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Der Mittagsmörder

Isabella Mueller @isabella_muenchen München

Isabella Mueller @isabella_muenchen München

Im Zeitraum von 1960 bis 1965 ereignete sich um die bayerische Stadt Nürnberg eine Serie von Raubüberfällen, bei der 7 Menschen getötet wurden. Da die Verbrechen immer zur Mittagszeit passierten, erhielt der Täter in den Medien den Namen „Der Mittagsmörder“. Der erste Raubüberfall geschah am 22. April 1960 in der Tuchergartenstraße in Nürnberg. Dort war ein Mann in die Wohnung einer älteren Dame eingebrochen. Als diese den Täter ertappte, schrie sie laut um Hilfe. Sofort eilte ihr Untermieter und ihr Verlobter herbei, die der Mann ohne Vorwarnung erschoss. Danach flüchtete er ohne Beute. Trotz groß angelegter Suchaktion und einer genauen Beschreibung des Täters durch die ältere Frau, konnte dieser nicht ausfindig gemacht werden, der als Mordwaffe eine FN Herstal Kaliber 7,65 mm benutzt hatte. Ein Jahr ohne eine Spur des Täters strich ins Land, weshalb eine der größten Fahndungsaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gestartet wurde. In dieser wurden 50.336 Personen, alle Männer der Jahrgänge 1939 bis 1940, die zur Tatzeit in Nürnberg gelebt hatten, untersucht. Dann schlug der Täter am 10. September 1962 erneut zu. Er überfiel in Ochenbrück zur Mittagszeit eine Sparkasse, bei dem er den Filialleiter Erich Hallbauer mit einer Walther PPK-Pistole erschoss und mit 3.000 DM Beute in Richtung Bahnhof flüchtete. Nur 20 Tage später überfiel der Täter eine Sparkassenfiliale in Neuhaus an der Pegnitz. Bei dem Überfall erschoss er den Firmenboten Oskar Seidel mit einer Walther P38. Dieser hatte den Überfall nicht mitbekommen und in seiner Brusttasche nach einer Lesebrille gesucht, als ihn der tödliche Schuss traf. Die Polizei tappte völlig im Dunkeln, wer der Täter war. Dann wurde am 29. März 1963 der Besitzer eines Waffengeschäftes namens Helmut Wannwacker und dessen Mutter Karola Wannwacker erschossen. Es stellte sich heraus, dass die Geschosse, Hülsen und Schussmerkmale aus denselben Walther-Pistolen stammten, die bei den Raubüberfällen in Ochenbrück und Neuhaus verwendet wurden. Fast 2 Jahre vergingen, bis am 1. Juni 1965 ein Mann versuchte in einem Nürnberger Kaufhaus, einer Frau deren Handtasche zu stehlen. Als Passanten herbeieilten, um der Frau zu helfen, ergriff der Täter die Flucht. Nach einer Schießerei mit der Polizei, in der der Hausmeister Hermann Thieme des Kaufhauses getötet und zwei weitere schwer verletzt worden waren, konnte der Täter verhaftet werden. Bei dem Mann handelte es sich um Klaus Gosmann, einem Offizierssohn, der nach dem Abbruch seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg sich 1964 freiwillig als Offiziersanwärter gemeldet hatte. Er absolvierte seine Ausbildung bei verschiedenen Pioniereinheiten in Koblenz und München und beantragte anschließend wiederholt seine Entlassung. Diese scheiterte, weshalb er im April 1965 desertierte und seitdem unter falscher Identität in Nürnberg lebte. Bei seiner Wohnungsdurchsuchung wurden Pistolen gefunden, die eindeutig als die Tatwaffen der tödlichen Raubüberfälle identifiziert werden konnten. Aufgrund der erdrückenden Beweislast legte Klaus Gosmann ein umfangreiches Geständnis ab. Am 27. Juli 1967 wurde er wegen 5-fachen Mordes und 3 besonders schweren Raubfällen zu lebenslanger Haft verurteilt. Da er beim ersten Doppelmord noch keine 21 Jahre alt war, wurde dieser nicht verhandelt. Am 26. Februar 2015 im Alter von 74 Jahren wurde Klaus Gosmann nach 50 Jahren Haft aus der Justizvollzugsanstalt Straubing entlassen. Er hatte ein halbes Jahrhundert hinter Gittern verbracht und war bis dato Bayerns dienstältester Häftling. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der bayrischen Landeshauptstadt München. 🙂

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