In der Gemeinde Stede Broec an der Westküste des Markermeers in der niederländischen Provinz Nordholland befindet sich der Broekerhaven, der auf eine lange Geschichte zurückblickt. Bereits im 15. Jahrhundert wollte die Bevölkerung von Stede Broec einen eigenen Hafen, um die Schifffahrt unter ihrer eignen Kontrolle halten zu können. Diese Erlaubnis zum Bau eines Hafen wurde 1425 vom Grafen erteilt. Dies sorgte in dem Nachbarstädtchen Enkhuizen für großen Unmut, da dieses zu große Konkurrenz befürchtete und den Bau durch Proteste boykottierte. Doch dies war nicht das einzige Problem von Stede Broec. Denn zwischen 1350 bis 1490 gab es die Haken- und Kabeljaukriege. Diese waren eine Serie von Schlachten und Kriegen in Holland, an denen der herrschende Adel und die Städte beteiligt waren. Während diesem Konflikt hatte sich Stede Broec auf die Seite von Jacobas von Bayern und Enkhuizen auf die Seite von Philip dem Guten, Herzog von Burgund gestellt, woraufhin Stede Broec ihre Stadtrechte verlor. Als der Konflikt zugunsten von Philip dem Guten beigelegt wurde, war der Plan eines Hafenbaus ad acta gelegt. Erst als die Stadt 1436 ihre Treue und Unterstützung von Philip dem Guten ausgesprochen hatte, erhielt diese zwar ihre Stadtrechte zurück, aber der Bau eines Hafens wurde erst 1448 genehmigt. Am 30. Juli 1449 erfolgte der erste Spatenstich für den lang umkämpften Hafen. Rund um den Broekerhaven entstand zur gleichen Zeit ein Wohngebiet mit dem selben Namen. Als der Broekerhaven 1449 in Betrieb genommen wurde, profitierte die Bevölkerung vom Wohlstand, den das Meer brachte. Anno 1574 während des Achtzigjährigen Krieges fuhren 59 Schiffe von Broekerhaven aus zur Ostsee, die alle Zoll an Stede Broec entrichten mussten. Dadurch landete Stede Broec auf dem 3. Platz unter den niederländischen Handelsstädten. Im Jahr 1807 wurde Broekerhaven zu der Gemeinde und dem Dorf Bovenkarpsel hinzugefügt. Im Jahr 1923 bis 1924 erhielt der Broekerhaven einen elektrischen Schiffslift, der das Markermeer mit dem Kanalsystem verbindet. Dabei fahren die Boote in eine offene Wanne, werden hochgezogen, anschließend seitlich versetzt zum Kanal gefahren und dort abgelassen. Dies geschah früher mit Hilfe zweier großer von Menschenhand und Pferden betriebenen Holzräder, deren Arbeitskraft durch Dampfantrieb 1881 ersetzt wurde. Das heutige Schiffshebewerk ist aufgrund seiner Seltenheit und Geschichtsträchtigkeit ein Nationaldenkmal, das auch ich bei meiner Entdeckungstour durch den Broekerhaven bewundern konnte und mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂