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Das Babyfressende Monster

Isabella Müller Le Havre Frankreich @isabella_muenchen

Isabella Müller Le Havre Frankreich @isabella_muenchen

Als Kindermörderin ging Anna Delpech, besser bekannt als L´Ogresse, in die französische Kriminalgeschichte ein. Der Name leitete sich von Ogre, einem menschenfressenden Ungeheuer in der französischen Mythologie ab. Man schreibt das Jahr 1868, als in den letzten beiden Augustwochen zwei Frauen in der französischen Gemeinde Corbarieu bei Montauban in Südfrankreich, eine an Blutungen aus dem Unterleib und eine an einer Darmfellentzündung starben. Beide Frauen waren schwanger gewesen. Ihr Tod wurde durch eine illegale Abtreibung herbeigeführt. Schnell geriet der Verdacht auf Anna Delpech, eine 53 Jahre alte, sehr große und sehr stabile Frau, die bereits 1863 eine Strafe wegen Diebstahls und Betrugs verbüßt hatte. Anna lebte in einem kleinen Haus in einer Vorstadt von Montauban, das aufgrund seines weißen Vierecks über Haustür „Perno blanco“ genannt wurde, in dem sich regelmäßig zwielichtige Leute trafen. Anna selbst wurde von den Einwohnern nur „gatano gatassa“, was dicke, böse Katze bedeutet, genannt. Anna war bekannt dafür, dass sie Frauen, die ungewollt schwanger geworden waren, half deren Kinder in die Obhut der Anstalt Nazareth in Cadillac zu geben. Auch Emilie Lages, die im November 1867 eine Tochter geboren hatte, brachte diese zu Anna, damit diese das Kind dorthin bringen sollte. Dafür zahlte Emilie Anna am 13. August 1868 40 Francs. Da Emilie ihre Tochter seitdem schrecklich vermisste, erkundigte sie sich bei Anna, ob diese gut angekommen war. Anna beteuerte, dass es Emilies Tochter dort an nichts fehlen würde. Doch nachdem Anna wegen den Todesfällen der beiden Frauen verhaftet worden war, begann Emilie Nachforschungen über den Verbleib ihrer Tochter zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass es in Cadillac gar keine solche Einrichtung gab. Daraufhin suchte Emilie Anna im Gefängnis auf, um diese zur Rede zu stellen. Anna antwortete Emilie recht zynisch, dass ihre Tochter längst im Abfluss liegt. Diese Information teilte Emilie der Polizei mit, die Annas Haus daraufhin auf den Kopf stellten und tatsächlich im Abfluss die oberhalb der Knie abgetrennten Beine und dann den Körper eines 9 Monate alten Babys fanden. Außer diesem abscheulichen Fund, fand die Polizei nichts. Doch in derselben Straße gab es ein weiteres kleines Haus, in dem Anna bis 1964 2 Jahre lang gewohnt hatte. In diesem fand die Polizei viele von Ratten zernagte und verstümmelte Kinderskelette. Unter dem Fußboden im Wohnzimmer wurden 2, unter der Treppe 1 und im Anbau 2 weitere Kinderskelette entdeckt. Anna hatte zwischenzeitlich ein umfassendes Geständnis abgelegt. In diesem hatte sie auch ausgesagt, dass sie zusammen mit der angesehenen Hebamme Coyne Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen hatte. Natürlich verbreitete sich das Gerücht der beiden Engelmacherinnen, wie der Volksmund Frauen bezeichnete, die Abtreibungen vornahmen, wie Laubfeuer in der Stadt. Vermehrt wurden Gerüchte laut, dass Anna die getöteten Kinder zubereitet und verspeist habe. Anna selbst gestand sogar ihr eigenes Enkelkind getötet zu haben. Anno 1857 war ihre 17 Jahre alte Tochter Jeanne Mutter geworden. Nachdem die Hebamme Paul kurz das Haus verlassen hatte, hatte Anna ihr 48 Stunden altes Enkelkind verdünnte Schwefelsäure verabreicht, woraufhin das Baby starb. Zwar hatte die Hebamme und ihr Ehemann Verdacht geschöpft und einen Arzt gerufen. Aber dieser konnte die Todesursache nicht feststellen. Anna tröstete ihre Tochter damit, dass diese sowieso zu jung gewesen sei, um Mutter zu sein. Diese Tat war nach dem damaligen französischen Recht nach Ablauf von 10 Jahren bereits verjährt. Anna schaffte es im Laufe der Jahre immer wieder das Vertrauen von jungen, verzweifelten Frauen zu gewinnen, die Anna ihr Baby im Glauben, dass dieses zur Pflege in eine Anstalt kam, anvertrauten. Doch anstatt dies zu tun, ertränkte Anna die Kinder, in dem sie ihren Kopf in ein Gefäß mit Wasser drückte, bis diese erstickten. Danach versteckte sie deren Leichen in ihrem Haus. Anna hatte auf diese Weise 1863 das Kind von Marie Villadieu getötet, von der sie 100 Francs für die Unterbringung in der Pflegeanstalt erhalten hatte. Auch das Kind von Antoinette Fourcade hatte Anna getötet, von der Anna 400 Francs abkassiert hatte. Das lukrative Geschäft ruhte, als Anna wegen Betrugs ins Gefängnis musste. Am 11. Juni 1864 wurde Anna aus dem Gefängnis entlassen. Im November 1865 tötete Anna das Kind von Eulalie Lapoque, zuvor hatte sie von dieser 300 Francs für die Unterbringung ihres Babys erhalten. Erst durch die Recherchen von Emilie Lages und deren Hartnäckigkeit, kam die ganze Wahrheit ans Licht. Neben den Babymorden wurde Anna Delpech auch wegen der illegalen Abtreibungen, die sie zusammen mit Frau Coyne begangen hatte, angeklagt. Während der gesamten Gerichtsverhandlung lachte Anna immer wieder manisch, so dass sie den Eindruck erweckte, als wäre sie wahnsinnig. Anna Delpech wurde vom Gerichtshof wegen ihrer entsetzlichen Verbrechen zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Ihre Komplizin bei den verbotenen Abtreibungen, Frau Coyne, erhielt 10 Jahre Zwangsarbeit. Damit endete endgültig das grausame Treiben der Babymörderin Anna Delpech. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der französischen Hafenstadt Le Havre. 🙂

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