Als Säurebadmörder verewigte sich John George Haigh für immer in der Kriminalgeschichte. Dieser britische Serienmörder tötete aus Habgier sechs Menschen. Dabei ging er stets nach folgendem Modus Operandi vor. Er lockte die Opfer in seine Werkstatt, wo er diesen eine Kugel mit seinem Revolver in den Hinterkopf jagte, bevor er deren toten Körper in einem mit Schwefelsäure gefüllten Fass auflöste. Fakt war, dass jeder der mit John befreundet und reich war, sehr gefährlich lebte. Doch wer war John George Haigh, der als einer der ersten Opfer durch ein Säurebad entsorgte. John erblickte am 24. Juni 1909 in Stanford das Licht der Welt. Seine Eltern waren fanatische Mitglieder der Brüderbewegung, die damals „Plymouth Brethren“ hieß, weshalb John streng religiös erzogen und komplett durch einen 7 Meter hohen Zaun von der Außenwelt abgeschirmt wurde. John war ein hervorragender Schüler, der aufgrund seiner guten schulischen Leistungen ein Stipendium für die Oberschule in Wakefield erhielt und ein weiteres als Sängerknabe von der Kathedrale in Wakefield einheimste. John war äußerst eloquent und gutaussehend, der zunächst als Verkäufer tätig war. Anno 1934 heiratete er Beatrice Hamer. Doch die Ehe hielt nur kurz, da John vom rechten Pfad abgekommen war und wegen Betrugs festgenommen wurde. Danach arbeitete er als Sekretär und Chauffeur für den Geschäftsmann W.D. McSwan, bis er 1 Jahr später erneut wegen Betrugs verhaftet und zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Doch John hatte Glück, der anlässlich des Zweiten Weltkrieges bereits 1940 wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde. Danach setzte er seine kriminelle Karriere einfach fort. Er quartierte sich im Nobelhotel Onslow Court in South Kensington ein und mietete sich ab 1944 eine kleine Werkstatt im Untergeschoss eines Hauses in Kensington, wo er als selbst ernannter Tüftler an Erfindungen arbeitete. John war ein Lebemann, der stets teure Autos fuhr und Maßanzüge an seinem Leib trug. Seinen ausschweifenden Lebensstil finanzierte er durch reiche Freunde, die er wie eine Weihnachtsgans ausnahm und dann ins Jenseits beförderte. Seinen ersten Mord beging er am 9. September 1944. An jenem Tag hatte er Donald McSwan, den Sohn seines ehemaligen Arbeitgebers, in seine Werkstatt in Aussicht auf ein lukratives Geschäft gelockt. Dort schlug er diesen bewusstlos und löste dessen Körper im Säurebad im Fass auf. Die Überreste schüttete er auf den Hof. Durch gefälschte Papiere eignete sich John den Besitz von Donald McSwan an, dessen Eltern er damit beruhigte, dass ihr Sohn sich wegen der Einberufung in die Armee versteckte. Diese Lüge glaubten die McSwans, die Johns nächste Opfer wurden. Er hatte diese in seine Werkstatt geladen, wo er diese erschoss und dann in Säure auflöste. Danach fälschte er handschriftliche Nachrichten, in denen diese ihren Freunden und Bekannten mitteilten, dass sie ins Ausland ausgewandert seien und John sich fortan um deren Geschäfte und Besitz kümmern würde. John verfügte nach den Morden über ein beachtliches Vermögen, dass er jedoch im Glücksspiel verjubelte, weshalb er aufgrund seiner Schulden, dringend Geld benötigte. Neue Opfer mussten gefunden werden. Diese war das Rentnerehepaar Dr. Archibald und Rosalie Henderson, die im August 1947 ein Haus in Ladbroke Grove anboten. John gaukelte diesen Kaufinteresse vor, konnte aufgrund eines kurzfristigen Engpasses das Geld aber dafür noch nicht aufbringen. Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Rentnerehepaar und John. Am 12. Februar 1948 besuchte Dr. Archibald John in seiner Werkstatt, wo er diesen ums Eck brachte. Danach fuhr er zu dessen Ehefrau Rosalie, der er mitteilte, dass es ihrem Ehemann nicht gut gehen würde. Daraufhin begleitete diese John in seine Werkstatt, wo diese dasselbe Schicksal wie ihr Ehemann ereilte. Durch gefälschte Nachrichten ließ er wie schon bei den McSwans deren Freunde und Bekannte im Glauben, dass diese ins Ausland gezogen seien und sich nun John um deren Vermögen kümmern würde. Doch auch dieses verprasste John durch seine Glücksspielsucht. Anno 1949 war John so hoch verschuldet, dass er ein neues Opfer brauchte, um seine Schulden begleichen zu können. Dieses fand er in der 69 Jahre alten vermögenden Rentnerin und Witwe Henrietta Helen Olivia Robarts Durand-Deacon, die im selben Hotel wie John wohnte. Die ältere Dame war eine engagierte Frauenrechtlerin und Tüfftlerin, die schon lange den Plan hegte, künstliche Fingernägel herzustellen und patentieren zu lassen. John gab vor, dass er dafür eine perfekte Methode entwickelt hatte, die er ihr in seiner Werkstatt vorstellen wollte. Dies ließ sich die wissbegierige Dame nicht entgehen, was ihr Todesurteil war. Da sich deren Freunde und Bekannte große Sorgen machten, nachdem die Rentnerin urplötzlich wie vom Erdboden verschwunden war, wollte ihre beste Freundin, die Rentnerin Constance Lane, bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgeben. Zu dieser begleitete sie John. Einem Polizisten kam Johns Verhalten merkwürdig vor. Als er Nachforschungen anstellte, kam heraus, dass der vorbestrafte John kurz nach dem Verschwinden der Rentnerin, deren Schmuck verkauft und ihren Pelzmantel hatte reinigen lassen. Daraufhin durchsuchten sie seine Werkstatt, in deren Hof sie menschliche Gallensteine und falsche Zähne fanden. In der Werkstatt entdeckten sie ein große Metallfass, daneben einen Behälter mit Säure, einen Revolver, Handschuhe und eine Schürze mit Säurespritzern darauf. In Johns Hotelzimmer wurde ein Tagebuch mit Einträgen zu den Morden gefunden. Am 28. Februar 1949 wurde John verhaftet, der im Polizeiverhör zunächst alles abstritt, bis er schließlich die Morde zugab. Er erzählte, dass er nach dem Mord an der Rentnerin, bevor er sie in Säure aufgelöst hatte, noch ins Café gegangen sei, um Tee und einen Toast mit Spiegelei zu essen. John gab als Hauptmotiv für die Morde nicht Habgier an, sondern dass er den Drang verspürte, das Blut seiner Opfer trinken zu wollen. Deshalb hatte er eine Kerbe in deren Hals geritzt und 1 bis 2 Gläser Blut abgefüllt, dass er dann genüsslich getrunken hatte. Dies brachte ihm den Namen „Vampir von London“ ein. Es stellte sich die Frage, ob John diese Geschichte erfunden hatte, um so der Todesstrafe zu entgehen und stattdessen sein Dasein als Verrückter im Broadmoor Hospital fristen zu können. Am 18. Juli 1949 wurde John vor Gericht gestellt, der versuchte, sich als geisteskrank darzustellen, um dem Galgen zu entkommen. Doch diese Strategie ging nicht auf, da das Gericht ihn im Sinne des Gesetztes für zurechnungsfähig befand. John wurde wegen den Morden an 6 Menschen zum Tode verurteilt. Vor seiner Hinrichtung schrieb er noch seine Memoiren. Drei Stunden vor seiner Hinrichtung besuchte ihn Madame Tussaud, um eine Lebensmaske für Johns Wachsmodell anzufertigen, das am Tag nach seinem Tod ausgestellt wurde. Am 10. August 1949 wurde John im Gefängnis von Wandsworth durch den Henker Albert Pierrepoint gehängt. Damit endete die Geschichte des Säurebadmörders John George Haigh. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der englischen Hafenstadt Southampton. 🙂