistros selbst wurde. Um dieser zu entkommen, unternahm Kalistros Reisen nach Paris und in nordamerikanische Indianergebiete. Seine guten Kontakte aus seiner Zeit im Internat finanzierten diese Reisen. Als er wieder nach zuhause zurückkehrte, spitzte sich der Mutter-Sohn-Konflikt immer mehr zu, der seinen Höhepunkt erreichte, als Kalistros heiratete. Kalistros Mutter tobte vor Wut, der sich nicht anders zu helfen wusste, als diese zu töten. Insgesamt 17 Mal stach er mit all seinem angestauten Zorn auf seine übermächtige Mutter ein. Dann ging der 26 Jahre alte Kalistros am 7. August 1930 auf das Polizeirevier 157 in Berlin Wilmersdorf, wo er eine Selbstanzeige machte. Er gestand seine Mutter in Notwehr getötet und dann nach indianischem Ritual in einen Stoff gewickelt und zu einem Paket verschnürt zu haben. Tatsächlich fanden die Polizeibeamten die Frauenleiche genauso vor. Kalistros wurde nun vom Kriminalkommissar Arthur Nebe verhört, zu dem der junge Mann schnell Vertrauen fasste. In der Öffentlichkeit sorgte der Mord für Entsetzten, zumal Kalistros mit seinen langen Haaren, dem schwarzen Samtanzug, dem weißen Schillerkragen und einem Messer im Gürtel, das klassische Bild eines Bohemien widerspiegelte. Für den kaltblütigen Mord an seiner Mutter wurde der sensible Kalistros 1931 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1940 wusste Kalistros nicht, an wen er sich wenden sollte. Alle hatten sich von ihm abgewandt. Da erinnerte er sich an den Kriminalkommissar Arthur Nebe, der inzwischen Reichskriminaldirektor war. Der SS-Sturmanführer war damit der ranghöchste Kriminalbeamte des „Dritten Reiches“, der im „Reichssicherheitshauptamt“ für den SS-Chef Heinrich Himmler tätig war. Dieser kam auf dessen Empfehlung in das „Sonderkommando Dirlewanger“, das als eines der grausamsten Straf- und Spezialeinheiten galt. Das Sonderkommando führte der SS-Offizier Dirlewanger an, das aus Schwerverbrechern bestand. Dirlewanger war einst ein angesehener Mann, der promovierter Kaufmann und Steuerberater sowie Mitglied der NSDAP war, bis er 1934 wegen Kindesmissbrauchs zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Er hatte ein 13 Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht. Dies kostete ihm seine berufliche und politische Karriere. Doch er hatte einen großen Fürsprecher. Dieser war Gottlob Berger, der ihm riet sich als Freiwilliger der Spanischen Fremdenlegion zu melden. Dirlewanger kämpfte ihm Spanischen Bürgerkrieg an der Seite von General Franco und erhielt für seine Verdienste das Spanische Kreuz. Danach kehrte er nach Deutschland zurück, wo er wieder in die NSDAP aufgenommen wurde und seinen Doktortitel zurückerhielt. Nach Gesprächen im Juni 1940 mit Heinrich Himmler wurde er in die SS aufgenommen. Ab dem 1. September 1940 war er Kommandant der SS-Spezialbataillon Dirlewanger, zu der auch Kalistros kam. Unter dem Kommando von Dirlewanger wurde der einst so feinfühlige Kalistros zum eiskalten Massenmörder. Das Sonderkommando Dirlewanger war für seine grausamen Hinrichtungen in den Ostgebieten bekannt. Kalistros wurde schließlich auf der Straße zwischen Blonie und Sochaczew von einer Kugel getroffen. Er starb am 21. August 1944 im Feldlazarett 29 durch einen Kopfstreifschuss mit Gehirnbeschädigung. Er wurde auf dem Heldenfriedhof Seroki nördlich von Lodz beigesetzt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der malerischen griechischen Insel Santorini, dem Heimatland des wohl berühmtesten Muttermörders Orestes. 🙂